Bluthochdruck, medizinisch Hypertonie genannt, gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Da erhöhte Werte oftmals lange keine eindeutigen Beschwerden verursachen, bleiben sie nicht selten unbemerkt.
Regelmäßige und korrekt durchgeführte Blutdruckmessungen sind deshalb besonders wichtig.
Was bedeutet Hypertonie?
Der Blutdruck beschreibt den Druck, mit dem das Blut durch die Gefäße fließt. Angegeben werden zwei Werte:
- Der systolische Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt.
- Der diastolische Wert wird gemessen, während sich das Herz zwischen zwei Schlägen entspannt und erneut mit Blut füllt.
Nach den europäischen Leitlinien wird bei wiederholt gemessenen Praxiswerten ab 140/90 mmHg von Hypertonie gesprochen. Einzelne auffällige Messungen reichen für die Diagnose jedoch nicht aus. Die Werte sollten ärztlich beurteilt und gegebenenfalls durch wiederholte Messungen zu Hause oder eine 24-Stunden-Blutdruckmessung bestätigt werden.
Warum sollte Bluthochdruck behandelt werden?
Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte können Herz, Gehirn, Nieren und Blutgefäße belasten. Langfristig kann dadurch unter anderem das Risiko für folgende Erkrankungen steigen:
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Herzschwäche
- Nierenschäden
- Gefäßerkrankungen
- Schädigungen der Netzhaut
Eine frühzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Behandlung können helfen, diese Risiken zu reduzieren.
Welche Beschwerden können auftreten?
Bluthochdruck verursacht häufig keine eindeutigen Symptome. Mögliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Kurzatmigkeit oder innere Unruhe können viele verschiedene Ursachen haben und beweisen keine Hypertonie.
Entscheidend ist deshalb nicht das persönliche Gefühl, sondern eine korrekte Blutdruckmessung und ärztliche Beurteilung.
Wie wird der Blutdruck richtig gemessen?
Für möglichst zuverlässige Werte sollten Sie:
- vor der Messung einige Minuten ruhig sitzen,
- während der Messung nicht sprechen,
- beide Füße auf den Boden stellen,
- Rücken und Arm abstützen,
- den Arm ungefähr auf Herzhöhe lagern,
- eine passende Oberarmmanschette verwenden und
- mehrere Messungen durchführen und dokumentieren.
Kaffee, Nikotin, körperliche Belastung, Stress und Aufregung können das Ergebnis vorübergehend beeinflussen. Ein Blutdrucktagebuch kann der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt bei der Beurteilung helfen.
Wie wird Hypertonie behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach den gemessenen Werten, dem persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko, möglichen Begleiterkrankungen und der individuellen Verträglichkeit.
Je nach Befund können dazu gehören:
- ärztlich verordnete Medikamente,
- regelmäßige körperliche Aktivität,
- eine ausgewogene und salzbewusste Ernährung,
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
- Verzicht auf Nikotin,
- ein maßvoller Umgang mit Alkohol,
- ausreichende Erholung und Schlaf sowie
- ein angemessener Umgang mit anhaltenden Belastungen.
Verordnete Blutdruckmedikamente sollten nicht eigenständig verändert oder abgesetzt werden.
Warum Bewegung bei Bluthochdruck wichtig ist
Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Behandlung von Bluthochdruck sinnvoll unterstützen. Bewegung trainiert das Herz-Kreislauf-System, verbessert die körperliche Belastbarkeit und kann dazu beitragen, den Ruheblutdruck langfristig zu senken.
Abhängig vom persönlichen Gesundheitszustand eignen sich beispielsweise:
- zügiges Gehen,
- Radfahren,
- Schwimmen,
- individuell dosiertes Krafttraining und
- mehr Bewegung im Alltag.
Entscheidend ist nicht eine möglichst hohe Belastung, sondern regelmäßige und angemessen dosierte Aktivität. Welche Bewegungsform und Intensität geeignet sind, hängt von Ihren Blutdruckwerten, Begleiterkrankungen, Medikamenten und Ihrer bisherigen Belastbarkeit ab.
Podcast: Warum Bewegung so wichtig ist
Warum wirkt sich regelmäßige Aktivität positiv auf Herz, Kreislauf, Muskulatur und Wohlbefinden aus? In Folge 11 unseres Bootscasts erklären wir, weshalb schon kleine Veränderungen im Alltag einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten können.
Folge 11 - Warum Bewegung so wichtig ist – Podcast
Podcast: Krafttraining richtig dosieren
Auch angepasstes Krafttraining kann ein sinnvoller Bestandteil eines aktiven Lebensstils sein. In Folge 12 sprechen wir darüber, warum Krafttraining nicht nur für die Muskulatur wichtig ist und wie sich Belastung schrittweise aufbauen lässt.
Folge 12 - Krafttraining – Podcast
Bei sehr hohen oder schlecht eingestellten Blutdruckwerten, Schwindel, Brustschmerzen, ungewöhnlicher Atemnot oder anderen Beschwerden ist vor dem Training eine ärztliche Abklärung erforderlich. Die Podcastfolgen ersetzen keine medizinische Untersuchung oder persönliche Trainingsempfehlung.
Herz und Blutdruck in unserem Podcast
Wie ist das Herz aufgebaut und wie transportiert es Blut durch den Körper? In Folge 13 unseres Bootscasts erklären wir verständlich die Arbeitsweise des Herzens und den Blutkreislauf.
Folge 13 - Das Herz – Aufbau und Funktion | Podcast
In Folge 14 geht es darum, wie Blutdruck entsteht, wodurch er beeinflusst wird und warum regelmäßiges Messen so wichtig ist.
Folge 14 - Blutdruck verständlich erklärt – Podcast
Die Podcastfolgen dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder individuelle medizinische Beratung.
Wann ist eine sofortige Abklärung notwendig?
Sehr hohe Blutdruckwerte sollten ernst genommen werden. Bei Werten um oder über 180/120 mmHg sollte nach kurzer Ruhe erneut gemessen und zeitnah medizinischer Rat eingeholt werden.
Treten gleichzeitig Beschwerden wie Brustschmerz, schwere Atemnot, Lähmungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit oder starke Sehstörungen auf, wählen Sie sofort den Notruf 112.
Häufige Fragen zu Bluthochdruck
Kann ich Bluthochdruck spüren?
Häufig nicht. Auch deutlich erhöhte Werte können ohne erkennbare Beschwerden auftreten. Sicherheit bietet nur die Blutdruckmessung.
Reicht eine einzelne erhöhte Messung für die Diagnose?
Nein. Die Diagnose wird üblicherweise durch wiederholte Messungen, eine häusliche Messreihe oder eine Langzeitmessung abgesichert.
Darf ich mit Bluthochdruck Sport treiben?
Regelmäßige, angemessen dosierte Bewegung ist meistens sinnvoll. Bei sehr hohen, unklaren oder schlecht eingestellten Werten sollte die Belastung vorher ärztlich abgeklärt werden.
Kann Physiotherapie Bluthochdruck behandeln?
Physiotherapie ersetzt weder die ärztliche Diagnostik noch notwendige Medikamente. Sie kann jedoch dabei unterstützen, Bewegung sicher aufzubauen, die körperliche Belastbarkeit zu verbessern und einen aktiveren Alltag zu entwickeln.
Darf ich Medikamente absetzen, wenn meine Werte besser werden?
Nein. Veränderungen der Medikation sollten ausschließlich mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- European Society of Cardiology: Leitlinie zu erhöhtem Blutdruck und Hypertonie 2024
- Deutsche Hochdruckliga: Informationen zu Bluthochdruck
- Deutsche Hochdruckliga: Hinweise zur Blutdruckselbstmessung
Leitlinien bilden einen allgemeinen medizinischen Orientierungsrahmen. Diagnose, Zielwerte und Behandlung müssen individuell ärztlich festgelegt werden.
Fachlich geprüft von Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin
Qualifikationen und Fortbildungen ansehen
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026