Arthrose und Arthritis klingen ähnlich und betreffen beide die Gelenke – trotzdem handelt es sich um unterschiedliche Erkrankungen.
Während bei einer Arthrose Veränderungen des gesamten Gelenks im Vordergrund stehen, bezeichnet Arthritis eine Entzündung eines Gelenks. Auch die Beschwerden, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten können sich deutlich unterscheiden.
In unserer Podcastfolge 19 zum Thema Arthrose und Arthritis sprechen wir ausführlich darüber, was hinter beiden Erkrankungen steckt, woran sich Unterschiede erkennen lassen und welche Rolle Bewegung und Physiotherapie spielen.
Was ist Arthrose?
Arthrose wird umgangssprachlich häufig als „Gelenkverschleiß“ bezeichnet. Diese Vorstellung ist jedoch zu einfach.
Bei einer Arthrose verändert sich das gesamte Gelenk. Unter anderem kann sich die Knorpelstruktur verändern. Auch Knochen, Gelenkkapsel, Bänder, Muskulatur und die Gelenkinnenhaut können beteiligt sein.
Arthrose bedeutet deshalb nicht, dass ein Gelenk durch Bewegung einfach „abgenutzt“ wird.
Im Gegenteil: Gelenke benötigen Bewegung und angemessene Belastung.
Regelmäßige und individuell dosierte Bewegung unterstützt unter anderem die Beweglichkeit, Muskelkraft und Funktion des Gelenks.
Ein Beispiel für eine häufige Arthrose ist die Gonarthrose – Arthrose des Kniegelenks.
Typische Beschwerden bei Arthrose
Mögliche Beschwerden sind:
- belastungsabhängige Gelenkschmerzen
- Anlaufschmerzen nach längerem Sitzen oder Liegen
- eingeschränkte Beweglichkeit
- zunehmende Steifigkeit
- verminderte Belastbarkeit
- gelegentliche Schwellungen
- bei fortgeschrittener Arthrose auch Ruhe- oder Nachtschmerzen
Besonders häufig betroffen sind unter anderem Knie, Hüfte, Finger und Wirbelgelenke.
Wichtig ist: Veränderungen im Röntgenbild und die tatsächlichen Beschwerden müssen nicht immer übereinstimmen. Manche Menschen haben deutliche strukturelle Veränderungen und nur geringe Beschwerden, andere stärkere Schmerzen bei vergleichsweise geringen Veränderungen.
Weitere Informationen zu einzelnen Erkrankungen des Bewegungsapparates finden Sie in unserer Diagnoseübersicht.
Was ist Arthritis?
Der Begriff Arthritis bedeutet zunächst einmal: Entzündung eines Gelenks.
Dafür kann es unterschiedliche Ursachen geben. Eine bekannte Form ist die rheumatoide Arthritis, bei der Fehlsteuerungen des Immunsystems Entzündungsprozesse in mehreren Gelenken verursachen können.
Auch andere Erkrankungen oder Infektionen können Gelenkentzündungen auslösen.
Typische Zeichen einer Arthritis können sein:
- Gelenkschmerzen
- Schwellung
- Überwärmung
- Rötung
- eingeschränkte Beweglichkeit
- ausgeprägte Morgensteifigkeit
- teilweise allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
Bei einer rheumatoiden Arthritis sind häufig mehrere Gelenke betroffen. Typisch können länger anhaltende Morgensteifigkeit sowie geschwollene oder warme Gelenke sein.
Arthrose oder Arthritis – woran erkennt man den Unterschied?
Eine eindeutige Unterscheidung allein anhand der Beschwerden ist nicht immer möglich.
Als grobe Orientierung gilt:
Arthrose
Beschwerden treten häufig verstärkt bei Belastung auf. Nach Ruhephasen kann ein typischer Anlaufschmerz bestehen, der sich nach etwas Bewegung zunächst bessert.
Entzündliche Arthritis
Ein Gelenk kann stärker geschwollen, überwärmt und schmerzhaft sein. Bei rheumatoider Arthritis kann eine länger anhaltende Morgensteifigkeit auftreten.
Diese Unterschiede ermöglichen jedoch keine sichere Selbstdiagnose.
Bei neu auftretenden, deutlich geschwollenen oder entzündlich wirkenden Gelenken sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Warum Bewegung bei Arthrose wichtig ist
Viele Menschen mit Arthrose reagieren auf Schmerzen zunächst mit Schonung.
Der Gedanke ist nachvollziehbar:
„Wenn Bewegung weh tut, muss ich das Gelenk doch schonen.“
Dauerhafte Schonung ist jedoch häufig nicht die beste Lösung.
Gezieltes Training gehört zu den wichtigen Maßnahmen bei Arthrose. Durch Bewegung können unter anderem:
- Muskelkraft verbessert werden
- Gelenke besser stabilisiert werden
- Beweglichkeit erhalten oder verbessert werden
- Koordination und Belastbarkeit zunehmen
- Alltagsbewegungen leichter fallen
Entscheidend ist dabei nicht möglichst viel Belastung, sondern die individuell passende Dosierung.
Ein Trainingsprogramm sollte deshalb an das betroffene Gelenk, die aktuelle Belastbarkeit und die Beschwerden angepasst werden.
Welche Rolle spielt Physiotherapie bei Arthrose?
In der Krankengymnastik und Physiotherapie geht es nicht ausschließlich darum, ein schmerzendes Gelenk zu bewegen.
Nach einer individuellen physiotherapeutischen Befunderhebung können unter anderem folgende Bereiche berücksichtigt werden:
- Beweglichkeit des betroffenen Gelenks
- Muskelkraft
- Gelenkstabilität
- Koordination
- Bewegungsabläufe
- Belastbarkeit
- Alltags- und Sportbelastungen
Ein wichtiger Bestandteil ist die aktive Therapie.
Ziel ist es, Bewegungen und Übungen zu finden, die Sie langfristig möglichst selbstständig durchführen können.
Abhängig vom individuellen Befund kann ergänzend auch die Manuelle Therapie Bestandteil der Behandlung sein.
Bei Kniearthrose finden Sie zusätzliche Informationen auf unserer Seite zur Gonarthrose.
Und bei Arthritis?
Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen ist zunächst wichtig zu klären, welche Erkrankung hinter der Gelenkentzündung steckt.
Insbesondere bei Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis ist eine frühzeitige ärztliche beziehungsweise rheumatologische Diagnostik wichtig.
Physiotherapie kann die medizinische Behandlung je nach Erkrankung und Krankheitsphase begleiten und beispielsweise dazu beitragen:
- Beweglichkeit zu erhalten
- Muskelkraft zu verbessern
- Bewegungsabläufe zu trainieren
- Gelenke im Alltag angemessen zu belasten
- Funktionsverlust entgegenzuwirken
Die Belastung muss dabei an die aktuelle Situation und Krankheitsaktivität angepasst werden.
Wann sollte ein Gelenk ärztlich abgeklärt werden?
Eine medizinische Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn ein Gelenk:
- plötzlich stark anschwillt
- deutlich überwärmt oder gerötet ist
- ohne erkennbare Ursache stark schmerzt
- über längere Zeit geschwollen bleibt
- morgens lange steif bleibt
- gemeinsam mit Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl Beschwerden verursacht
Auch neu auftretende Beschwerden an mehreren Gelenken sollten ärztlich abgeklärt werden.
Arthrose bedeutet nicht automatisch Schonung
Eine der wichtigsten Botschaften unserer Podcastfolge lautet:
Arthrose bedeutet nicht, dass ein Gelenk möglichst wenig benutzt werden sollte.
Gelenke und die sie umgebenden Strukturen reagieren auf Bewegung und Belastung. Entscheidend ist, eine Belastung zu finden, die zum individuellen Zustand passt.
Schmerzen, medizinischer Befund, Muskelkraft, Beweglichkeit, Alltag und persönliche Ziele sollten dabei gemeinsam betrachtet werden.
Wenn Sie aufgrund Ihrer Gelenkbeschwerden unsicher sind, welche Belastung für Sie geeignet ist, kann eine physiotherapeutische Befunderhebung helfen.
Podcast Folge 19: Arthrose und Arthritis
Was passiert bei Arthrose im Gelenk? Wann spricht man von Arthritis? Wie unterscheiden sich die Beschwerden – und warum ist Bewegung bei Gelenkproblemen häufig so wichtig?
Diese und weitere Fragen besprechen wir ausführlich in Podcastfolge 19 unseres Bootscasts.
Podcast Folge 19 – Arthrose und Arthritis anhören
Sie haben Gelenkbeschwerden?
Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen können dazu führen, dass Bewegungen zunehmend vermieden werden. Dabei ist nicht jede Bewegung für jedes Gelenk und jede Situation gleichermaßen geeignet.
Nach einer individuellen Untersuchung können wir gemeinsam einschätzen, welche Bewegungen, Übungen und Belastungen zu Ihrer aktuellen Situation passen.
Mehr über Krankengymnastik und Physiotherapie in Leipzig
Mehr über Manuelle Therapie in Leipzig
Informationen zur Gonarthrose – Kniearthrose
Weitere Diagnosen und Krankheitsbilder
Wissenschaftliche Einordnung und Quellen
Die Informationen in diesem Beitrag orientieren sich an aktuellen evidenzbasierten Gesundheitsinformationen und medizinischen Leitlinien.
Bei Arthrose gehört eine individuell angepasste Bewegungstherapie zu den wichtigen Bestandteilen der Behandlung. Regelmäßige Bewegung und gezieltes Training können dazu beitragen, Beweglichkeit, Muskelkraft, Belastbarkeit und Gelenkfunktion zu erhalten oder zu verbessern.
Auch bei rheumatoider Arthritis sind Bewegung und körperliche Aktivität grundsätzlich sinnvoll. Art und Intensität der Belastung sollten jedoch an die aktuelle Krankheitsaktivität und die individuelle Situation angepasst werden. Bei Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung ist eine frühzeitige ärztliche beziehungsweise rheumatologische Diagnostik wichtig.
Weiterführende wissenschaftliche Informationen
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Arthrose
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Rheumatoide Arthritis
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Bewegung und Sport bei rheumatoider Arthritis
- AWMF: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose
Die genannten Quellen dienen der allgemeinen wissenschaftlichen Einordnung. Welche Untersuchung und Behandlung im individuellen Fall geeignet ist, richtet sich unter anderem nach Diagnose, Beschwerden, Begleiterkrankungen und persönlicher Belastbarkeit.
Verantwortlich für den Inhalt
Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin
Ines Beger ist seit vielen Jahren in der Behandlung von Beschwerden des Bewegungsapparates tätig und verbindet physiotherapeutische Befunderhebung und aktive Therapie mit umfangreicher Erfahrung aus Osteopathie und weiteren therapeutischen Verfahren.
→ Alle Qualifikationen und Behandlungsschwerpunkte von Ines Beger
Zuletzt aktualisiert: 23. August 2026
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.