Bicepssehnenreizung

Bizepssehnenreizung: Symptome, Diagnose und Physiotherapie – mit gezieltem Belastungsaufbau für eine kräftige, belastbare Schulter in Leipzig.
Anatomischer Vergleich einer gesunden und geschädigten langen Bizepssehne im Schultergelenk

Die lange Bizepssehne verbindet den Bizepsmuskel mit dem Schultergelenk und trägt zur Stabilität sowie zur Bewegung der Schulter bei. Durch wiederholte Belastungen, Verschleiß oder im Zusammenhang mit anderen Schultererkrankungen kann die Sehne gereizt

oder geschädigt werden. Häufig tritt eine Bizepssehnerkrankung gemeinsam mit einem Impingement-Syndrom oder Veränderungen der Rotatorenmanschette auf.

Je nach Ausprägung handelt es sich um eine Reizung der Sehne (Tendinopathie), eine Entzündung der Sehnenscheide oder – seltener – einen Teilriss oder Riss der Sehne.

Typische Beschwerden

  • Schmerzen an der Vorderseite der Schulter
  • Druckschmerz über der Bizepssehne
  • Schmerzen beim Heben des Arms
  • Beschwerden beim Tragen oder Heben von Lasten
  • Schmerzen bei Überkopfarbeiten
  • Kraftverlust beim Beugen des Ellenbogens oder Drehen des Unterarms
  • gelegentlich Schnappen oder Reiben im Schulterbereich

Wie wird eine Bizepssehnerkrankung diagnostiziert?

Nach einem ausführlichen Gespräch erfolgt eine gezielte Untersuchung der Schulter. Dabei prüfen wir Beweglichkeit, Kraft und die Funktion der Bizepssehne sowie der umliegenden Strukturen. Spezielle Funktionstests helfen dabei, die Beschwerden einzugrenzen.

Bei Bedarf können Ultraschall oder MRT eingesetzt werden, um die Sehne genauer zu beurteilen und Begleitverletzungen der Rotatorenmanschette oder des Schultergelenks auszuschließen.

Was empfehlen die aktuellen medizinischen Leitlinien?

Die aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen sehen bei den meisten Bizepssehnerkrankungen zunächst eine konservative Behandlung vor.

Im Mittelpunkt stehen:

  • eine individuell angepasste Belastungssteuerung
  • aktive Physiotherapie
  • gezielter Muskelaufbau
  • Verbesserung der Schulter- und Schulterblattfunktion
  • schrittweise Rückkehr zu Alltag, Beruf und Sport

Passive Maßnahmen können die Beschwerden kurzfristig lindern, langfristig entscheidet jedoch vor allem ein gezieltes Übungsprogramm über den Behandlungserfolg.

So setzen wir diese Empfehlungen in unserer Praxis um

Nach einer ausführlichen Befunderhebung analysieren wir nicht nur die Bizepssehne, sondern die gesamte Schulterfunktion. Häufig liegt die Ursache der Beschwerden in einem gestörten Zusammenspiel von Schulterblatt, Rotatorenmanschette und Oberarmkopf.

Je nach Befund kommen unter anderem folgende Maßnahmen zum Einsatz:

Unser Ziel ist es, die Belastbarkeit der Sehne schrittweise zu steigern und die normale Schulterfunktion wiederherzustellen.

Was können Sie selbst tun?

Regelmäßige Übungen unterstützen den Heilungsverlauf und helfen, die Belastbarkeit der Sehne wieder aufzubauen.

Isometrische Bizepsspannung: Beugen Sie den Ellenbogen um etwa 90 Grad und drücken Sie die Hand leicht gegen einen festen Widerstand, ohne den Arm zu bewegen. Halten Sie die Spannung 10–20 Sekunden.

Außenrotation mit dem Theraband: Kräftigt die Rotatorenmanschette und verbessert die Stabilität des Schultergelenks.

Schulterblatttraining: Ziehen Sie die Schulterblätter langsam nach hinten unten zusammen und halten Sie die Position für einige Sekunden.

Dehnung der Brustmuskulatur: Eine gute Beweglichkeit des Brustkorbs unterstützt die Schulterfunktion und kann die Bizepssehne entlasten.

Unser Praxistipp: Eine gereizte Sehne braucht keine vollständige Schonung. Entscheidend ist die richtige Belastung zur richtigen Zeit. Ein individuell angepasstes Training fördert die Heilung meist besser als längere Ruhephasen.

Unser Ziel

Unser Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Belastbarkeit der Bizepssehne wiederherzustellen und die Funktion Ihrer Schulter nachhaltig zu verbessern. Dabei orientieren wir uns an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und kombinieren evidenzbasierte Physiotherapie mit einem individuell abgestimmten Trainings- und Heimübungsprogramm.

Termin vereinbaren

Häufig gestellte Fragen zur Bicepssehnenreizung

Was ist eine Bicepssehnenreizung?

Gemeint ist meistens eine Erkrankung der langen Bizepssehne an der Schulter. Diese verläuft vom Bizepsmuskel durch eine knöcherne Rinne am Oberarmkopf bis in das Schultergelenk.

Der Begriff umfasst unterschiedliche Veränderungen: eine vorübergehende Reizung, eine Entzündung der Sehnenscheide, länger bestehende Veränderungen des Sehnengewebes oder einen Teilriss.

Ist eine Bicepssehnenreizung dasselbe wie eine Bizepssehnenentzündung?

Nicht immer. Bei neu aufgetretenen Beschwerden kann eine entzündliche Reaktion beteiligt sein. Bei länger bestehenden Beschwerden handelt es sich häufig eher um eine Tendinopathie mit verminderter Belastbarkeit und strukturellen Veränderungen der Sehne.

Deshalb ist die Bezeichnung „Bizepssehnenentzündung“ nicht bei jedem Beschwerdeverlauf medizinisch zutreffend.

Welche Beschwerden sind typisch?

Typisch sind Schmerzen an der Vorderseite der Schulter. Sie können in den vorderen Oberarm ausstrahlen und sich unter anderem verstärken:

  • beim Heben und Tragen
  • bei Überkopfarbeiten
  • beim Werfen oder Schwimmen
  • beim Anziehen einer Jacke
  • beim Greifen nach hinten
  • beim Beugen des Ellenbogens gegen Widerstand
  • beim Drehen der Handfläche nach oben

Auch Druckempfindlichkeit, Kraftverlust oder ein Schnappen im vorderen Schulterbereich können auftreten. Diese Symptome sind jedoch nicht ausschließlich für die Bizepssehne typisch.

Tritt die Bicepssehnenreizung häufig allein auf?

Nein. Veränderungen der langen Bizepssehne treten häufig zusammen mit Beschwerden der Rotatorenmanschette, einer Schleimbeutelreizung, einem Labrumproblem oder anderen Schultererkrankungen auf.

Deshalb sollte bei der Untersuchung nicht nur die Bizepssehne, sondern die gesamte Schulter einschließlich Schulterblattfunktion, Beweglichkeit und Kraft betrachtet werden.

Wie wird eine Bicepssehnenreizung festgestellt?

Grundlage sind das Gespräch über die Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Dabei werden unter anderem Beweglichkeit, Kraft, Druckempfindlichkeit und belastende Bewegungen überprüft.

Einzelne spezielle Bizepssehnentests können die Diagnose nicht zuverlässig bestätigen oder ausschließen. Die Befunde müssen deshalb gemeinsam beurteilt werden. Eine systematische Übersichtsarbeit zur Diagnostik bestätigt die begrenzte Aussagekraft einzelner Funktionstests.

Sind Ultraschall oder MRT immer notwendig?

Nein. Bei einem typischen Beschwerdebild kann zunächst eine klinische Untersuchung ausreichen.

Ein Ultraschall kann sinnvoll sein, wenn ein Riss, eine Verdickung, eine Entzündung der Sehnenscheide oder ein Herausrutschen der Sehne vermutet wird. Ein MRT wird eher bei unklarem Befund oder dem Verdacht auf zusätzliche Schäden an Rotatorenmanschette oder Gelenklippe eingesetzt. Bildbefunde müssen immer zusammen mit den Beschwerden beurteilt werden.

Muss die Schulter vollständig geschont werden?

Eine längerfristige vollständige Schonung ist meistens nicht sinnvoll. Tätigkeiten, die die Beschwerden deutlich verstärken, sollten zunächst reduziert oder angepasst werden. Dazu können schweres Heben, wiederholte Überkopfarbeiten oder intensive Wurfbewegungen gehören.

Schmerzarm mögliche Bewegungen und Übungen sollten gewöhnlich beibehalten werden. Anschließend wird die Belastung schrittweise wieder aufgebaut.

Welche Übungen helfen bei einer Bicepssehnenreizung?

Das Trainingsprogramm richtet sich nach der aktuellen Belastbarkeit und möglichen Begleiterkrankungen. Häufig gehören dazu:

  • statische Anspannungen des Bizeps
  • kontrolliertes Beugen des Ellenbogens
  • Übungen zur Drehung des Unterarms
  • schrittweise gesteigertes Bizepstraining
  • Kräftigung der Rotatorenmanschette
  • Training der Schulterblattmuskulatur
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Bewegungskoordination
  • später arbeits- oder sportspezifische Belastungen

Die Forschung unterstützt ein individuell angepasstes, kombiniertes Vorgehen, zeigt aber auch, dass es bislang kein einziges überlegenes Standardprogramm gibt. Scoping Review zur Physiotherapie, internationale Delphi-Studie

Dürfen die Übungen Schmerzen verursachen?

Bei einer stark gereizten Sehne sollten die Übungen weitgehend schmerzarm ausgeführt werden. In einer späteren Trainingsphase können leichte, kurz anhaltende Beschwerden abhängig vom individuellen Befund tolerierbar sein.

Entscheidend ist die Reaktion während der Übung und am folgenden Tag. Werden die Schmerzen deutlich stärker oder bleibt die Verschlechterung bestehen, waren Widerstand, Bewegungsumfang oder Trainingsmenge möglicherweise zu hoch. Eine starre Schmerzgrenze eignet sich nicht für alle Betroffenen.

Wie kann ich mit den Schulterbeschwerden schlafen?

Häufig ist es angenehmer, nicht direkt auf der betroffenen Schulter zu liegen. In Rückenlage kann ein Kissen unter Ellenbogen und Unterarm den Arm unterstützen. In Seitenlage auf der nicht betroffenen Seite kann der schmerzende Arm auf einem Kissen abgelegt werden.

Diese Anpassungen können nächtliche Beschwerden lindern, behandeln aber nicht die Ursache der verminderten Belastbarkeit.

Ist Wärme oder Kälte besser?

Kälte kann sich nach einer ungewohnten Belastung oder bei akut gereizten Beschwerden angenehm anfühlen. Wärme wird häufig bei begleitenden Muskelverspannungen bevorzugt. Entscheidend ist, was individuell als hilfreich empfunden wird.

Beide Maßnahmen wirken vor allem vorübergehend auf die Beschwerden. Sie ersetzen keinen schrittweisen Belastungsaufbau. Kälte oder Wärme sollten nie ungeschützt oder bei eingeschränkter Hautempfindung angewendet werden.

Helfen Massage, Tape oder andere passive Maßnahmen?

Massage, manuelle Therapie oder Tape können Beschwerden vorübergehend beeinflussen. Eine kräftige direkte Bearbeitung der schmerzhaften Sehne kann die Reizung jedoch verstärken.

Passive Maßnahmen sollten daher lediglich eine Ergänzung darstellen. Entscheidend für die langfristige Belastbarkeit ist ein regelmäßig durchgeführtes und passend gesteigertes Übungsprogramm.

Ist eine Kortisonspritze sinnvoll?

Eine Kortisoninjektion in die Sehnenscheide kann in ausgewählten Fällen zur kurzfristigen Schmerzlinderung erwogen werden. Ob sie geeignet ist, muss ärztlich geprüft werden. Die Behandlung behebt nicht automatisch die zugrunde liegende Belastungsproblematik.

Eine Injektion direkt in das Sehnengewebe sollte wegen einer möglichen Schwächung und des Rupturrisikos vermieden werden. Falls eine Injektion infrage kommt, kann eine Ultraschallkontrolle die genaue Platzierung unterstützen. Informationen der American Academy of Orthopaedic Surgeons

Muss eine Bicepssehnenreizung operiert werden?

In den meisten Fällen wird zunächst konservativ behandelt. Dazu gehören Belastungsanpassung, Physiotherapie und ein schrittweiser Kraftaufbau.

Eine Operation kann erwogen werden, wenn erhebliche Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung bestehen oder relevante Begleitverletzungen vorliegen. Mögliche Verfahren sind die Befestigung der Sehne am Oberarmknochen – die Tenodese – oder die Durchtrennung der langen Bizepssehne, die Tenotomie. Die Entscheidung erfolgt individuell nach orthopädischer Untersuchung.

Wie lange dauert die Heilung?

Eine feste Heilungsdauer lässt sich nicht angeben. Leichtere Reizzustände können sich innerhalb einiger Wochen bessern. Bei länger bestehenden Sehnenveränderungen kann der Belastungsaufbau mehrere Monate benötigen.

Beschwerdedauer, Begleitverletzungen, berufliche und sportliche Belastung sowie die regelmäßige Durchführung des Trainings beeinflussen den Verlauf. Schwankungen bedeuten nicht automatisch, dass die Sehne erneut geschädigt wurde.

Wann darf ich wieder arbeiten oder Sport treiben?

Der Wiedereinstieg sollte sich weniger nach einem festen Datum als nach der Belastbarkeit richten. Wichtige Voraussetzungen sind:

  • alltagsgerechte Beweglichkeit
  • ausreichende Kraft von Bizeps und Rotatorenmanschette
  • gute Kontrolle des Schulterblatts
  • Verträglichkeit der benötigten Hebe- oder Überkopfbewegungen
  • keine deutliche Verschlechterung am folgenden Tag

Arbeits- oder sportartspezifische Belastungen werden anschließend schrittweise gesteigert. Umfang, Widerstand und Geschwindigkeit sollten nicht gleichzeitig stark erhöht werden.

Wann sollte ich die Schulter ärztlich untersuchen lassen?

Eine zeitnahe Untersuchung ist besonders wichtig bei:

  • plötzlich auftretenden starken Schmerzen
  • einem Knall oder Rissgefühl
  • Bluterguss oder deutlicher Schwellung
  • einer sichtbaren Vorwölbung des Bizepsmuskels
  • ausgeprägtem Kraftverlust
  • Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall
  • wiederholtem Herausschnappen der Sehne
  • zunehmenden Ruheschmerzen
  • Rötung, Überwärmung oder Fieber
  • anhaltenden Beschwerden trotz angepasster Belastung

Plötzliche Brust- oder Schulterschmerzen zusammen mit Atemnot, Übelkeit, kaltem Schweiß oder Ausstrahlung in Arm beziehungsweise Kiefer können auf einen medizinischen Notfall hinweisen. In diesem Fall sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Wissenschaftliche Grundlage

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieempfehlung. Welche Übungen und Behandlungen geeignet sind, hängt von der Ursache, möglichen Begleitverletzungen und der persönlichen Belastbarkeit ab.

Verantwortlich für den Inhalt

Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin
Qualifikationen und Fortbildungen ansehen

Letzte Aktualisierung: 3. August 2026

Unser Blog

Intro Image
03.Aug..2026
Was die Wissenschaft über Faszien weiß und warum Bewegung oft die beste Therapie ist.

Weiterlesen: Faszien –...

Intro Image
29.Juli.2026
Stress gehört für viele Menschen zum Alltag. Berufliche Herausforderungen, familiäre...

Weiterlesen: Kann Stress...

Intro Image
25.Juli.2026
Manuelle Lymphdrainage gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei einem Lymphödem. Doch viele...

Weiterlesen: Lymphdrainage...

Welche Behandlung passt zu Ihnen?

Sind Sie unsicher, welches Angebot für Ihre Beschwerden geeignet ist? Sprechen Sie uns an - wir helfen Ihnen, den passenden Praxisbereich zu finden.

Termin anfragen

 

Die Praxis Ines Beger ist Ihre Anlaufstelle für Physiotherapie, Osteopathie und Chiropraktik in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus Leipzig-West, Leutzsch, Burghausen, Rückmarsdorf und der gesamten Region individuell und evidenzbasiert.

  • Zugelassen für alle gesetzlichen Krankenkassen und Berufsgenossenschaften
  • Privat und Selbstzahler
  • Online-Terminvereinbarung

 

Weitere Informationen

Physiotherapie

Pestalozzistraße 60, 04178 Leipzig
Fon: 0341/4422796
Mail: info@physio-beger.de
Montag - Freitag: 7.00-20.00 Uhr

Osteopathie und Chiropraktik

Pestalozzistraße 66, 04178 Leipzig
Fon: 0341/4422796
Mail: info@osteopathie-beger-leipzig.de  
Montag - Freitag: nach Vereinbarung

Wie verwenden Cookies
Wir möchten die Informationen auf dieser Webseite und auch unsere Leistungsangebote auf Ihre Bedürfnisse anpassen. Zu diesem Zweck setzen wir sog. Cookies ein.