Omarthrose (Schulterarthrose)

Omarthrose: Symptome, Diagnose und Behandlung der Schulterarthrose. Erfahren Sie, wie Physiotherapie und gezielte Übungen in Leipzig helfen können.
Anatomische Darstellung des Schultergelenks mit Oberarmkopf, Gelenkpfanne und Rotatorenmanschette

Die Omarthrose ist ein Verschleiß des Schultergelenks. Dabei wird der schützende Gelenkknorpel nach und nach abgebaut. Dadurch können Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und ein zunehmender Funktionsverlust der Schulter entstehen.

Im Gegensatz zur Knie- oder Hüftarthrose tritt eine Schulterarthrose seltener auf. Sie entwickelt sich meist im höheren Lebensalter, kann aber auch nach Verletzungen, Brüchen, Schulterinstabilitäten oder Erkrankungen der Rotatorenmanschette entstehen.

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Welche Formen und Ursachen gibt es?

Bei einer primären Omarthrose entsteht der Gelenkverschleiß ohne eindeutig feststellbare einzelne Ursache. Alter, individuelle Veranlagung und langjährige Belastungen können dabei eine Rolle spielen.

Eine sekundäre Omarthrose kann sich als Folge anderer Veränderungen entwickeln, zum Beispiel nach:

  • Brüchen mit Beteiligung des Schultergelenks
  • wiederholten Schulterluxationen oder einer chronischen Instabilität
  • einer Schädigung des Oberarmkopfes, etwa einer Humeruskopfnekrose
  • entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
  • ausgeprägten Schäden der Rotatorenmanschette
  • vorausgegangenen Operationen oder Gelenkinfektionen

Bei einer sogenannten Defektarthropathie besteht neben der Arthrose ein größerer, meist länger vorhandener Riss der Rotatorenmanschette. Diese Form ist für die Wahl einer möglichen Schulterprothese besonders wichtig.

Typische Beschwerden

  • Schmerzen bei Belastung und später auch in Ruhe
  • Anlaufschmerzen am Morgen oder nach längeren Ruhephasen
  • eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter
  • Schwierigkeiten beim Anheben oder Drehen des Arms
  • Kraftverlust im Schulterbereich
  • Knirschen oder Reibegeräusche bei Bewegungen

Wie wird eine Omarthrose diagnostiziert?

Nach einem ausführlichen Gespräch erfolgt eine gezielte Untersuchung der Schulter. Dabei werden Beweglichkeit, Kraft und Funktion überprüft. Die Diagnose wird in der Regel durch Röntgenaufnahmen bestätigt. Bei Bedarf können weitere bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um zusätzliche Veränderungen an Sehnen oder anderen Strukturen zu beurteilen.

Das Ausmaß der Veränderungen im Röntgenbild und die Stärke der Beschwerden stimmen nicht immer überein. Entscheidend für die Behandlung sind deshalb nicht nur die Aufnahmen, sondern auch Schmerzen, Beweglichkeit, Kraft, Schlaf, Alltagsfunktion und persönliche Ziele.

Ähnliche Beschwerden können unter anderem durch eine Frozen Shoulder, einen Rotatorenmanschettenriss, Nackenbeschwerden oder entzündliche Erkrankungen entstehen. Ultraschall oder MRT können bei ausgewählten Fragestellungen helfen, etwa wenn zusätzlich eine relevante Sehnenschädigung vermutet wird. Sie sind nicht bei jeder Omarthrose erforderlich.

Wie wird eine Omarthrose behandelt?

Die Behandlung richtet sich nicht allein nach dem Röntgenbild, sondern vor allem nach Beschwerden, Funktion, Begleiterkrankungen und persönlichen Anforderungen. Häufig beginnt sie konservativ.

Mögliche Bausteine sind:

  • Information und Beratung zur Erkrankung
  • angepasste Bewegung und Belastungssteuerung
  • individuell ausgewählte Beweglichkeits- und Kraftübungen
  • Physiotherapie
  • ärztlich abgestimmte Schmerzmedikation
  • in ausgewählten Fällen eine Gelenkinjektion
  • bei anhaltend starken Einschränkungen eine operative Beratung

Für die nichtoperative Physiotherapie bei Omarthrose gibt es bislang weniger hochwertige Studien als beispielsweise für Knie- oder Hüftarthrose. Fachleitlinien sehen sie dennoch als sinnvollen Bestandteil eines konservativen Behandlungsversuchs. Es ist bisher nicht belegt, dass eine einzelne physiotherapeutische Methode allen anderen überlegen ist. Behandlung und Übungsdosierung sollten deshalb individuell gewählt und anhand der tatsächlichen Wirkung überprüft werden.

So setzen wir diese Empfehlungen in unserer Praxis um

Nach einer ausführlichen Befunderhebung erstellen wir gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Therapieplan. Dabei orientieren wir uns an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und passen die Behandlung regelmäßig an Ihren Therapieverlauf an.

Je nach Beschwerden kommen unter anderem folgende Maßnahmen zum Einsatz:

Unser Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten und die Schulter im Alltag wieder belastbarer zu machen.

Wie kann Physiotherapie bei Omarthrose helfen?

Zu Beginn untersuchen wir unter anderem:

  • aktive und passive Beweglichkeit
  • Kraft der Schulter- und Schulterblattmuskulatur
  • schmerzhafte Bewegungen und Belastungsgrenzen
  • Funktion im Alltag, Beruf und Sport
  • mögliche Beschwerden aus Halswirbelsäule oder umliegenden Strukturen
  • persönliche Behandlungsziele

Darauf aufbauend kann die Therapie aktive Bewegungs- und Kraftübungen, Beratung zur Belastungssteuerung sowie bei Bedarf Manuelle Therapie umfassen. Passive Maßnahmen können kurzfristig unterstützen, ersetzen aber den aktiven Aufbau von Beweglichkeit, Kraft und Alltagsbelastbarkeit nicht.

Die Belastung wird so gewählt, dass sie fordernd, aber verträglich bleibt. Ein leichtes Ziehen oder vorübergehende Beschwerden sind nicht automatisch schädlich. Wenn Schmerzen deutlich zunehmen, die Nachtruhe stärker gestört wird oder die Reaktion bis zum nächsten Tag nicht abklingt, sollten Umfang, Widerstand oder Bewegungsweg angepasst werden.

Was können Sie selbst tun?

Regelmäßige Bewegung ist einer der wichtigsten Bestandteile der Behandlung. Dabei geht es nicht darum, die Schulter stark zu belasten, sondern sie möglichst regelmäßig und kontrolliert zu bewegen.

Pendelübung: Lassen Sie den Arm locker hängen und bewegen Sie ihn langsam in kleinen Kreisen.

Wandgleiten: Führen Sie die Hand langsam an einer Wand nach oben, bis eine angenehme Dehnung entsteht.

Schulterblatttraining: Ziehen Sie beide Schulterblätter sanft nach hinten unten zusammen, halten Sie die Spannung einige Sekunden und lösen Sie anschließend wieder.

Kräftigungsübung mit einem Theraband: Führen Sie leichte Außenrotationsübungen mit geringer Belastung durch, um die Rotatorenmanschette zu stärken.

Unser Praxistipp: Vermeiden Sie Schonhaltung. Eine Schulter, die dauerhaft nicht bewegt wird, verliert häufig noch schneller an Beweglichkeit und Kraft. Regelmäßige, angepasste Bewegung ist nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen einer der wichtigsten Bausteine der Behandlung.

Nicht jede Übung passt zu jeder Schulter. Bei ausgeprägter Bewegungseinschränkung, einem größeren Rotatorenmanschettenriss oder einer akuten Reizung können andere Ausgangsstellungen und Belastungen nötig sein.

Weitere Anregungen finden Sie in unserem Übungsprogramm für die Schulter. Welche Übungen für Sie geeignet sind und wie stark Sie die Schulter belasten dürfen, sollte individuell festgelegt werden.

Was kann den Alltag erleichtern?

Eine dauerhafte vollständige Schonung ist meist nicht hilfreich. Häufig besser verträglich sind mehrere kurze Bewegungseinheiten, wechselnde Tätigkeiten und eine schrittweise Steigerung der Belastung. Bei Arbeiten über Schulterhöhe können Pausen, eine niedrigere Arbeitshöhe oder eine vorübergehende Aufgabenanpassung sinnvoll sein.

Bei nächtlichen Beschwerden kann es angenehmer sein, auf dem Rücken zu schlafen und den betroffenen Arm mit einem Kissen zu unterstützen. Kälte oder Wärme können versuchsweise genutzt werden – entscheidend ist, was persönlich als wohltuend empfunden wird.

Wie sind Schmerzmittel und Spritzen einzuordnen?

Schmerzmittel können Bewegung und Schlaf vorübergehend erleichtern. Auswahl, Dosis und Anwendungsdauer sollten ärztlich oder pharmazeutisch geklärt werden, besonders bei Magen-, Nieren-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutverdünnern oder weiteren Medikamenten.

Eine Kortisoninjektion in das Schultergelenk kann bei einzelnen Patientinnen und Patienten zeitlich begrenzt Beschwerden lindern. Nutzen und Risiken – darunter Infektion, vorübergehender Blutzuckeranstieg und mögliche Gewebebelastung bei wiederholten Injektionen – gehören in die ärztliche Abwägung.

Für Hyaluronsäureinjektionen zeigt die AAOS-Leitlinie keinen überzeugenden Nutzen bei glenohumeraler Arthrose. Sie sollten daher nicht als verlässlich wirksame Standardbehandlung dargestellt werden.

Wann kommt eine Schulterprothese infrage?

Eine Operation wird meist erst erwogen, wenn über längere Zeit erhebliche Schmerzen, Nachtschmerzen und Einschränkungen bestehen und eine angemessene konservative Behandlung nicht ausreichend geholfen hat. Die Entscheidung hängt nicht nur vom Röntgenbild ab, sondern auch von Alltagsfunktion, Rotatorenmanschette, Knochenqualität, Alter, Gesundheitszustand und persönlichen Zielen.

Je nach Befund können eine anatomische oder eine inverse Schulterprothese infrage kommen. Welche Form geeignet ist, beurteilt die Schulterchirurgie. Nach einer Operation richtet sich die Rehabilitation nach dem Operationsverfahren und den konkreten ärztlichen Bewegungs- und Belastungsvorgaben. Ein allgemeines Übungsprogramm darf diese Vorgaben nicht ersetzen.

Wann sollte die Schulter rasch ärztlich untersucht werden?

Zeitnah beziehungsweise sofort medizinisch abklären lassen sollten Sie:

  • plötzlich sehr starke Schulterschmerzen nach einem Sturz oder Unfall

  • eine sichtbare Fehlstellung oder die Unfähigkeit, den Arm zu bewegen

  • eine stark gerötete, überwärmte und geschwollene Schulter

  • Fieber oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl zusammen mit Schulterschmerzen

  • neu auftretende Lähmung, deutlichen Kraftverlust oder anhaltende Taubheit

  • einen kalten, blassen oder bläulich verfärbten Arm

  • Brustschmerz, Atemnot, Kaltschweißigkeit oder in den Arm ausstrahlende Beschwerden

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Omarthrose heilbar?

Der bereits geschädigte Gelenkknorpel lässt sich derzeit nicht vollständig wiederherstellen. Beschwerden, Beweglichkeit und Alltagsfunktion können sich dennoch verbessern. Ziel der Behandlung ist deshalb nicht ein „neues“ Gelenk, sondern eine möglichst gut belastbare und im Alltag brauchbare Schulter.

Darf ich die Schulter trotz Arthrose bewegen?

Ja. Regelmäßige, angepasste Bewegung ist meist sinnvoll. Vollständige Schonung kann Beweglichkeit und Kraft zusätzlich vermindern. Deutlich zunehmende oder lange nachwirkende Schmerzen sprechen jedoch dafür, die Belastung anzupassen und das Programm überprüfen zu lassen.

Welche Übungen helfen bei Schulterarthrose?

Häufig werden kontrollierte Beweglichkeitsübungen sowie ein dosierter Aufbau der Schulterblatt- und Rotatorenmanschettenmuskulatur eingesetzt. Welche Bewegungsrichtung und welcher Widerstand geeignet sind, hängt von Beweglichkeit, Schmerzempfindlichkeit, Sehnenzustand und Alltagszielen ab.

Muss bei Omarthrose immer ein MRT gemacht werden?

Nein. Gespräch, körperliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen reichen häufig zur Einordnung aus. Ein MRT kann sinnvoll sein, wenn zusätzliche Schäden – beispielsweise an der Rotatorenmanschette – vermutet werden oder eine Operation vorbereitet wird.

Kann Physiotherapie den Knorpel wieder aufbauen?

Physiotherapie kann zerstörten Gelenkknorpel nicht nachwachsen lassen. Sie kann jedoch dabei helfen, Beweglichkeit, Muskelkraft und Belastungssteuerung zu verbessern und den Umgang mit den Beschwerden zu erleichtern.

Sind Knirschen oder Reibegeräusche gefährlich?

Geräusche allein bedeuten nicht automatisch, dass das Gelenk weiter geschädigt wird. Wichtiger sind Schmerzen, Schwellung, Kraft und Funktion. Neu auftretende Geräusche nach einem Unfall oder zusammen mit einer deutlichen Funktionsverschlechterung sollten untersucht werden.

Wann ist eine Schulterprothese notwendig?

Nicht das Röntgenbild allein entscheidet. Eine Prothese kann infrage kommen, wenn Schmerzen und Funktionsverlust die Lebensqualität stark beeinträchtigen und konservative Maßnahmen keine ausreichende Verbesserung bringen. Nutzen, Risiken und Alternativen werden individuell mit der Schulterchirurgie besprochen.

Kann eine Omarthrose mit einer Frozen Shoulder verwechselt werden?

Ja. Beide Erkrankungen können Schmerzen und eine eingeschränkte aktive sowie passive Beweglichkeit verursachen. Anamnese, Untersuchung und bei Bedarf Röntgenaufnahmen helfen bei der Abgrenzung. Eine Frozen Shoulder kann zudem gleichzeitig mit anderen Schulterveränderungen auftreten.

Wissenschaftliche Grundlage

Die Evidenz für einzelne nichtoperative physiotherapeutische Maßnahmen bei Omarthrose ist begrenzt. Aktuelle Empfehlungen unterstützen dennoch einen individuell angepassten konservativen Behandlungsversuch. Untersuchung, Verlaufskontrolle und die persönlichen Ziele der Patientinnen und Patienten sind dabei besonders wichtig.

Über die Autorin

Ines Beger ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktikerin in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Seit mehr als 24 Jahren begleitet sie Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparates und funktionellen Einschränkungen. Zu ihren Schwerpunkten gehören individuell abgestimmte physiotherapeutische Behandlungskonzepte, Manuelle Therapie, Osteopathie und aktive Bewegungstherapie.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder Beratung.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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