Was vermittelt die Kinesio-Taping-Ausbildung?

Die Weiterbildung im Kinesio-Taping vermittelt fundierte Kenntnisse über die fachgerechte Anwendung elastischer Tapes. Die verschiedenen Anlagetechniken werden abhängig vom therapeutischen Befund, der betroffenen Körperregion und dem persönlichen Behandlungsziel ausgewählt.

Kinesio-Tapes bleiben elastisch und lassen grundsätzlich weiterhin Bewegung zu. Sie können als ergänzende Maßnahme eingesetzt werden, ersetzen jedoch weder eine sorgfältige Untersuchung noch aktive Bewegung und eine ursachenorientierte Behandlung.

Inhalte der Ausbildung

Zu den Ausbildungsinhalten gehören unter anderem:

  • Materialeigenschaften elastischer Tapes
  • funktionelle Anatomie von Muskeln, Gelenken und Faszien
  • Vorbereitung und Untersuchung der zu behandelnden Körperregion
  • Auswahl einer geeigneten Anlagetechnik
  • Bestimmung von Zugrichtung und Zugstärke
  • Muskelanlagen
  • Gelenk- und Korrekturanlagen
  • Faszien- und Entlastungsanlagen
  • Kombination des Tapings mit Bewegung und Übungen
  • mögliche Risiken und Gegenanzeigen
  • Kontrolle der Hautverträglichkeit
  • fachgerechtes Anbringen und Entfernen der Tapes

Die praktische Ausbildung umfasst unterschiedliche Techniken, die an verschiedenen Körperregionen geübt und an den jeweiligen Befund angepasst werden.

Wie funktioniert ein Kinesio-Tape?

Kinesio-Tapes sind elastische Klebebänder, die direkt auf die Haut aufgebracht werden. Im Gegensatz zu einem festen Sportverband sollen sie die behandelte Körperregion normalerweise nicht ruhigstellen.

Das Tape erzeugt während der Bewegung einen zusätzlichen Reiz auf der Haut. Dieser Reiz kann die Wahrnehmung der betroffenen Körperregion verändern und Bewegungen bewusster machen. Manche Patientinnen und Patienten empfinden das Tape außerdem als unterstützend oder entlastend.

Wie eine Tapeanlage wahrgenommen wird und ob sie hilfreich ist, unterscheidet sich von Person zu Person.

Wann kann Kinesio-Taping eingesetzt werden?

Abhängig vom Untersuchungsbefund kann Kinesio-Taping eine physiotherapeutische Behandlung beispielsweise ergänzen bei:

  • Muskelverspannungen
  • Rücken- und Nackenbeschwerden
  • Schulterbeschwerden
  • Knie- und Sprunggelenkbeschwerden
  • Sehnen- und Muskelreizungen
  • Beschwerden nach Verletzungen
  • funktionellen Bewegungseinschränkungen
  • sportlichen Überlastungsbeschwerden
  • während der Rehabilitation
  • vorübergehenden Schwellungen, sofern keine Gegenanzeigen bestehen

Ob eine Tapeanlage geeignet ist, entscheiden wir nach einer individuellen Untersuchung. Nicht jede Beschwerde lässt sich sinnvoll mit einem Tape behandeln.

Was bedeutet diese Qualifikation für Sie?

Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet die Weiterbildung:

  • eine fachgerechte Auswahl der Anlagetechnik,
  • eine individuelle Anpassung an die jeweilige Körperregion,
  • die Berücksichtigung von Hautzustand und möglichen Gegenanzeigen,
  • eine kontrollierte Dosierung der Zugstärke,
  • die Verbindung des Tapings mit aktiven Übungen,
  • verständliche Hinweise zum Umgang mit dem Tape,
  • eine regelmäßige Überprüfung des Behandlungsergebnisses.

Vor der Anlage erklären wir Ihnen, wie lange das Tape getragen werden kann und worauf Sie währenddessen achten sollten.

Kinesio-Taping als ergänzende Behandlung

Kinesio-Taping ist für uns keine isolierte Therapie. Das Tape kann einen zusätzlichen Haut- und Wahrnehmungsreiz geben, beseitigt jedoch nicht automatisch die Ursache einer Beschwerde.

Je nach Befund kombinieren wir das Taping deshalb mit:

  • aktiven Bewegungsübungen,
  • Manuelle Therapie,
  • medizinische Trainingstherapie
  • Gleichgewichts- und Koordinationstraining,
  • Beratung zur Belastungssteuerung,
  • Übungen für den Alltag oder Sport,
  • weiteren physiotherapeutischen Maßnahmen.

Das Ziel besteht darin, Beweglichkeit, Belastbarkeit und Selbstständigkeit langfristig durch aktive Maßnahmen zu unterstützen.

Sicherheit und Hautverträglichkeit

Vor dem Tapen prüfen wir, ob die Haut für die Anwendung geeignet ist. Kinesio-Tapes werden nicht auf offene Wunden, akute Hautentzündungen oder infizierte Hautbereiche geklebt.

Bei bekannten Allergien gegen Pflaster oder Klebstoffe sowie bei ausgeprägten Hauterkrankungen muss besonders sorgfältig abgewogen werden, ob eine Anwendung möglich ist.

Das Tape sollte entfernt werden, wenn Beschwerden wie diese auftreten:

  • zunehmender Juckreiz
  • deutliches Brennen
  • starke Hautrötung
  • Bläschenbildung
  • Schmerzen oder Taubheitsgefühle
  • eine deutliche Verstärkung der Beschwerden

Bei ungewöhnlichen oder anhaltenden Reaktionen sollte die betroffene Haut ärztlich untersucht werden.

Wissenschaftliche Einordnung

Die wissenschaftliche Studienlage zum Kinesio-Taping ist je nach Beschwerdebild und untersuchtem Behandlungsziel unterschiedlich.

Einige Studien berichten mögliche kurzfristige Verbesserungen von Schmerzen oder Körperwahrnehmung. Gegenüber anderen physiotherapeutischen Maßnahmen zeigt sich jedoch häufig kein eindeutiger zusätzlicher Vorteil. Für eine dauerhafte Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft und Belastbarkeit sind aktive Übungen und ein schrittweiser Belastungsaufbau in der Regel wichtiger.

Wir betrachten das Kinesio-Taping deshalb als mögliche Ergänzung und versprechen keine bestimmte Wirkung. Ob das Tape im Einzelfall sinnvoll ist, wird anhand des persönlichen Befundes und der Reaktion auf die Behandlung entschieden.

Übersichtsarbeiten berichten teilweise kurzfristige Effekte, belegen aber keinen verlässlichen allgemeinen Vorteil gegenüber anderen Behandlungen. Systematische Übersichtsarbeit von Tran et al. und Übersicht zum Taping bei Knieschmerzen.

Fundierte Weiterbildung für eine individuelle Anwendung

Die fachgerechte Anwendung eines Kinesio-Tapes erfordert Kenntnisse der Anatomie, der verschiedenen Anlagetechniken und möglicher Gegenanzeigen.

Unsere entsprechend fortgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten wählen die Tapeanlage individuell aus und überprüfen, ob sie zum jeweiligen Beschwerdebild und Behandlungsziel passt.

Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen helfen uns, therapeutische Anwendungen kritisch zu prüfen und sinnvoll in ein umfassendes physiotherapeutisches Behandlungskonzept einzubinden.

Hinweis: Diese Seite informiert über unsere therapeutische Qualifikation. Sie ersetzt keine persönliche Untersuchung, medizinische Beratung oder notwendige ärztliche Diagnostik.

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