Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und ihren Sehnen: Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis. Gemeinsam führen und stabilisieren sie den Oberarmkopf im Schultergelenk und ermöglichen unter anderem das Heben und Drehen des Arms.
Ist eine dieser Sehnen teilweise oder vollständig durchtrennt, spricht man von einem Rotatorenmanschettenriss oder einer Rotatorenmanschettenruptur.
Ein Riss kann plötzlich nach einem Unfall entstehen oder sich langsam im Rahmen alters- und belastungsbedingter Sehnenveränderungen entwickeln. Wichtig ist: Nicht jeder im Ultraschall oder MRT sichtbare Riss verursacht Schmerzen, und nicht jeder Riss muss operiert werden. Für die Behandlung zählen Unfallhergang, Beschwerden, Kraft, Beweglichkeit, Alltagsfunktion, persönliche Ziele und der genaue Zustand von Sehne und Muskulatur zusammen.
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Welche Formen eines Rotatorenmanschettenrisses gibt es?
Bei einem Teilriss oder einer Partialläsion ist die Sehne nicht durch ihre gesamte Dicke durchtrennt. Ein vollschichtiger Riss reicht dagegen durch die gesamte Sehnendicke. Er gilt medizinisch als vollständige Läsion, auch wenn nicht die gesamte Breite der Sehne betroffen ist.
Zusätzlich wird unterschieden:
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ob eine oder mehrere Sehnen betroffen sind,
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wie breit und groß der Riss ist,
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ob sich die Sehne zurückgezogen hat,
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ob Muskelabbau oder eine fettige Umwandlung der Muskulatur vorliegen,
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ob der Riss akut, langsam entstanden oder „akut auf chronisch“ ist und
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ob die Sehne noch sinnvoll rekonstruiert werden kann.
Diese Merkmale können die Prognose und eine mögliche Operationsentscheidung beeinflussen. Die Größe des Risses allein sagt jedoch nicht zuverlässig voraus, wie stark die Beschwerden sind.
Wie entsteht ein Rotatorenmanschettenriss?
Ein akuter traumatischer Riss kann beispielsweise durch einen Sturz auf den Arm, eine Schulterluxation oder eine plötzliche starke Zug- beziehungsweise Hebebelastung entstehen. Typisch sind ein klarer Unfall, unmittelbar einsetzende Schmerzen und ein neuer deutlicher Kraftverlust.
Häufiger entwickeln sich Rotatorenmanschettenläsionen schrittweise. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Sehnengewebe, ohne dass dies automatisch krankhaft oder schmerzhaft sein muss. Wiederholte hohe Belastungen, frühere Verletzungen, Rauchen und bestimmte Begleiterkrankungen können die Sehnenbelastbarkeit oder Heilung zusätzlich beeinflussen. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen.
Die Entstehung lässt sich deshalb nicht allein mit „Verschleiß“, einer schlechten Durchblutung oder einer mechanischen Einklemmung unter dem Schulterdach erklären. Manchmal reißt eine bereits vorgeschädigte Sehne bei einem vergleichsweise kleinen Ereignis weiter. Dann spricht man von einem akut auf chronisch entstandenen Riss.
Welche Beschwerden können auftreten?
Mögliche Anzeichen sind:
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Schmerzen an der Vorder- oder Außenseite der Schulter, teilweise bis in den Oberarm
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Beschwerden beim seitlichen oder vorderen Anheben des Arms
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Schmerzen bei Drehbewegungen, Überkopfarbeit, Anziehen oder Greifen hinter den Rücken
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Nachtschmerzen, besonders beim Liegen auf der betroffenen Schulter
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Kraftverlust beim Heben, Halten oder Drehen des Arms
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schnelle Ermüdung der Schulter
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eingeschränkte aktive Beweglichkeit
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Schwierigkeiten bei Arbeit, Haushalt, Freizeit oder Sport
Bei größeren Rissen kann der Arm manchmal aktiv kaum noch angehoben werden, obwohl er sich mit Hilfe oder bei der Untersuchung passiv weiter bewegen lässt. Schmerzen können aber auch bei kleinen Rissen stark sein, während größere Risse gelegentlich lange unbemerkt bleiben. Ein Bildbefund muss deshalb immer gemeinsam mit den Beschwerden und der körperlichen Untersuchung bewertet werden.
Wie wird ein Rotatorenmanschettenriss diagnostiziert?
Die ärztliche Diagnostik beginnt mit dem Gespräch über Beginn, Unfallhergang, Schmerzen, Kraftverlust und Einschränkungen. In der körperlichen Untersuchung werden aktive und passive Beweglichkeit, Kraft, Schulterblattfunktion und mehrere spezifische Schultertests beurteilt. Kein einzelner Test kann einen Rotatorenmanschettenriss sicher bestätigen oder ausschließen; eine Kombination mehrerer Befunde ist aussagekräftiger.
Je nach Fragestellung können folgende Untersuchungen sinnvoll sein:
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Röntgenaufnahmen zeigen die Sehne selbst nicht, können aber Knochenverletzungen, Arthrose oder Veränderungen der Stellung des Oberarmkopfs sichtbar machen.
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Ultraschall kann Rotatorenmanschettenrisse gut darstellen, hängt jedoch von Erfahrung und Untersuchungsqualität ab.
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MRT zeigt neben dem Riss unter anderem Sehnenrückzug, Muskelabbau, fettige Veränderungen und Begleitverletzungen. Es ist besonders bei akuten Verletzungen, länger bestehenden Beschwerden und vor einer möglichen Operation wichtig.
Ähnliche Beschwerden können unter anderem bei einem Impingement-Syndrom der Schulter, einer Frozen Shoulder, Kalkschulter, Omarthrose, Bizepssehnen- oder Labrumverletzung, Schulterinstabilität oder bei Beschwerden aus der Halswirbelsäule auftreten.
Muss ein Rotatorenmanschettenriss operiert werden?
Nein. Eine Operation ist nicht allein deshalb erforderlich, weil im MRT ein Riss sichtbar ist. Beschwerdefreie Rotatorenmanschettenläsionen sollen nach der aktuellen deutschen Leitlinie nicht operiert werden.
Bei langsam entstandenen Rissen beginnt die Behandlung häufig konservativ. Für symptomatische kleine bis mittelgroße vollschichtige Risse zeigen Studien sowohl nach Physiotherapie als auch nach einer Operation deutliche Verbesserungen. Eine erfolgreich eingeheilte Sehnennaht kann bessere funktionelle Ergebnisse erreichen als eine nicht eingeheilte Naht oder eine rein konservative Behandlung. Dem stehen Operationsrisiken, die Möglichkeit eines erneuten Risses und eine mehrmonatige Rehabilitation gegenüber.
Eine zeitnahe schulterorthopädische oder unfallchirurgische Beurteilung ist besonders wichtig bei:
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einem akuten Riss nach Unfall,
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plötzlich ausgeprägtem Kraftverlust,
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der Unfähigkeit, den Arm aktiv anzuheben,
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Verdacht auf eine Verletzung der Subscapularissehne,
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einem größeren Riss bei hoher beruflicher oder sportlicher Belastung oder
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einer deutlichen Verschlechterung eines bekannten Risses.
Bei degenerativen Rissen wird eine Operation meist erst nach einem angemessenen konservativen Behandlungsversuch erwogen. In die gemeinsame Entscheidung gehören Beschwerden, Funktion, Alter und allgemeine Gesundheit, Alltags- und Sportanforderungen, Rissgröße, Sehnenrückzug, Muskelqualität, Heilungsaussichten und persönliche Ziele. Ein akuter traumatischer Riss sollte nicht über Wochen ausschließlich mit Eigenübungen behandelt werden, ohne ihn ärztlich abklären zu lassen.
Physiotherapie ohne Operation
Physiotherapie und angeleitete Eigenübungen bilden die Grundlage der konservativen Behandlung. Ein vollständiger Sehnenriss wächst dadurch nicht zuverlässig wieder zusammen. Dennoch können Schmerzen, Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Alltagsfunktion deutlich besser werden, weil die erhaltenen Anteile der Rotatorenmanschette, der Deltamuskel und die Schulterblattmuskulatur ihre Zusammenarbeit verbessern und die Schulter schrittweise belastbarer wird.
Zu Beginn untersuchen wir unter anderem:
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aktive und passive Beweglichkeit,
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Kraft und Ausdauer der Schulter- und Schulterblattmuskulatur,
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schmerzhafte Bewegungen und aktuelle Belastungsgrenzen,
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Bewegungskoordination von Schulterblatt und Oberarm,
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Anforderungen aus Alltag, Beruf und Sport sowie
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persönliche Ziele und mögliche Begleiterkrankungen.
Je nach Befund kann die Behandlung umfassen:
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verständliche Beratung zum Befund und zur Belastungssteuerung,
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individuell dosierte Beweglichkeitsübungen,
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schrittweises Training der erhaltenen Rotatorenmanschette,
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Kräftigung von Deltamuskel, Schulterblatt-, Arm- und Rumpfmuskulatur,
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Koordinations- und Ausdauertraining,
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Aufbau von Zug-, Druck-, Hebe- und Überkopfbelastungen,
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arbeitsplatz- oder sportspezifisches Training und
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ein regelmäßig angepasstes Heimübungsprogramm.
Manuelle Therapie kann bei passenden Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen ergänzen. Sie ersetzt jedoch nicht den aktiven Kraft- und Belastungsaufbau. Für ein späteres, systematisches Krafttraining kann Krankengymnastik am Gerät geeignet sein. Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Schultertherapie in Leipzig.
Übungen und richtige Belastungssteuerung
Nicht jede Schulter mit einem Rotatorenmanschettenriss benötigt dieselben Übungen. Auswahl und Dosierung hängen davon ab, welche Sehne betroffen ist, ob der Riss akut oder länger vorhanden ist, wie viel Kraft und Beweglichkeit bestehen und ob konservativ oder nach einer Operation behandelt wird.
Bei einer konservativen Behandlung können je nach Befund beispielsweise assistierte Armbewegungen, Außen- oder Innenrotation gegen angepassten Widerstand, kontrolliertes Armheben sowie Zug- und Druckübungen eingesetzt werden. Leichte, vorübergehende Beschwerden während des Trainings sind nicht automatisch schädlich. Als praktische Orientierung sollten sie gut tolerierbar bleiben, sich wieder beruhigen und am folgenden Tag nicht deutlich stärker sein. Bei zunehmendem Kraftverlust, deutlicher Nachtschmerzverstärkung oder länger anhaltender Reaktion muss die Belastung angepasst und der Befund überprüft werden.
Ergänzend zur persönlichen Behandlung steht das Schulter-Übungsprogramm als PDF zur Verfügung. Führen Sie nur Übungen aus, die zu Ihrem Befund passen und mit Ihnen besprochen wurden. Nach einem frischen Unfall oder einer Sehnennaht darf dieses allgemeine Programm nicht ohne medizinische beziehungsweise therapeutische Freigabe verwendet werden.
Was können Sie selbst tun?
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Verändern oder reduzieren Sie vorübergehend besonders reizende Hebe- und Überkopfbelastungen.
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Bewegen Sie die Schulter im vereinbarten, gut verträglichen Bereich weiter.
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Führen Sie die ausgewählten Übungen regelmäßig, aber nicht nach dem Grundsatz „viel hilft viel“ durch.
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Steigern Sie Bewegungsumfang, Widerstand und Wiederholungen schrittweise.
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Unterstützen Sie den Arm bei nächtlichen Beschwerden versuchsweise mit einem Kissen.
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Beobachten Sie die Reaktion während der Aktivität und bis zum folgenden Tag.
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Lassen Sie einen neuen deutlichen Kraftverlust oder eine Verschlechterung nach einem Unfall ärztlich abklären.
Eine dauerhafte vollständige Schonung kann Beweglichkeit und Kraft zusätzlich verringern. Gleichzeitig ist es nicht sinnvoll, starke Schmerzen oder deutlichen Funktionsverlust ständig zu übergehen. Entscheidend ist eine individuell passende Belastung.
Wie sind Schmerzmittel und Injektionen einzuordnen?
Entzündungshemmende Schmerzmittel können Beschwerden kurzfristig reduzieren und Bewegung oder Schlaf erleichtern. Ob ein Präparat geeignet ist, hängt unter anderem von Magen, Nieren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutverdünnern und weiteren Medikamenten ab. Auswahl, Dosierung und Dauer sollten ärztlich oder in der Apotheke geklärt werden.
Eine einzelne Kortisoninjektion kann Schmerzen und Funktion kurzfristig verbessern. Sie repariert die gerissene Sehne jedoch nicht. Wiederholte Kortisoninjektionen können die Sehnenstruktur beeinträchtigen und eine spätere Rekonstruktion erschweren. Besonders wenn eine Operation infrage kommt, sollten Zeitpunkt, Nutzen und Risiken mit der behandelnden Schulterchirurgie abgestimmt werden.
Für PRP-Injektionen besteht bei Teilrissen kein verlässlich belegter Vorteil, der eine routinemäßige Anwendung rechtfertigt; auch bei vollständigen Rissen wird die nichtoperative Routineanwendung nicht empfohlen. Stammzellbehandlungen gelten an der Rotatorenmanschette weiterhin als experimentell. Solche Verfahren sollten nicht mit einer gesicherten Sehnenheilung beworben werden.
Physiotherapie nach einer Operation
Nach einer Sehnennaht muss das reparierte Gewebe zunächst geschützt werden. Wie lange eine Orthese getragen wird und wann passive, assistierte, aktive und später kräftigende Übungen beginnen, hängt von Rissgröße, betroffener Sehne, Operationstechnik, Gewebequalität und ärztlichem Nachbehandlungsplan ab.
Die postoperative Rehabilitation verläuft typischerweise stufenweise:
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Schutz der Naht und kontrollierte passive beziehungsweise assistierte Bewegung
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schrittweiser Übergang zu aktiver Bewegung
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Aufbau von Kraft, Ausdauer und Koordination nach Freigabe
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funktionelles Training für Alltag und Beruf
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stufenweise Rückkehr zu Sport oder schwerer Überkopfarbeit
Zu frühes, zu schweres oder aggressives Training kann die Sehnenheilung gefährden. Umgekehrt kann eine unangemessen lange Immobilisation die Beweglichkeit beeinträchtigen. Deshalb gilt immer der individuelle Operations- und Nachbehandlungsplan. Ein allgemeines Internet- oder PDF-Programm darf diese Vorgaben nicht ersetzen.
Wenn Ihr Operationstermin feststeht, können Sie die anschließenden Physiotherapietermine möglichst frühzeitig reservieren. Bringen Sie Operationsbericht, Nachbehandlungsplan und Bewegungs- beziehungsweise Belastungsvorgaben mit. Weitere Hinweise finden Sie in unserer Bootscast-Folge „Der perfekte Patient – gut vorbereitet zur Physiotherapie“.
Wann sind Arbeit und Sport wieder möglich?
Die Rückkehr richtet sich nicht nur nach einer bestimmten Anzahl von Wochen. Leichte Tätigkeiten können häufig früher möglich sein als schweres Heben, wiederholte Überkopfarbeit, Wurf-, Schlag- oder Kontaktsport. Nach einer Operation dauert der vollständige Kraft- und Belastungsaufbau meist mehrere Monate.
Wichtige Kriterien sind:
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ausreichende Beweglichkeit für die konkrete Tätigkeit,
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wiederhergestellte Kraft und Ausdauer,
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gute Kontrolle bei wiederholten Bewegungen,
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Verträglichkeit der schrittweise gesteigerten Belastung und
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Freigabe durch die behandelnde Ärztin beziehungsweise den behandelnden Arzt nach einer Operation.
Eine zu frühe Rückkehr zu maximalen Belastungen kann Rückschritte verursachen. Ein stufenweiser Aufbau ist meist sicherer als der direkte Wiedereinstieg in das volle Arbeits- oder Sportpensum.
Wann sollte die Schulter rasch ärztlich untersucht werden?
Zeitnah beziehungsweise sofort medizinisch abklären lassen sollten Sie:
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einen Unfall mit plötzlich deutlichem Kraftverlust oder der Unfähigkeit, den Arm anzuheben,
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eine sichtbare Fehlstellung oder den Verdacht auf Schulterluxation oder Knochenbruch,
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eine kalte, blasse oder bläulich verfärbte Hand,
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neue Taubheit, Lähmungszeichen oder ausgeprägte Schwäche,
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eine stark gerötete, überwärmte oder geschwollene Schulter,
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Fieber oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl zusammen mit Schulterschmerzen,
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nach einer Operation eine auffällige Wunde, Sekret, rasch zunehmende Schmerzen oder Schwellung sowie
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Brustschmerz, Atemnot, Kaltschweißigkeit oder in den Arm ausstrahlende Beschwerden.
Auch ein zunehmender Kraftverlust, anhaltend starke Nachtschmerzen oder ausbleibende Fortschritte trotz konsequenter Rehabilitation sollten erneut ärztlich beurteilt werden.
Blankoverordnung beim Rotatorenmanschettenriss
Läsionen der Rotatorenmanschette gehören zu den ausgewählten Schultererkrankungen, für die gesetzlich Versicherte eine physiotherapeutische Blankoverordnung erhalten können. Die ärztliche Diagnose und Verordnung bleiben erforderlich. Die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt entscheidet, ob im konkreten Fall eine Blankoverordnung oder eine klassische Heilmittelverordnung ausgestellt wird.
Bei einer Blankoverordnung plant die physiotherapeutische Praxis innerhalb der geltenden Vorgaben unter anderem Heilmittel, Behandlungsfrequenz und Behandlungsmenge. Vor Ihrem ersten Termin können Sie die gekennzeichneten Patientenangaben im Befundbogen Schulter als PDF ausfüllen und den Bogen mitbringen.
Ihre Ansprechpartner für die Schulterrehabilitation
In unserer Praxis wird die spezialisierte Schulterbehandlung unter anderem von Erik Püschel und Vincent Böhm durchgeführt. Sie begleiten Patientinnen und Patienten bei der konservativen Behandlung sowie beim schrittweisen Wiederaufbau nach Schulteroperationen. Die Therapie wird an Diagnose, Heilungsphase, ärztliche Vorgaben und persönliche Ziele angepasst.
Häufige Fragen zum Rotatorenmanschettenriss
Verursacht ein Rotatorenmanschettenriss immer Schmerzen?
Nein. Besonders mit zunehmendem Alter werden Rotatorenmanschettenrisse auch bei Menschen ohne Beschwerden gefunden. Entscheidend ist, ob Bildbefund, Schmerzen, Kraftverlust, Funktion und Untersuchung zusammenpassen. Ein zufälliger MRT-Befund ist allein kein Operationsgrund.
Kann ein Rotatorenmanschettenriss von selbst heilen?
Ein vollständiger Riss wächst ohne Operation meist nicht zuverlässig anatomisch zusammen. Beschwerden und Funktion können sich trotzdem durch Belastungsanpassung und gezieltes Training deutlich verbessern. Bei Teilrissen hängt die Gewebeentwicklung von Ausmaß, Ursache und Belastung ab. Eine bestimmte Sehnenheilung lässt sich weder durch Physiotherapie noch durch Injektionen garantieren.
Muss jeder vollständige Riss operiert werden?
Nein. Auch bei einem vollständigen Riss können konservative Behandlung und Training sinnvoll sein. Eine Operation wird anhand von Unfallhergang, Beschwerden, Kraft, Alter, Aktivitätsanspruch, Rissgröße, Sehnenrückzug, Muskelqualität und persönlichen Zielen abgewogen. Akute traumatische Risse mit deutlichem Kraftverlust benötigen allerdings eine zeitnahe fachärztliche Beurteilung.
Kann Physiotherapie trotz eines vollständigen Risses helfen?
Ja. Physiotherapie kann die gerissene Sehne nicht sicher wieder zusammenfügen, aber Beweglichkeit, Kraft, Koordination und die Nutzung der erhaltenen Muskulatur verbessern. Die aktuelle Evidenz zeigt bei vielen symptomatischen kleinen bis mittelgroßen vollständigen Rissen relevante Verbesserungen durch Physiotherapie.
Brauche ich immer ein MRT?
Nicht bei jedem Schulterschmerz ist sofort ein MRT nötig. Nach einem Unfall mit neuem Kraftverlust, bei länger bestehenden Beschwerden, vor einer möglichen Operation oder bei unklarem Befund kann es jedoch wichtig sein. Ultraschall kann ebenfalls sehr aussagekräftig sein. Welche Bildgebung erforderlich ist, entscheidet die ärztliche Untersuchung.
Welche Übungen helfen bei einem Rotatorenmanschettenriss?
Häufig werden Beweglichkeitsübungen, dosiertes Training der erhaltenen Rotatorenmanschette, Schulterblatttraining sowie ein schrittweiser Aufbau von Hebe-, Zug- und Druckbelastungen eingesetzt. Es gibt kein Standardprogramm für alle Risse. Nach einem frischen Unfall oder einer Operation gelten besondere Schutz- und Belastungsvorgaben.
Wie lange dauert eine konservative Behandlung?
Das ist individuell und hängt von Ursache, Reizbarkeit, Kraftverlust, Dauer der Beschwerden und Belastungsziel ab. Eine strukturierte Rehabilitation erstreckt sich häufig über mehrere Wochen bis Monate. Entscheidend ist der überprüfbare Verlauf. Bei fehlender Besserung oder zunehmender Schwäche sollte die Diagnose erneut ärztlich beurteilt werden.
Wie lange dauert die Rehabilitation nach einer Operation?
Die Sehnenheilung und der spätere Kraftaufbau benötigen mehrere Monate. Die Dauer hängt unter anderem von Rissgröße, Operationstechnik, Gewebequalität, Begleiterkrankungen und den Anforderungen in Arbeit oder Sport ab. Ein genauer Zeitplan kann nur anhand des Operationsbefunds und des individuellen Verlaufs festgelegt werden.
Ist eine Blankoverordnung möglich?
Ja, Läsionen der Rotatorenmanschette gehören zu den vorgesehenen Schulterindikationen. Die ärztliche Praxis entscheidet, ob eine Blankoverordnung ausgestellt wird. Auch eine klassische physiotherapeutische Verordnung bleibt möglich.
Wissenschaftliche Grundlage
Die deutsche S2k-Leitlinie von 2025 beschreibt Rotatorenmanschettenläsionen als multifaktoriell und bewertet Physiotherapie und Eigenübungen als Basis der konservativen Behandlung. Beschwerdefreie Risse sollen nicht operiert werden. Akute reparable Risse, insbesondere mit deutlichem Funktionsverlust, benötigen dagegen eine zeitnahe fachärztliche Einordnung.
Die AAOS-Leitlinie von 2025 zeigt für symptomatische kleine bis mittelgroße vollschichtige Risse Verbesserungen sowohl durch Physiotherapie als auch durch operative Behandlung. Unter nichtoperativer Behandlung können sich Beschwerden und Funktion langfristig bessern; gleichzeitig können Rissgröße, Muskelabbau und fettige Muskelveränderungen über Jahre fortschreiten. Das spricht für eine individuelle Entscheidung und eine erneute Untersuchung bei Funktionsverlust – nicht für eine pauschale Operation jedes Bildbefunds.
Quellen und weiterführende Informationen
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Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie: S2k-Leitlinie Rotatorenmanschettenruptur, Version 3.0, 2025
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American Academy of Orthopaedic Surgeons: Clinical Practice Guideline – Management of Rotator Cuff Injuries, 2025
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Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy: Clinical Practice Guideline zur Rotatorenmanschetten-Tendinopathie und zu Teilrissen, 2025
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American Academy of Orthopaedic Surgeons: Patienteninformation zu Rotatorenmanschettenrissen
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Kassenärztliche Bundesvereinigung: Blankoverordnung für Physiotherapie und Ergotherapie, Stand Mai 2026
Über die Autorin
Ines Beger ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktikerin in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Seit mehr als 24 Jahren begleitet sie Menschen mit Schulterbeschwerden, Verletzungen des Bewegungsapparates und funktionellen Einschränkungen. Zu ihren Schwerpunkten gehören individuell abgestimmte physiotherapeutische Behandlungskonzepte, Manuelle Therapie, Osteopathie und aktive Bewegungstherapie.
Qualifikationen und Fortbildungen von Ines Beger
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob ein Rotatorenmanschettenriss für die Beschwerden verantwortlich ist und ob eine Operation infrage kommt, muss anhand des individuellen Gesamtbefunds entschieden werden. Nach einem Unfall mit neuem deutlichem Kraftverlust ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung erforderlich.
Zuletzt fachlich geprüft: 5. August 2026