Eine dauerhaft verstopfte Nase, wiederkehrender Druck über Stirn und Wangen oder häufige Entzündungen der Nasennebenhöhlen können die Atmung, den Schlaf und das allgemeine Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.
Die Ursachen sind vielfältig. Möglich sind beispielsweise Infektionen, Allergien, eine chronische Entzündung der Schleimhäute, Nasenpolypen, anatomische Veränderungen oder Erkrankungen der Zähne und des Kieferbereichs. Deshalb sollte vor einer ergänzenden Behandlung geklärt werden, wodurch die Beschwerden verursacht werden.
In unserer Praxis können nach einer notwendigen medizinischen Abklärung osteopathische Techniken und – ausschließlich durch Ines Beger – neuraltherapeutische Injektionen ergänzend eingesetzt werden. Beide Verfahren ersetzen jedoch keine HNO-ärztliche Diagnostik oder Behandlung.
Welche Beschwerden können auftreten?
Typische Beschwerden im Bereich von Nase und Nasennebenhöhlen sind:
- eine behinderte Nasenatmung,
- eine laufende oder dauerhaft verstopfte Nase,
- Druck oder Schmerzen über Stirn, Wangen und Nasenwurzel,
- eingeschränkter Geruchssinn,
- Sekret, das in den Rachen läuft,
- wiederkehrende Kopfschmerzen,
- Beschwerden im Bereich von Oberkiefer und Zähnen,
- häufige akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen.
Eine chronische Rhinosinusitis liegt definitionsgemäß vor, wenn entsprechende Beschwerden und eine Entzündung der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut länger als zwölf Wochen bestehen. Die Diagnose sollte HNO-ärztlich bestätigt werden.
Welche Behandlung ist medizinisch etabliert?
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Je nach Befund können unter anderem Kochsalzspülungen, kortisonhaltige Nasensprays, eine Allergiebehandlung, zeitlich begrenzte abschwellende Medikamente oder operative Verfahren eingesetzt werden.
Antibiotika sind nur bei bestimmten bakteriellen Verläufen sinnvoll. Bei ausgeprägten Nasenpolypen oder schweren chronischen Verläufen können zusätzlich moderne Antikörpertherapien infrage kommen. Osteopathie und Neuraltherapie gehören nicht zu den leitliniengerechten Standardbehandlungen einer akuten oder chronischen Rhinosinusitis.
Welche Rolle kann Osteopathie spielen?
Bei einer osteopathischen Untersuchung können abhängig vom Beschwerdebild unter anderem folgende Bereiche betrachtet werden:
- Hals- und Brustwirbelsäule,
- Nacken- und Schultermuskulatur,
- Kiefergelenke und Kaumuskulatur,
- Brustkorb und Atmung,
- Muskel- und Faszienspannungen im Kopf- und Halsbereich.
Sanfte manuelle Techniken können möglicherweise dazu beitragen, begleitende Spannungen zu reduzieren und die Beweglichkeit angrenzender Körperregionen zu verbessern.
Eine kleine kontrollierte Studie mit 43 Teilnehmenden berichtete unmittelbar nach einer osteopathischen Behandlung über eine Verringerung von Druckgefühl, Schmerzen und verstopfter Nase. Nach zehn Tagen war dieser Effekt jedoch nicht mehr nachweisbar. Aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl und der kurzen Nachbeobachtung lässt sich daraus keine dauerhafte Wirksamkeit ableiten.
Osteopathie kann insbesondere nicht:
- Infektionen beseitigen,
- Allergien behandeln,
- Nasenpolypen entfernen,
- eine verkrümmte Nasenscheidewand korrigieren,
- chronisch entzündete Schleimhäute heilen,
- notwendige Medikamente oder Operationen ersetzen.
Die Vorstellung, Schädelknochen ließen sich so bewegen, dass dadurch die Nasennebenhöhlen dauerhaft geöffnet werden, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Was ist Neuraltherapie?
Bei der Neuraltherapie werden geringe Mengen eines örtlichen Betäubungsmittels, meist Procain oder Lidocain, gezielt in die Haut, an Narben, schmerzhafte Gewebebereiche oder in die Nähe ausgewählter Nervenstrukturen injiziert.
Ziel ist eine zeitlich begrenzte Beeinflussung von Schmerzen, Muskelspannungen und Reizzuständen. Die überwiegende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen zu niedrig dosierten Lokalanästhetika betrifft Schmerzbehandlungen. Für Erkrankungen der Nase und Nasennebenhöhlen fehlen dagegen belastbare kontrollierte Studien.
In unserer Praxis wird die Neuraltherapie ausschließlich durch Ines Beger nach einer individuellen Untersuchung sowie einer Prüfung von Risiken und Gegenanzeigen durchgeführt.
Was bedeutet der Begriff „Störfeld“?
In der traditionellen Neuraltherapie wird angenommen, dass chronisch gereizte oder veränderte Körperregionen Beschwerden an anderen Stellen des Körpers beeinflussen könnten. Solche Regionen werden als sogenannte Störfelder bezeichnet.
Als mögliche Störfelder werden in diesem Konzept beispielsweise genannt:
- Narben,
- chronisch gereizte Mandeln,
- Zähne oder Kieferbereiche,
- frühere Verletzungen,
- entzündlich veränderte Gewebe.
Dieses Störfeldmodell ist eine neuraltherapeutische Hypothese. Es ist wissenschaftlich nicht ausreichend bestätigt und darf nicht mit einer gesicherten medizinischen Ursache gleichgesetzt werden.
Eine vorübergehende Veränderung der Beschwerden nach einer Injektion beweist deshalb nicht, dass die behandelte Region tatsächlich die Ursache einer Nasenerkrankung war.
Was bedeutet „Mandeln anspritzen“?
Mit dem umgangssprachlichen Ausdruck „Mandeln anspritzen“ ist in der Neuraltherapie meist eine Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels in das Gewebe in der Umgebung der Gaumenmandeln gemeint.
Die Behandlung wird teilweise erwogen, wenn die Mandeln innerhalb des neuraltherapeutischen Modells als mögliche chronisch gereizte Region oder als sogenanntes Störfeld angesehen werden.
Für die Annahme, dass solche Injektionen eine chronische Rhinosinusitis, Allergien oder eine behinderte Nasenatmung ursächlich behandeln können, gibt es jedoch keine belastbaren wissenschaftlichen Nachweise. Die aktuellen Leitlinien zur Rhinosinusitis und zur Behandlung von Tonsillitis führen diese Methode nicht als Standardtherapie auf.
Eine kleine Pilotstudie untersuchte Injektionen von Lokalanästhetika im Rachenbereich bei Menschen mit chronischen Nackenschmerzen. Sie liefert jedoch keinen Nachweis für eine Wirksamkeit bei Nasen- oder Nebenhöhlenerkrankungen.
Vor einer solchen Behandlung müssen Erkrankungen der Mandeln ärztlich abgeklärt werden. Akute Entzündungen, ein Abszess, Schluck- oder Atemprobleme dürfen nicht neuraltherapeutisch überdeckt werden.
Was sind Nervenaustrittspunkte?
Im Gesicht treten mehrere sensible Nervenäste durch kleine knöcherne Öffnungen an die Oberfläche. Sie versorgen unter anderem Stirn, Wangen, Nase, Oberkiefer und Unterkiefer.
Bei einer neuraltherapeutischen Behandlung können geringe Mengen eines örtlichen Betäubungsmittels in der Nähe ausgewählter oberflächlicher Nervenaustrittspunkte injiziert werden. Damit soll versucht werden, lokale Schmerzen oder eine erhöhte Empfindlichkeit vorübergehend zu beeinflussen.
Eine solche Injektion behandelt jedoch nicht automatisch eine Entzündung der Nasennebenhöhlen. Sie kann höchstens eine zeitlich begrenzte Wirkung auf bestimmte Schmerzreize haben. Für einen dauerhaften Nutzen bei Rhinosinusitis liegen keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege vor.
Welche Risiken bestehen?
Neuraltherapeutische Injektionen sind medizinische Eingriffe und nicht risikofrei. Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Schmerzen, Blutergüsse oder Schwellungen,
- Blutungen,
- Infektionen,
- Kreislaufreaktionen,
- allergische Reaktionen,
- vorübergehende Taubheitsgefühle,
- Verletzungen von Nerven oder Gefäßen,
- eine unbeabsichtigte Injektion in ein Blutgefäß,
- selten eine systemische Reaktion auf das Lokalanästhetikum.
Injektionen im Bereich des Rachens, des Gesichts und an Nervenaustrittspunkten erfordern aufgrund der dort verlaufenden Nerven und Blutgefäße besondere Erfahrung und Sorgfalt.
Vor einer Behandlung müssen unter anderem Allergien gegen örtliche Betäubungsmittel, Blutgerinnungsstörungen, gerinnungshemmende Medikamente, akute Infektionen und weitere Vorerkrankungen berücksichtigt werden.
Wann ist eine ärztliche Abklärung besonders wichtig?
Eine zeitnahe HNO-ärztliche oder medizinische Untersuchung ist erforderlich bei:
- Beschwerden, die länger als zwölf Wochen bestehen,
- häufig wiederkehrenden Entzündungen,
- stark einseitigen Beschwerden,
- hohem Fieber,
- eitrigem oder blutigem Sekret,
- ausgeprägtem Geruchsverlust,
- starken Zahn- oder Gesichtsschmerzen,
- Schwellungen um das Auge,
- Sehstörungen oder Doppelbildern,
- starken Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit,
- Atemnot oder deutlichen Schluckbeschwerden,
- einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustandes.
Schwellungen um das Auge, Sehstörungen, Bewusstseinsveränderungen oder starke neurologische Beschwerden können auf eine seltene, aber ernsthafte Komplikation hinweisen und müssen sofort medizinisch untersucht werden.
Unsere Einordnung
Osteopathie und Neuraltherapie können nach sorgfältiger medizinischer Abklärung im Einzelfall als ergänzende Maßnahmen bei ausgewählten funktionellen oder schmerzhaften Begleitbeschwerden erwogen werden.
Osteopathische Techniken zielen dabei vor allem auf Beweglichkeit und Spannungen angrenzender Körperregionen. Bei der Neuraltherapie werden örtliche Betäubungsmittel an individuell ausgewählten Bereichen eingesetzt.
Das Anspritzen der Mandelregion oder von Nervenaustrittspunkten ist keine wissenschaftlich gesicherte Behandlung einer Rhinosinusitis. Auch das Konzept eines Störfeldes ist ein neuraltherapeutisches Erklärungsmodell und keine bestätigte medizinische Diagnose.
Wir versprechen daher weder eine Heilung noch eine dauerhafte Verbesserung der Nasenatmung. Eine notwendige HNO-ärztliche, allergologische, zahnärztliche oder operative Behandlung hat immer Vorrang.
Über die Autorin
Ines Beger ist Physiotherapeutin, Heilpraktikerin und Osteopathin für Kinder und Erwachsene. Sie ist Inhaberin der Praxis für Physiotherapie, Osteopathie und Chiropraktik Ines Beger in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg.
Zu ihren Schwerpunkten gehören die osteopathische Begleitung funktioneller Beschwerden, viszerale Osteopathie, Kinderosteopathie, Phytotherapie und Neuraltherapie. Die Neuraltherapie wird in der Praxis ausschließlich von Ines Beger nach individueller Untersuchung und Prüfung möglicher Gegenanzeigen durchgeführt.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder ärztliche Behandlung. Ob eine osteopathische oder neuraltherapeutische Behandlung infrage kommt, muss im Einzelfall entschieden werden.
Letzte Aktualisierung: 6. August 2026