Muskeln vor Verletzungen schützen

Dehnungen steigern eindeutig die Beweglichkeit, Dehnmethoden gibt es verschiedene. Allgemein gilt, dass Dehnzeiten unter zwei Minuten keine nachhaltige Wirkung haben. Nach neusten Erkenntnissen werden Dehnzeiten über vier Minuten pro Muskelgruppe empfohlen, mindestens zwei mal pro Woche sollte man die entsprechnede Region dehnen, um die Beweglichkeit dauerhaft zu steigern. Besonders interessant ist der Aspekt der Toleranzentwicklung des gesamten Körpers, der beim Dehnen auftritt. Kanadische Forscher zeigten, dass sich durch Dehnung des Schultergürtels auch die Beweglichkeit der Hüfte bei Probanden verbesserte. Auch deutsche Forscher konnten diesen Effekt nachweisen. Sie fanden heraus, dass sich die Beweglichkeit der Halswirbelsäule durch eine Wadendehnung verbesserte. Diese Ergebnisse zeigen, dass nicht strukturelle, sondern eher nervale Mechanismen am stärksten dazu beitragen, dass Dehnen die Beweglichkeit verbessert.

Morbus Sudeck - je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die Prognose

Der Sudeck, auch Komplexes regionales Schmerzsyndrom genannt, beschreibt ein Phänomen, das häufig nach Frakturen oder Operationen in der Hand oder am Fuß auftritt. Dabei ist charakterisierend eine handschuhförmige Symptomatik mit starken und länger anhaltenden Schmerzen, die mit Bewegungs- und Funktionsstörungen einhergehen.

Was der Chirurg Paul Sudeck als entgleiste Heilentzündung bezeichnete, beinhaltet eine trophische Weichteil- und Knochenveränderung sowie Störungen der Durchblutung und Schweißbildung in den betroffenen Gliedmaßen. Wie das Syndrom entsteht ist weithin ein Rätsel. Als gesichert gilt, dass es mit der zentralen Schmerzverarbeitung zusammenhängt. Manchmal springt die Krankheit auch auf andere Extremitäten über. 

Rein medikamentös-schmerztherapeutische Maßnahmen haben sich als Einzeltherapie nicht besonders erfolgreich gezeigt. In Kombination mit funktionaler Therapie dagegen waren die Ergebnisse deutlich besser. Entscheidend auch: Je früher desto besser die Prognosen! Dabei sei die frühe Physio- und Ergotherapie, so Dr. Andreas Böger vom Regionalen Schmerzzentrum Kassel an den DRK-Kliniken Nordhessen, die wichtigste Maßnahme.

In diesem Fall habe sich die Spiegeltherapie als erstaunlich effektiv erwiesen. Ein weiterer, vielversprechender Ansatz ist die verhaltenstherapeutische "Pain Exposure Physical Therapy". Der Patient soll dabei über die Schmerzgrenzen hinaus bewegen und damit die Angst vor der Bewegung selbst verlieren.



 Die Sudeck-Selbsthilfe weist auf die Wichtigkeit der Erfahrung von Arzt und Therapeut hin. Dabei soll die Behandlung von einem Team aus Orthopäden, Schmerztherapeuten, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychotherapeuten begleitet werden. Entscheidend, so die Selbsthilfe, sei die individuelle Therapie, da nicht jedem das Gleiche hilft. Während in Akutphasen Manuelle Lymphdrainage, vorsichtiges assistives Durchbewegen und kühlende Retterspitz-Wickel im Vordergrund stehen, sind später aktive Maßnahmen zu bevorzugen. Die Spiegeltherapie kann dabei in allen Stadien eingesetzt werden.

Die Behandlung vom Morbus Sudeck ist langwierig und fordert dem Patienten viel Geduld ab. Diese Situation zu begleiten ist auch eine der Hauptaufgaben des Therapeutenteams.

Ul.Ma. / physio.de

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