Eine Humerusfraktur ist ein Bruch des Oberarmknochens. Der Humerus verbindet das Schultergelenk mit dem Ellenbogengelenk. Je nach Bruchstelle unterscheidet man eine schultergelenksnahe Fraktur, einen Bruch des Oberarmschaftes und eine ellenbogengelenksnahe Fraktur.
Diese Unterscheidung ist für die Behandlung wichtig: Eine stabile proximale Humerusfraktur wird anders nachbehandelt als eine Oberarmschaftfraktur im Funktionsverband oder eine operierte Fraktur in der Nähe des Ellenbogens. Bewegungsumfang, Ruhigstellung und Belastbarkeit richten sich deshalb immer nach der genauen Fraktur, der gewählten Versorgung und den ärztlichen Kontrollbefunden.
Der folgende Beitrag bezieht sich auf Humerusfrakturen bei Erwachsenen. Bei Kindern gelten wegen des Wachstums und der hohen Fähigkeit des Knochens zur Korrektur teilweise andere Behandlungsgrundsätze.
Welche Formen der Humerusfraktur gibt es?
Proximale Humerusfraktur
Bei einer proximalen Humerusfraktur liegt der Bruch am oberen Ende des Oberarmknochens nahe dem Schultergelenk. Dazu gehören Frakturen des Oberarmkopfes, des anatomischen oder chirurgischen Halses sowie der Knochenvorsprünge, an denen Sehnen der Rotatorenmanschette ansetzen.
Diese Fraktur tritt besonders häufig bei älteren Menschen nach einem Sturz auf. Bei jüngeren Menschen ist meist eine stärkere Krafteinwirkung erforderlich.
Oberarmschaftfraktur
Die Oberarmschaftfraktur betrifft den mittleren, länglichen Abschnitt des Oberarmknochens. In seiner Nähe verläuft der Speichennerv, medizinisch Nervus radialis. Deshalb werden Gefühl und Muskelkraft in Unterarm, Handgelenk und Fingern wiederholt überprüft.
Distale Humerusfraktur
Die distale Humerusfraktur liegt am unteren Ende des Oberarmknochens in der Nähe des Ellenbogens. Sie kann die Gelenkfläche betreffen und zu einer ausgeprägten Ellenbogensteife führen. Die Nachbehandlung unterscheidet sich daher deutlich von der Rehabilitation einer schultergelenksnahen Fraktur.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Humerusfraktur kann entstehen durch:
- einen Sturz direkt auf Schulter oder Oberarm
- einen Sturz auf die ausgestreckte Hand oder den Ellenbogen
- einen Fahrrad-, Sport-, Arbeits- oder Verkehrsunfall
- einen Sturz aus größerer Höhe
- einen direkten Schlag gegen den Oberarm
- selten eine Erkrankung, welche die Knochenstabilität vermindert
Bei älteren Menschen kann bereits ein Sturz aus dem Stand ausreichen, wenn die Knochenfestigkeit durch eine Osteoporose vermindert ist. Ein Oberarmbruch nach einem geringfügigen Sturz kann deshalb eine sogenannte Fragilitätsfraktur sein und sollte Anlass geben, die Knochengesundheit ärztlich beurteilen zu lassen.
Typische Symptome
Mögliche Zeichen eines Oberarmbruchs sind:
- starke Schmerzen an Schulter, Oberarm oder Ellenbogen
- Schwellung und Bluterguss
- deutliche Einschränkung der Armbewegung
- Schmerzen beim Bewegen oder vorsichtigen Berühren
- Schonhaltung des Arms
- sichtbare Fehlstellung oder Verkürzung
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- neue Schwäche von Handgelenk oder Fingern
- bei schweren Verletzungen eine offene Wunde
Der Bluterguss kann sich in den Tagen nach dem Unfall bis zum Ellenbogen, Unterarm oder Brustkorb ausbreiten. Das allein bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Fraktur verschlechtert hat. Zunehmende Schmerzen, Gefühlsstörungen oder eine kalte und blasse Hand müssen jedoch rasch untersucht werden.
Erste Hilfe bei Verdacht auf einen Oberarmbruch
Ein möglicher Oberarmbruch sollte zeitnah ärztlich oder unfallchirurgisch untersucht werden.
Bis zur medizinischen Versorgung gilt:
- den Arm möglichst ruhig halten und in der vorgefundenen Stellung unterstützen
- nicht versuchen, eine Fehlstellung selbst zu korrigieren
- Ringe, Uhr und enge Armbänder frühzeitig abnehmen
- die verletzte Region nicht belasten
- vorsichtig und mit einem Tuch geschützt kühlen
- offene Wunden steril abdecken
Ein sichtbarer Knochen darf nicht zurückgeschoben werden.
Sofortige medizinische Hilfe ist besonders erforderlich bei einer offenen Fraktur, starker Blutung, ausgeprägter Fehlstellung, blasser oder kalter Hand, fehlendem Puls, neuem Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen oder einem Unfall mit erheblicher Krafteinwirkung. Bei starker Blutung, Kreislaufproblemen oder Bewusstseinsstörungen muss der Notruf 112 gewählt werden.
Wie wird eine Humerusfraktur diagnostiziert?
Bei der ärztlichen Untersuchung werden unter anderem Unfallhergang, Schmerzort, Schwellung, Haut, mögliche Fehlstellungen und Begleitverletzungen beurteilt. Besonders wichtig sind die Kontrolle von Durchblutung, Gefühl und Muskelkraft des Arms und der Hand.
Röntgenaufnahmen zeigen Lage, Verlauf und Verschiebung der Fraktur. Abhängig von der Bruchhöhe werden auch Schulter oder Ellenbogen mit abgebildet. Bei komplexen, gelenkbeteiligenden Frakturen oder zur Operationsplanung kann eine Computertomografie erforderlich sein.
Eine Magnetresonanztomografie wird bei einem akuten Oberarmbruch nur in ausgewählten Fällen benötigt, beispielsweise zur Beurteilung bestimmter Begleitverletzungen.
Wie wird eine Humerusfraktur behandelt?
Die Behandlung richtet sich unter anderem nach:
- Lage und Verlauf der Fraktur
- Stellung und Stabilität der Knochenanteile
- Beteiligung von Schulter- oder Ellenbogengelenk
- offenen Wunden und Weichteilverletzungen
- möglichen Nerven- oder Gefäßschäden
- Knochenqualität
- Alter und allgemeinem Gesundheitszustand
- Anforderungen in Alltag, Beruf und Sport
Konservative Behandlung
Stabile und ausreichend gut ausgerichtete Frakturen können häufig ohne Operation behandelt werden. Abhängig von der Bruchstelle kommen beispielsweise eine Armschlinge, ein Schulterverband, eine Schiene oder bei einer Oberarmschaftfraktur ein funktioneller Oberarm-Brace infrage.
Eine konservative Behandlung bedeutet nicht, dass der Arm über viele Wochen vollständig unbewegt bleiben soll. Welche Gelenke wann bewegt werden dürfen, muss jedoch für die konkrete Fraktur festgelegt werden. Regelmäßige ärztliche und gegebenenfalls radiologische Kontrollen prüfen, ob die Stellung stabil bleibt und die Heilung voranschreitet.
Operative Behandlung
Eine Operation kann beispielsweise bei stark verschobenen, instabilen, offenen oder gelenkbeteiligenden Frakturen sowie bei bestimmten Gefäß-, Nerven- oder Weichteilverletzungen notwendig sein.
Je nach Fraktur können zur Stabilisierung eingesetzt werden:
- Platten und Schrauben
- ein Marknagel
- Drähte oder andere spezielle Implantate
- bei ausgewählten komplexen proximalen Frakturen eine Schulterprothese
Auch nach einer stabilen Operation benötigt der Knochen Zeit zur Heilung. Eine Operation bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Arm sofort frei bewegt oder belastet werden darf.
Wie lange dauert die Heilung?
Die knöcherne Heilung dauert bei vielen Humerusfrakturen ungefähr sechs bis zwölf Wochen, kann aber auch länger benötigen. Eine starre Zeitangabe ist nicht möglich. Bruchhöhe, Frakturform, Operation, Knochenqualität, Durchblutung, Rauchen, Begleiterkrankungen und mögliche Komplikationen beeinflussen den Verlauf.
Bis Beweglichkeit, Kraft und sichere Armfunktion wieder aufgebaut sind, vergehen häufig mehrere Monate. Eine radiologisch ausreichende Knochenheilung und die vollständige funktionelle Erholung sind nicht dasselbe: Schulter oder Ellenbogen können noch steif und die Muskulatur noch geschwächt sein, obwohl der Bruch bereits stabil erscheint.
Wann beginnt die Physiotherapie?
Der geeignete Beginn hängt von der Fraktur und ihrer Versorgung ab. Bewegungen von Fingern und Handgelenk können häufig schon früh sinnvoll sein. Ob Ellenbogen und Schulter passiv, unterstützt oder aktiv bewegt werden dürfen, muss aus dem ärztlichen Nachbehandlungsplan hervorgehen.
Bei stabilen, nicht operierten proximalen Humerusfrakturen kann eine frühe, behutsame Mobilisation die kurzfristige Wiedergewinnung der Funktion unterstützen. Daraus darf jedoch kein einheitlicher Wochenplan für alle Oberarmbrüche abgeleitet werden. Bei instabilen Frakturen, nach einer Operation oder bei einer Fraktur nahe dem Ellenbogen können andere Grenzen gelten.
Vereinbaren Sie die ambulanten Termine möglichst frühzeitig, sobald geklärt ist, wann die Behandlung beginnen darf. Bringen Sie zum ersten Termin mit:
- die Heilmittelverordnung
- den Entlassungs- oder Arztbericht
- den Operationsbericht, sofern vorhanden
- den Nachbehandlungsplan
- Angaben zu erlaubtem Bewegungsumfang und Belastung
- die verwendete Schlinge, Orthese oder Schiene
- eine aktuelle Medikamentenliste bei relevanten Begleiterkrankungen
Podcast-Tipp: Hinweise zur frühzeitigen Terminplanung, Verordnung und zu wichtigen Unterlagen finden Sie in unserer Bootscast-Folge Der perfekte Patient – gut vorbereitet zur Physiotherapie.
Physiotherapie nach einer Humerusfraktur
Zu Beginn der Behandlung beurteilen wir abhängig von der Fraktur und den ärztlichen Vorgaben unter anderem:
- Schmerzen und Schwellung
- Beweglichkeit von Schulter, Ellenbogen, Unterarm, Handgelenk und Fingern
- Haltung und Bewegung des Schulterblatts
- Muskelkraft und Bewegungssteuerung
- Gefühl und Nervenfunktion
- Wunde und Narbenbeweglichkeit nach einer Operation
- Umgang mit Schlinge, Orthese oder Brace
- Einschränkungen in Körperpflege, Anziehen, Haushalt und Schlaf
- Anforderungen in Beruf und Sport
- persönliche Ziele und Unsicherheiten
Auf dieser Grundlage entwickeln wir einen individuellen Behandlungs- und Übungsplan. Bei einer proximalen Fraktur steht zunächst häufig die Schulterfunktion im Vordergrund, bei einer Schaftfraktur müssen Schulter und Ellenbogen berücksichtigt werden und bei einer distalen Fraktur ist die Wiedergewinnung der Ellenbogenbeweglichkeit besonders wichtig.
Nicht alle Menschen benötigen den gleichen Therapieumfang. Bei einem unkomplizierten Verlauf kann nach fachlicher Anleitung ein verständliches Heimübungsprogramm mit einzelnen Verlaufskontrollen ausreichen. Nach einer Operation, bei stärkerer Steifigkeit, ausgeprägter Schwellung, Nervenbeschwerden oder besonderen Anforderungen in Alltag, Beruf und Sport kann eine engere physiotherapeutische Begleitung sinnvoll sein.
Mögliche Phasen der Rehabilitation
Die folgenden Phasen dienen nur der Orientierung. Ärztliche Vorgaben, radiologische Kontrollen und der individuelle Heilungsverlauf haben immer Vorrang.
Phase 1: Fraktur schützen und Beweglichkeit erhalten
In der frühen Heilungsphase stehen der Schutz der Fraktur, die Schmerzlinderung und der Erhalt der erlaubten Beweglichkeit im Vordergrund.
Mögliche Inhalte sind:
- geeignete Lagerung und Umgang mit der Ruhigstellung
- aktive Bewegungen von Fingern und Handgelenk
- Bewegung nicht betroffener oder bereits freigegebener Gelenke
- Maßnahmen gegen Schwellung
- Wahrnehmung von Durchblutung, Gefühl und Muskelkraft
- Anleitung für Körperpflege, Anziehen und Schlafposition
- ein kurzes, genau abgestimmtes Heimübungsprogramm
Phase 2: Beweglichkeit schrittweise zurückgewinnen
Nach entsprechender Freigabe wird der Bewegungsumfang vorsichtig erweitert. Abhängig von der Versorgung können passive, unterstützte und später aktive Bewegungen eingesetzt werden.
Ziel ist ein kontrollierter Aufbau ohne kräftiges Ziehen, ruckartige Bewegungen oder ein gewaltsames Erzwingen der Endstellung. Bei einer Fraktur nahe der Schulter kann eine zu lange Ruhigstellung eine Schultersteife begünstigen. Zu frühe oder zu starke Belastungen können dagegen die Fraktur oder die operative Versorgung gefährden.
Phase 3: Kraft, Koordination und Armfunktion aufbauen
Wenn die Knochenheilung und die ärztliche Belastungsfreigabe es erlauben, werden Kraft und Belastbarkeit zunehmend trainiert.
Mögliche Inhalte sind:
- aktive Schulter- und Ellenbogenbewegungen
- Training der Schulterblattkontrolle
- Kräftigung der Schulter- und Armmuskulatur
- Greif-, Hebe- und Tragebewegungen mit angepasstem Gewicht
- Koordinationsübungen
- alltags- und berufsspezifische Aufgaben
- schrittweise Vorbereitung auf sportliche Belastungen
Die Steigerung richtet sich nicht allein nach der Zahl der Wochen seit dem Unfall, sondern nach Heilungsverlauf, Bewegungsqualität, Beschwerden und medizinischer Freigabe.
Welche physiotherapeutischen Maßnahmen können eingesetzt werden?
Je nach Befund und Heilungsphase können zur Behandlung gehören:
- aktive und angeleitete Bewegungsübungen
- passive oder unterstützte Bewegungen innerhalb der erlaubten Grenzen
- Beratung zur Belastungssteuerung
- Übungen für Schulterblatt, Schulter, Ellenbogen und Hand
- dosiertes Kraft- und Koordinationstraining
- funktionelles Training für Alltag, Beruf und Sport
- Narbenbehandlung nach abgeschlossener Wundheilung
- Maßnahmen zur Schwellungsreduktion
- ein individuelles Heimübungsprogramm mit Verlaufskontrolle
Die Krankengymnastik bildet häufig die Grundlage der Rehabilitation. Manuelle Therapie kann nach medizinischer Freigabe ergänzend eingesetzt werden, sollte aktive Bewegung und den späteren Belastungsaufbau jedoch nicht ersetzen. Bei ausgeprägter Schwellung kann eine Manuelle Lymphdrainage infrage kommen, wenn sie medizinisch geeignet und verordnet ist.
Nach ausreichender Knochenheilung kann die Krankengymnastik am Gerät den gezielten Kraft- und Belastungsaufbau unterstützen. Bei schultergelenksnahen Frakturen finden Sie weitere Informationen auf unserer Seite zur Schultertherapie in Leipzig.
Bei bestimmten schulterbezogenen Humerusfrakturen kann die ärztliche Praxis für gesetzlich Versicherte eine Blankoverordnung ausstellen. Ob diese Verordnungsform möglich ist, hängt vom genauen ICD-10-Code und der ärztlichen Entscheidung ab.
Welche Übungen darf ich selbst durchführen?
Für Humerusfrakturen gibt es kein allgemeines Übungsprogramm, das in jeder Heilungsphase sicher ist. Besonders Pendelübungen, unterstütztes Armheben und der Finger-Wandlauf dürfen nur durchgeführt werden, wenn diese Bewegungen für die konkrete Fraktur freigegeben wurden.
Abhängig vom Nachbehandlungsplan können dazugehören:
- Finger regelmäßig öffnen und schließen
- Handgelenk und Unterarm bewegen, sofern sie nicht ruhiggestellt sind
- den Ellenbogen beugen und strecken, wenn dies erlaubt ist
- Schulterblatt und Nacken sanft bewegen
- freigegebene Pendel- oder Gleitbewegungen ausführen
- später den Arm unterstützt und aktiv anheben
- nach Belastungsfreigabe schrittweise Kraftübungen beginnen
Schwere Gewichte, Abstützen, kräftiges Ziehen oder Drücken sowie eigenständige Dehnungen in starke Schmerzen hinein sind in der frühen Heilungsphase ungeeignet. Auch ein gutes Allgemeingefühl ersetzt keine Belastungsfreigabe.
Wie stark dürfen Übungen schmerzen?
Leichtes Ziehen, Steifigkeit oder vorübergehende Beschwerden können bei der Wiederaufnahme von Bewegungen auftreten. Übungen sollten jedoch nicht mit Gewalt oder in starke Schmerzen hinein ausgeführt werden.
Das Programm sollte angepasst und fachlich überprüft werden, wenn:
- die Schmerzen während oder nach den Übungen deutlich zunehmen
- die Beschwerden über längere Zeit nachhalten
- der Arm oder die Hand stärker anschwillt
- neue Gefühlsstörungen oder Kraftverluste auftreten
- eine zuvor mögliche Bewegung plötzlich nicht mehr gelingt
- die Hand blass, blau oder kalt wird
- ein neues Instabilitätsgefühl oder eine Fehlstellung entsteht
Ziel ist ein dosierter Belastungsaufbau – nicht ein möglichst schnelles Erzwingen des früheren Bewegungsausmaßes.
Umgang mit Armschlinge, Orthese oder Brace
Tragen Sie die Ruhigstellung so lange und in der Weise, wie es ärztlich vorgegeben wurde. Sie sollte weder eigenständig frühzeitig abgelegt noch vorsorglich länger als notwendig getragen werden.
Achten Sie auf:
- korrekten Sitz ohne einschnürende Kanten
- Druckstellen und Hautreizungen
- zunehmende Schwellung von Hand oder Unterarm
- Durchblutung, Gefühl und Beweglichkeit der Finger
- die erlaubten Zeiten für Körperpflege und Übungen
Lassen Sie einen zu engen, verrutschten oder beschädigten Verband zeitnah kontrollieren. Stecken Sie keine Gegenstände unter die Orthese oder den Verband, um Juckreiz zu lindern.
Zum Schlafen ist je nach Beschwerden häufig eine leicht erhöhte Rückenlage mit Kissen zur Unterstützung von Arm und Ellenbogen angenehmer. Vermeiden Sie es, auf dem verletzten Arm zu liegen, solange dies nicht ausdrücklich erlaubt und schmerzfrei möglich ist.
Was können Sie selbst tun?
Hilfreich können sein:
- ärztliche Bewegungs- und Belastungsvorgaben beachten
- vereinbarte Übungen regelmäßig und dosiert durchführen
- den Arm in der frühen Phase gut unterstützen
- Belastungen schrittweise steigern
- mehrere kurze Übungseinheiten statt einer langen wählen
- auf ausreichende Erholung achten
- Wunde, Schwellung, Haut und Beschwerden beobachten
- verordnete Medikamente nach ärztlicher Anweisung anwenden
- auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Eiweißzufuhr achten
- auf das Rauchen verzichten, da es die Knochenheilung beeinträchtigen kann
- mögliche Sturzursachen überprüfen lassen
Schmerzmittel sollten nicht dazu verwendet werden, eine noch nicht freigegebene Belastung zu ermöglichen. Allgemeine Hinweise zu Nutzen, Grenzen und Risiken finden Sie in unserem Blogbeitrag Einsatz von Schmerzmitteln.
Mögliche Komplikationen
Die meisten Humerusfrakturen heilen unter geeigneter Behandlung aus. Je nach Bruchstelle und Schweregrad können jedoch auftreten:
- anhaltende Einschränkung von Schulter oder Ellenbogen
- Kraftverlust und verminderte Armfunktion
- Heilung in Fehlstellung
- verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose
- Reizung oder Schädigung eines Nervs, besonders des Nervus radialis
- Gefäßverletzung
- Infektion nach offener Fraktur oder Operation
- Probleme mit einem Implantat
- Schultersteife nach längerer Ruhigstellung
- bei bestimmten proximalen Frakturen eine Durchblutungsstörung des Oberarmkopfes
- selten ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
Bei anhaltender oder zunehmender Schultersteife finden Sie ergänzende Informationen auf unserer Seite zur Frozen Shoulder. Ob tatsächlich eine sekundäre Schultersteife vorliegt, muss medizinisch beurteilt werden.
Humerusfraktur, Osteoporose und Sturzprävention
Eine proximale Humerusfraktur nach einem geringfügigen Sturz kann eine osteoporotische Fragilitätsfraktur sein. Besonders im mittleren und höheren Lebensalter sollte deshalb geprüft werden, ob ein erhöhtes Risiko für weitere Knochenbrüche besteht.
Zur weiteren Abklärung und Vorbeugung können abhängig vom individuellen Risiko gehören:
- ärztliche Osteoporosediagnostik
- Überprüfung bereits aufgetretener Frakturen
- Kraft- und Gleichgewichtstraining nach Abschluss der akuten Frakturbehandlung
- Kontrolle von Sehvermögen und Sturzrisiko
- Überprüfung von Medikamenten, die Schwindel oder Müdigkeit verursachen können
- Beseitigung von Stolperstellen
- geeignetes, rutschhemmendes Schuhwerk
- gegebenenfalls eine medikamentöse Osteoporosebehandlung
Calcium- und Vitamin-D-Präparate sollten nicht pauschal, sondern nach fachlicher Beurteilung eingesetzt werden. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Osteoporose.
Wann ist eine erneute ärztliche Abklärung notwendig?
Wenden Sie sich zeitnah an die behandelnde Klinik oder ärztliche Praxis bei:
- deutlich zunehmenden oder ungewöhnlich starken Schmerzen
- neuer Fehlstellung oder einem erneuten Unfall
- plötzlich verminderter Belastbarkeit oder Beweglichkeit
- zunehmender Rötung, Überwärmung oder Schwellung
- austretender Flüssigkeit oder Blutung aus einer Operationswunde
- Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl
- neuen Druckstellen durch Schlinge, Orthese oder Brace
- neuem Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- neuer Schwäche beim Strecken von Handgelenk oder Fingern
- blasser, blauer oder kalter Hand
- zunehmenden, unverhältnismäßig starken Schmerzen mit auffälliger Veränderung von Hautfarbe oder Hauttemperatur
Bei plötzlich fehlender Durchblutung der Hand, starker Blutung, Atemnot, Brustschmerzen, Kreislaufproblemen oder Bewusstseinsstörungen muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Physiotherapie als Hausbesuch
Wenn Sie unsere Praxis nach einem Krankenhausaufenthalt aus medizinischen Gründen noch nicht aufsuchen können, kann die Behandlung gegebenenfalls als Hausbesuch erfolgen.
Damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss der medizinisch erforderliche Hausbesuch auf der ärztlichen Heilmittelverordnung eingetragen sein. Weitere Informationen finden Sie unter Physiotherapie als Hausbesuch in Leipzig.
Unser Ziel
Unser Ziel ist es, Sie dabei zu unterstützen, den verletzten Arm wieder möglichst sicher und selbstverständlich im Alltag einzusetzen.
Gemeinsam arbeiten wir daran:
- Schmerzen und Schwellung zu reduzieren
- Beweglichkeit von Schulter, Ellenbogen und Hand zurückzugewinnen
- Muskelkraft und Bewegungssteuerung aufzubauen
- Unsicherheit bei Bewegungen zu verringern
- alltägliche Tätigkeiten wieder sicher auszuführen
- die Rückkehr in Beruf, Haushalt, Freizeit und Sport vorzubereiten
Die Behandlung wird regelmäßig an den Heilungsverlauf, die ärztlichen Vorgaben und Ihre persönlichen Ziele angepasst.
Termin zur physiotherapeutischen Behandlung anfragen
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Heilung einer Humerusfraktur?
Die knöcherne Heilung dauert häufig ungefähr sechs bis zwölf Wochen, kann je nach Fraktur und persönlicher Situation aber länger benötigen. Bis Beweglichkeit, Kraft und sichere Armfunktion wieder aufgebaut sind, vergehen oft mehrere Monate.
Muss jede Humerusfraktur operiert werden?
Nein. Viele stabile und ausreichend gut ausgerichtete proximale Humerus- und Oberarmschaftfrakturen können ohne Operation behandelt werden. Eine Operation wird vor allem bei instabilen, stark verschobenen, offenen oder gelenkbeteiligenden Frakturen sowie bestimmten Begleitverletzungen erwogen.
Wann darf die Physiotherapie beginnen?
Das hängt von Bruchstelle, Stabilität und Behandlung ab. Bewegungen von Fingern und Handgelenk sind häufig früh möglich. Für Schulter und Ellenbogen muss festgelegt sein, ob passive, unterstützte oder aktive Bewegungen bereits erlaubt sind. Maßgeblich ist der ärztliche Nachbehandlungsplan.
Wie lange muss ich die Armschlinge oder Orthese tragen?
Die Tragedauer ist nicht für alle Humerusfrakturen gleich. Sie richtet sich nach Fraktur, Schmerzen, Versorgung und Kontrollbefunden. Legen Sie die Ruhigstellung nicht eigenständig früher ab, tragen Sie sie aber auch nicht vorsorglich länger als verordnet.
Welche Übungen sind nach einem Oberarmbruch geeignet?
Geeignete Übungen hängen von der Heilungsphase ab. Finger- und Handbewegungen können häufig früh begonnen werden. Pendeln, Armheben, Wandübungen und Krafttraining benötigen dagegen eine konkrete Freigabe. Lassen Sie sich ein individuelles Heimübungsprogramm zeigen.
Wann darf ich wieder heben, tragen oder mich abstützen?
Schweres Heben, kräftiges Ziehen und Drücken sowie Abstützen sind erst nach ausreichender Knochenheilung und ärztlicher Belastungsfreigabe sinnvoll. Leichte Alltagstätigkeiten können häufig früher aufgenommen werden. Die Steigerung sollte schrittweise erfolgen.
Wird der Arm wieder vollständig beweglich?
Viele Menschen erreichen eine gute und alltagstaugliche Armfunktion. Eine Garantie für das frühere Bewegungsausmaß gibt es jedoch nicht. Komplexe oder gelenkbeteiligende Frakturen, längere Ruhigstellung, Begleitverletzungen und Komplikationen können anhaltende Einschränkungen verursachen.
Wann darf ich wieder Auto fahren?
Solange eine Armschlinge oder Orthese benötigt wird, ist eine sichere Fahrzeugkontrolle in der Regel nicht gegeben. Vor dem Wiedereinstieg müssen Lenken, Schalten und eine schnelle Notfallreaktion sicher möglich sein. Schmerzen und Medikamente dürfen die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigen. Klären Sie den Zeitpunkt ärztlich und beachten Sie mögliche Vorgaben Ihrer Versicherung.
Wann sind Arbeit und Sport wieder möglich?
Das hängt von Tätigkeit, Sportart, Fraktur und Heilungsverlauf ab. Büroarbeit kann häufig früher möglich sein als schweres Heben, Überkopfarbeit, Krafttraining, Kontakt- oder Sturzsport. Die Rückkehr sollte schrittweise vorbereitet und bei erhöhtem Risiko ärztlich freigegeben werden.
Sollte nach einem Oberarmbruch eine Osteoporose untersucht werden?
Nach einem Bruch infolge eines geringfügigen Sturzes sollte das persönliche Osteoporoserisiko ärztlich beurteilt werden. Ob eine Knochendichtemessung oder weitere Diagnostik notwendig ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen, Medikamenten und weiteren Risikofaktoren ab.
Ist eine Blankoverordnung für Physiotherapie möglich?
Bei bestimmten schulterbezogenen Humerusfrakturen kann eine Blankoverordnung infrage kommen. Entscheidend sind der genaue ICD-10-Code und die ärztliche Verordnung. Auch eine klassische Heilmittelverordnung ist weiterhin möglich.
Wissenschaftliche Grundlage
Für die Nachbehandlung gibt es kein einheitliches Schema für alle Humerusfrakturen. Die Rehabilitation muss an Bruchhöhe, Stabilität, konservative oder operative Versorgung, Begleitverletzungen und Kontrollbefunde angepasst werden.
Die aktuelle deutsche Leitlinie zur Oberarmschaftfraktur sieht eine physiotherapeutische und funktionelle Weiterbehandlung sowie regelmäßige Kontrollen von Frakturstellung, Haut, Durchblutung und Nervenfunktion vor. Nach einer Operation wird eine geführte Frühmobilisation empfohlen, deren Umfang von der Stabilität der Versorgung abhängt.
Für stabil behandelte proximale Humerusfrakturen zeigen Studien, dass eine frühe behutsame Mobilisation die kurzfristige funktionelle Erholung unterstützen kann. Die optimale Dauer der Ruhigstellung ist jedoch nicht für jede Fraktur abschließend geklärt. Deshalb haben ärztliche Bewegungsvorgaben Vorrang vor pauschalen Übungs- oder Wochenplänen.
Bei einer möglichen Fragilitätsfraktur gehören außerdem die Beurteilung der Knochengesundheit und Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Stürze und Frakturen zur weiteren Versorgung.
Quellen und weiterführende Informationen
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Cochrane-Review: Interventions for treating proximal humeral fractures in adults
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American Academy of Orthopaedic Surgeons: Shoulder Trauma – Fractures and Dislocations
-
American Academy of Orthopaedic Surgeons: Distal Humerus Fractures of the Elbow
-
Dachverband Osteologie: S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose
-
GKV-Spitzenverband: Diagnosen der Blankoverordnung in der Physiotherapie
Die Quellen dienen der allgemeinen fachlichen Orientierung. Welche Bewegungen, Belastungen und physiotherapeutischen Maßnahmen im Einzelfall geeignet sind, richtet sich nach der Fraktur, der medizinischen Versorgung und dem individuellen Heilungsverlauf.
Über die Autorin
Ines Beger ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktikerin in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Seit mehr als 24 Jahren begleitet sie Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparates und funktionellen Einschränkungen. Zu ihren Schwerpunkten gehören individuell abgestimmte physiotherapeutische Behandlungskonzepte, Manuelle Therapie, Osteopathie und aktive Bewegungstherapie.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder Beratung.
Zuletzt aktualisiert: August 2026