Viele Menschen denken beim Begriff Beckenbodentraining sofort an ein paar Kräftigungsübungen oder an Rückbildung nach der Schwangerschaft. Tatsächlich ist der Beckenboden jedoch viel mehr als eine einzelne Muskelgruppe. Er
arbeitet eng mit unserer Atmung, der Bauch- und Rückenmuskulatur, der Wirbelsäule dem Darm und sogar unserer Haltung zusammen. Deshalb betrachten wir in unserer Praxis den Beckenboden niemals isoliert – sondern immer als Teil eines komplexen Zusammenspiels des gesamten Körpers.
Der Beckenboden ist Teamplayer
Der Beckenboden bildet gemeinsam mit dem Zwerchfell, der tiefen Bauchmuskulatur und der Rückenmuskulatur das sogenannte Stabilisationssystem unseres Körpers.
Ist einer dieser Bereiche gestört, kann sich das auf den Beckenboden auswirken. Umgekehrt können Beschwerden des Beckenbodens auch Rückenschmerzen, Beckenschmerzen oder Probleme bei der Kontinenz begünstigen.
Deshalb fragen wir in unserer Befundung oft nach Dingen, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Beckenboden zu tun haben.
Beschwerden haben häufig mehrere Ursachen
Nicht jede Beckenbodenschwäche entsteht nach einer Schwangerschaft. Auch chronischer Husten, häufiges schweres Heben, Operationen, hormonelle Veränderungen oder neurologische Erkrankungen können die Funktion des Beckenbodens beeinflussen.
Ebenso gibt es Menschen, deren Beckenboden gar nicht zu schwach, sondern dauerhaft zu angespannt ist. Auch dies kann Schmerzen, Probleme beim Wasserlassen oder Beschwerden beim Stuhlgang verursachen.
Deshalb steht am Anfang jeder Behandlung eine ausführliche Untersuchung.
Physiotherapie – individuell statt Standardprogramm
Nach einer ausführlichen Befundung entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Therapieplan.
Je nach Beschwerden können unter anderem folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- Wahrnehmungsschulung des Beckenbodens
- gezieltes Kraft- und Koordinationstraining
- Atemtherapie
- Haltungsschulung
- Training der tiefen Rumpfmuskulatur
- Manuelle Therapie
- Entspannungstechniken
- Eigenübungen für zu Hause
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Übungen durchzuführen, sondern genau die Maßnahmen auszuwählen, die zu Ihrer Situation passen.
Osteopathie als ergänzende Behandlung
Bei einigen Patientinnen und Patienten kann die Osteopathie eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Dabei betrachten wir unter anderem die Beweglichkeit von:
- Becken und Kreuzbein
- Zwerchfell
- Bauchorganen
- Faszien
- Lendenwirbelsäule
Diese Strukturen stehen funktionell mit dem Beckenboden in Verbindung und können – je nach Befund – Einfluss auf Beschwerden nehmen.
Warum wir auch nach der Verdauung fragen
Viele Menschen wundern sich, warum wir im Erstgespräch nach ihrem Darm oder ihren Verdauungsgewohnheiten fragen.
Die Antwort ist einfach: Chronische Verstopfung, starkes Pressen beim Stuhlgang oder wiederkehrende Verdauungsprobleme können den Beckenboden dauerhaft belasten. Umgekehrt können Funktionsstörungen des Beckenbodens die Darmentleerung erschweren.
Deshalb gehört die Darmgesundheit für uns zu einer ganzheitlichen Betrachtung dazu.
Wann eine Stuhlanalyse sinnvoll sein kann
Bestehen länger anhaltende Verdauungsbeschwerden, wiederkehrende Blähungen, Verstopfung oder andere funktionelle Darmprobleme, kann in ausgewählten Fällen eine Stuhlanalyse zusätzliche Hinweise liefern.
Sie ersetzt keine ärztliche Diagnostik, kann aber helfen, die Darmfunktion besser einzuordnen und mögliche Einflussfaktoren auf die Beschwerden zu erkennen.
Phytotherapie – Unterstützung aus der Natur
Je nach Beschwerdebild kann auch die Phytotherapie eine sinnvolle Ergänzung sein.
Heilpflanzen werden seit vielen Jahren zur Unterstützung der Blasenfunktion, der Verdauung oder des allgemeinen Wohlbefindens eingesetzt. Welche pflanzlichen Präparate infrage kommen, hängt immer von der individuellen Situation ab und sollte fachkundig beurteilt werden.
Unser Behandlungsansatz
Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte, unterschiedliche Beschwerden und individuelle Ziele mit. Deshalb gibt es bei uns kein standardisiertes Behandlungsprogramm.
Wir verbinden moderne Physiotherapie mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und – wenn sinnvoll – ergänzenden Verfahren wie Osteopathie oder Phytotherapie. So entsteht ein individuelles Therapiekonzept, das den Menschen als Ganzes in den Mittelpunkt stellt.
Denn unser Ziel ist nicht nur ein kräftigerer Beckenboden, sondern mehr Lebensqualität, Sicherheit und Wohlbefinden im Alltag.