Das Darmmikrobiom bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln. Es ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung und steht unter anderem mit Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem in Wechselwirkung.

Gleichzeitig ist wichtig, zwischen wissenschaftlicher Mikrobiomforschung und der klinischen Aussagekraft kommerzieller Mikrobiomanalysen zu unterscheiden.

In unserer Praxis betrachten wir Ergebnisse von Stuhl- und Laboruntersuchungen deshalb nicht isoliert. Entscheidend sind immer die konkrete Fragestellung, die Beschwerden, die Anamnese, bestehende Erkrankungen, Medikamente und gegebenenfalls weitere medizinische Befunde.

Mit der fachlichen Einordnung von Mikrobiom- und Laborbefunden beschäftigen sich insbesondere Ines Beger und Falk Scheibner.

Was ist das Darmmikrobiom?

Im menschlichen Darm leben zahlreiche unterschiedliche Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, aber auch andere Mikroben.

Ihre Zusammensetzung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und kann unter anderem beeinflusst werden durch:

  • Ernährung
  • Alter
  • Medikamente
  • Antibiotikatherapien
  • Infektionen
  • Umweltfaktoren
  • Lebensstil
  • bestehende Erkrankungen

Die Forschung zum menschlichen Mikrobiom entwickelt sich schnell. Viele beobachtete Zusammenhänge sind jedoch bislang vor allem Assoziationen. Aus einer veränderten Zusammensetzung des Mikrobioms lässt sich deshalb nicht automatisch die Ursache bestimmter Beschwerden ableiten.

Was kann bei einer Stuhluntersuchung bestimmt werden?

Der Begriff „Stuhldiagnostik“ umfasst sehr unterschiedliche Untersuchungen.

Je nach medizinischer Fragestellung können beispielsweise untersucht werden:

  • bestimmte bakterielle Krankheitserreger
  • Parasiten
  • Clostridioides difficile
  • Entzündungsmarker
  • Verdauungsparameter
  • ausgewählte weitere Laborparameter
  • Zusammensetzung bestimmter Mikroorganismen

Diese Untersuchungen haben nicht alle dieselbe medizinische Aussagekraft.

Eine gezielte Untersuchung auf einen vermuteten Krankheitserreger ist beispielsweise etwas anderes als eine umfassende Analyse der Zusammensetzung der normalen Darmmikrobiota.

Mikrobiomanalyse ist nicht gleich medizinische Diagnose

Moderne Labore können heute zahlreiche Mikroorganismen in einer Stuhlprobe nachweisen und ihre relative Häufigkeit bestimmen.

Die entscheidende Frage ist jedoch nicht nur, was gemessen werden kann, sondern auch, welche medizinische Konsequenz sich zuverlässig daraus ableiten lässt.

Für viele sogenannte Mikrobiomprofile gibt es derzeit keine allgemein anerkannten Grenzwerte, anhand derer eindeutig zwischen „gesund“ und „krank“ unterschieden werden könnte.

Auch Begriffe wie „Dysbiose“ sollten deshalb vorsichtig interpretiert werden. Eine Abweichung von einem Laborreferenzbereich beweist nicht automatisch die Ursache bestehender Beschwerden und führt nicht zwangsläufig zu einer bestimmten Therapie.

Was sagt die wissenschaftliche Leitlinie?

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) weist beispielsweise für das Reizdarmsyndrom darauf hin, dass derzeit mit der Bestimmung des Mikrobioms beziehungsweise Metaboloms kein ausreichend validierter diagnostischer und therapeutischer Ansatz besteht.

Eine allgemeine Analyse der kommensalen Darmmikrobiota wird deshalb bei Reizdarmsyndrom derzeit nicht als Routinediagnostik empfohlen.

Davon zu unterscheiden sind medizinisch begründete Stuhluntersuchungen, beispielsweise auf bestimmte Krankheitserreger oder andere gezielt ausgewählte Laborparameter.

Wann können Stuhl- oder Laboruntersuchungen sinnvoll sein?

Ob eine Untersuchung sinnvoll ist, sollte sich nach einer konkreten Fragestellung richten.

Vor einer Laboruntersuchung sind deshalb unter anderem folgende Fragen wichtig:

  • Welche Beschwerden bestehen?
  • Seit wann bestehen sie?
  • Gibt es Warnzeichen?
  • Welche Erkrankungen sind bereits bekannt?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Gab es kürzlich Antibiotikatherapien?
  • Bestehen auffällige Gewichtsveränderungen?
  • Gibt es Hinweise auf eine Infektion oder Entzündung?
  • Welche Untersuchungen wurden bereits durchgeführt?
  • Welche konkrete Frage soll der Labortest beantworten?

Eine Laboruntersuchung sollte möglichst nur dann durchgeführt werden, wenn sich aus dem Ergebnis eine nachvollziehbare diagnostische oder therapeutische Konsequenz ergeben kann.

Wann ist eine ärztliche Abklärung wichtig?

Verdauungsbeschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Nicht jede Veränderung lässt sich mit dem Mikrobiom erklären.

Eine ärztliche beziehungsweise fachärztliche Abklärung ist insbesondere wichtig bei neu aufgetretenen, ausgeprägten oder länger anhaltenden Beschwerden sowie bei Warnzeichen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Blut im Stuhl
  • ungeklärter Gewichtsverlust
  • anhaltendes Fieber
  • starke oder zunehmende Schmerzen
  • ausgeprägte oder länger anhaltende Durchfälle
  • nächtliche Beschwerden
  • deutliche Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
  • auffällige Laborwerte

Eine Mikrobiomanalyse ersetzt keine gastroenterologische oder andere notwendige ärztliche Diagnostik.

Laborwerte immer im Zusammenhang betrachten

Ein einzelner Laborwert oder ein einzelner mikrobiologischer Befund sollte nicht losgelöst von der gesamten gesundheitlichen Situation interpretiert werden.

Für die Einordnung können beispielsweise relevant sein:

  • Anamnese
  • Beschwerden
  • Medikamente
  • Ernährung
  • weitere Laborwerte
  • vorhandene ärztliche Befunde
  • körperliche Untersuchung

Genau diese differenzierte Betrachtung war auch Bestandteil unserer weiterführenden Fortbildungen in Labordiagnostik und Mikrobiom.

Fortbildungen in Labordiagnostik und Mikrobiom

Ernährung und Mikrobiom

Die Ernährung gehört zu den Faktoren, die das Darmmikrobiom beeinflussen können.

Daraus folgt jedoch nicht, dass aus jedem Mikrobiombefund automatisch eine spezielle Diät oder die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel abgeleitet werden sollte.

Bei Verdauungsbeschwerden ist zunächst entscheidend, mögliche Ursachen medizinisch einzuordnen und individuelle Zusammenhänge zu betrachten.

Je nach Situation können dabei auch pflanzliche Behandlungsmöglichkeiten diskutiert werden.

Phytotherapie und Pflanzenheilkunde in unserer Praxis

Probiotika nicht allein nach einem Mikrobiomprofil auswählen

Auch Probiotika werden häufig im Zusammenhang mit dem Darmmikrobiom beworben.

Die Wirkung probiotischer Präparate kann jedoch von Bakterienstamm, Dosierung und konkreter Erkrankung beziehungsweise Fragestellung abhängen.

Ein allgemeiner Mikrobiombefund erlaubt deshalb nicht automatisch die Aussage, dass eine bestimmte Bakterienart „aufgefüllt“ werden müsse.

Empfehlungen sollten individuell und unter Berücksichtigung der vorhandenen wissenschaftlichen Daten erfolgen.

Mikrobiomdiagnostik im Heilpraktikerbereich

Die eigenständige heilkundliche Untersuchung und Einordnung erfolgt in unserer Praxis im Rahmen der entsprechenden beruflichen Befugnisse.

Ines Beger und Falk Scheibner verfügen über die allgemeine Heilpraktikererlaubnis.

Welche Voraussetzungen und medizinischen Kenntnisse hinter dieser Erlaubnis stehen, erklären wir hier:

Heilpraktikererlaubnis in Sachsen – Kenntnisüberprüfung und Qualifikation

Einen Überblick über die heilpraktischen Angebote unserer Praxis finden Sie hier:

Heilpraktikerbereich der Praxis Beger

Fachliche Qualifikation in unserem Team

Ines Beger

Ines Beger
Physiotherapeutin · Osteopathin · Heilpraktikerin

Ines beschäftigt sich zusätzlich mit Mikrobiomdiagnostik und Labordiagnostik. Ihre Kenntnisse hat sie unter anderem durch weiterführende Fortbildungen zur Interpretation von Laborparametern, Mikrobiom, Stoffwechsel und Immundiagnostik vertieft.

Fortbildungen in Labordiagnostik und Mikrobiom

Ines Beger – Behandlungsschwerpunkte und Qualifikationen

Falk Scheibner

Falk Scheibner
Physiotherapeut · Osteopath · Heilpraktiker

Auch Falk verfügt über zusätzliche Kenntnisse im Bereich Mikrobiomdiagnostik und beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen rund um das menschliche Mikrobiom.

Sein Wissen wurde unter anderem durch die Teilnahme an einer Mikrobiom-Fachtagung von biovis vertieft.

Mehr über unsere Mikrobiom-Fortbildungen erfahren

Falk Scheibner – Behandlungsschwerpunkte und Qualifikationen

Fortbildung und kritische Einordnung

Die Forschung zum Darmmikrobiom entwickelt sich kontinuierlich weiter. Deshalb gehört für uns zur fachlichen Weiterbildung auch, neue diagnostische Möglichkeiten kritisch hinsichtlich ihrer tatsächlichen klinischen Aussagekraft zu beurteilen.

Unsere gemeinsame Fortbildungsseite informiert darüber, welche zusätzlichen Schulungen Ines Beger, Falk Scheibner und Mandy Werkstätter in den Bereichen Labordiagnostik und Mikrobiom absolviert haben.

Labordiagnostik & Mikrobiom – Fortbildungen unseres Teams

Über die Autorin

Ines Beger
Physiotherapeutin · Osteopathin · Heilpraktikerin

Zuletzt fachlich aktualisiert: August 2026

Welche Behandlung passt zu Ihnen?

Nicht immer ist auf den ersten Blick klar, welche Behandlung für die eigenen Beschwerden geeignet ist. Unsere Übersicht hilft Ihnen bei der Orientierung. Welche Therapie tatsächlich infrage kommt, richtet sich nach Ihrem individuellen Befund.

Rücken und Nacken
Physiotherapie, Manuelle Therapie und individuell abgestimmte Behandlungsmöglichkeiten

Schulter oder Gelenke
Physiotherapeutische Behandlung bei Beschwerden von Schulter und Gelenken

Kieferbeschwerden / CMD
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Babys, Kinder und Jugendliche
Physiotherapie, Skoliosebehandlung nach Schroth, Osteopathie und Kinderchiropraktik

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