Diagnosen

Diagnosen auf einen Blick
Anatomische Darstellung eines Bandscheibenvorfalls an der Wirbelsäule

Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern und wirken als elastische Puffer. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe durch Veränderungen im äußeren Faserring nach außen. Berührt oder reizt dieses Gewebe eine

Nervenwurzel, können Schmerzen, Gefühlsstörungen oder eine verminderte Muskelkraft entstehen. Nicht jeder im MRT erkennbare Bandscheibenvorfall verursacht Beschwerden. Entscheidend ist deshalb nicht allein das Bild, sondern ob Befund, Symptome und körperliche Untersuchung zusammenpassen.

 

Typische Beschwerden

Mögliche Anzeichen sind:

  • Schmerzen im unteren Rücken oder Nacken
  • ausstrahlende Schmerzen in Bein, Fuß, Arm oder Hand
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • schmerzbedingte Schonhaltung
  • in seltenen Fällen eine nachlassende Muskelkraft

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei vielen Betroffenen bessern sie sich innerhalb einiger Wochen ohne Operation.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall festgestellt?

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Dabei werden unter anderem Beweglichkeit, Muskelkraft, Gefühl und Reflexe überprüft.

Eine MRT-Untersuchung ist nicht bei jedem Rückenschmerz erforderlich. Sie kann sinnvoll sein, wenn deutliche neurologische Ausfälle bestehen, die Beschwerden trotz Behandlung anhalten oder das Ergebnis für die weitere Therapieentscheidung wichtig ist.

Wann ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich?

Bitte lassen Sie die Beschwerden unverzüglich ärztlich abklären, wenn:

  • Blase oder Darm nicht mehr richtig kontrolliert werden können
  • ein Taubheitsgefühl im Gesäß-, Genital- oder Innenschenkelbereich auftritt
  • eine deutliche oder zunehmende Muskelschwäche entsteht
  • starke Beschwerden nach einem Unfall auftreten
  • die Schmerzen von Fieber oder einem schweren Krankheitsgefühl begleitet werden

Diese Symptome können auf eine ernsthafte Nervenbeeinträchtigung oder eine andere behandlungsbedürftige Erkrankung hinweisen.

Behandlung nach wissenschaftlichen Empfehlungen

Bei den meisten Bandscheibenvorfällen steht zunächst eine konservative Behandlung ohne Operation im Vordergrund. Dazu gehören eine angemessene Schmerzbehandlung, verständliche Informationen und eine möglichst frühe Rückkehr zu verträglicher Aktivität.

Längere Bettruhe wird nicht empfohlen. Kurze Entlastungsphasen können bei starken Schmerzen hilfreich sein, sollten aber anschließend durch vorsichtige Bewegung ergänzt werden.

Eine individuell angepasste Krankengymnastik kann dabei helfen, Beweglichkeit, Kraft und Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen.

Eine Operation kann erwogen werden, wenn starke ausstrahlende Beschwerden trotz konservativer Behandlung über längere Zeit bestehen und eindeutig zum bildgebenden Befund passen. Bei schweren oder zunehmenden neurologischen Ausfällen ist eine rasche fachärztliche Beurteilung notwendig.

Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall

Die physiotherapeutische Behandlung richtet sich nicht allein nach dem MRT-Befund, sondern nach Ihren aktuellen Beschwerden, möglichen Nervensymptomen und funktionellen Einschränkungen.

Mögliche Bestandteile sind:

  • schmerzarme Bewegungsübungen
  • Anleitung für günstige Alltagsbewegungen
  • schrittweiser Belastungsaufbau
  • Kräftigung der Rumpf- und Beinmuskulatur
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Koordination
  • individuell abgestimmte Eigenübungen
  • Beratung zur Rückkehr in Beruf, Alltag und Sport

Abhängig vom Befund können Techniken aus der Manuellen Therapie ergänzend eingesetzt werden. Sie ersetzen jedoch nicht die aktive Bewegung und den schrittweisen Belastungsaufbau.

Bei Muskelverspannungen kann eine Wärmetherapie vorübergehend als angenehm empfunden werden. Ob Wärme geeignet ist, wird individuell entschieden.

Was können Sie selbst tun?

Versuchen Sie, Ihre normalen Aktivitäten im individuell verträglichen Umfang beizubehalten. Häufige Positionswechsel, kurze Spaziergänge und regelmäßig ausgeführte Übungen sind meistens günstiger als langes Liegen oder eine dauerhafte Schonhaltung.

Welche Bewegungen geeignet sind, hängt von Ihren Beschwerden und Ihrer körperlichen Belastbarkeit ab. In unserem Übungsbereich finden Sie ergänzende Anregungen. Bei ausstrahlenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Kraftverlust sollten Übungen jedoch vorher individuell ausgewählt werden.

Bei länger bestehenden oder durch mehrere Faktoren beeinflussten Schmerzen kann außerdem eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Dabei werden verschiedene Behandlungsansätze abhängig vom persönlichen Befund miteinander kombiniert.

Bandscheibenvorfall im Podcast

Was bedeutet die Diagnose Bandscheibenvorfall und warum stimmen MRT-Befund und Beschwerden nicht immer überein? In Folge 5 unseres Bootscast sprechen wir über typische Symptome, wichtige Warnzeichen und die Rolle von Bewegung und Physiotherapie.

Folge 5 - Bandscheibenvorfall verständlich erklärt – Podcast

Unser Ziel

Gemeinsam entwickeln wir einen Behandlungsplan, der zu Ihrem Befund, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Zielen passt. Dabei möchten wir Ihnen Sicherheit im Umgang mit den Beschwerden geben und Sie dabei unterstützen, Ihre Beweglichkeit und Belastbarkeit schrittweise zurückzugewinnen.

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Wissenschaftliche Grundlage

Die Inhalte orientieren sich an wissenschaftlichen Empfehlungen zur Versorgung von Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen. Die spezielle S2k-Leitlinie zur konservativen, operativen und rehabilitativen Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik wird derzeit aktualisiert.

Weiterführende, unabhängige Patienteninformationen finden Sie beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Über die Autorin

Ines Beger ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktikerin in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Seit mehr als 24 Jahren begleitet sie Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparates und funktionellen Gesundheitsproblemen. Zu ihren Schwerpunkten gehören Osteopathie, Chiropraktik, Neuraltherapie und individuell abgestimmte Behandlungskonzepte.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung oder Beratung.

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