Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Ursache ist eine fehlende oder verminderte Wirkung des Hormons Insulin. Eine individuell abgestimmte Behandlung kann helfen, den Blutzucker zu regulieren, Folgeerkrankungen vorzubeugen und die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Welche Diabetesformen gibt es?
Diabetes Typ 1
Beim Diabetes Typ 1 greift das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Betroffene müssen dauerhaft Insulin zuführen. Bewegung ist möglich und sinnvoll, erfordert jedoch eine individuell abgestimmte Planung von Insulin, Kohlenhydraten und Blutzuckerkontrollen.
Diabetes Typ 2
Beim Diabetes Typ 2 reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin. Im weiteren Verlauf kann zusätzlich die Insulinproduktion abnehmen. Die Erkrankung entsteht durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, beispielsweise genetischer Veranlagung, Alter, Körpergewicht und Bewegungsverhalten. Es geht dabei nicht um persönliche Schuld.
Schwangerschaftsdiabetes
Ein Schwangerschaftsdiabetes tritt erstmals während einer Schwangerschaft auf und benötigt eine besondere ärztliche Betreuung. Nach der Geburt normalisieren sich die Werte häufig wieder, das spätere Risiko für einen Diabetes Typ 2 kann jedoch erhöht bleiben.
Mögliche Anzeichen eines Diabetes
Ein Typ-2-Diabetes entwickelt sich häufig langsam und bleibt zunächst unbemerkt. Mögliche Beschwerden sind:
- verstärkter Durst
- häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Leistungsminderung
- verschwommenes Sehen
- wiederkehrende Infektionen
- schlecht heilende Wunden
- ungewollte Gewichtsveränderungen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Füßen
Die Diagnose erfolgt ärztlich, beispielsweise anhand des Nüchternblutzuckers, des Langzeitblutzuckerwertes HbA1c oder eines Glukosetoleranztests.
Wie wird Diabetes behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Diabetesform, den persönlichen Blutzuckerzielen und möglichen Begleiterkrankungen. Sie kann folgende Bausteine umfassen:
- Diabetesschulung und regelmäßige ärztliche Kontrollen
- individuell angepasste Ernährung
- regelmäßige körperliche Aktivität
- blutzuckersenkende Medikamente
- Insulintherapie
- Kontrolle von Blutdruck und Blutfetten
- Untersuchungen von Augen, Nieren, Nerven und Füßen
Medikamente und Insulindosierungen dürfen nicht selbstständig verändert werden.
Warum Bewegung bei Diabetes wichtig ist
Regelmäßige Bewegung gehört insbesondere bei Diabetes Typ 2 zu den grundlegenden Behandlungsmaßnahmen. Sie kann die Insulinempfindlichkeit unterstützen und sich positiv auf Muskulatur, Kreislauf, Beweglichkeit und allgemeine Belastbarkeit auswirken. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt, die Behandlung und die persönlichen Ziele gemeinsam und individuell festzulegen. Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes
Geeignet sein können beispielsweise:
- regelmäßige Spaziergänge
- Ausdauertraining
- angepasstes Krafttraining
- Gleichgewichts- und Koordinationsübungen
- Beweglichkeitsübungen
- mehr Bewegung im Alltag
Welche Belastung geeignet ist, hängt unter anderem von der Medikation, der körperlichen Leistungsfähigkeit und möglichen Folgeerkrankungen ab.
Passende Podcastfolgen
Warum Bewegung so wichtig ist
In dieser Podcastfolge erklären wir, welche Bedeutung regelmäßige Aktivität für Kreislauf, Stoffwechsel, Muskulatur und allgemeines Wohlbefinden besitzt.
Folge 11 – Warum Bewegung so wichtig ist
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Krafttraining und Stoffwechsel
Muskeln benötigen Energie und beteiligen sich wesentlich am Zuckerstoffwechsel. Angepasstes Krafttraining kann deshalb einen wichtigen Bestandteil eines aktiven Lebens mit Diabetes darstellen.
Folge 12 – Krafttraining
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Unterzuckerung bei körperlicher Aktivität
Wer Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente erhält, kann während oder auch mehrere Stunden nach körperlicher Belastung eine Unterzuckerung entwickeln. Das Training sollte deshalb mit dem behandelnden Diabetesteam abgestimmt werden. Diabinfo: Bewegung bei Diabetes Typ 1
Mögliche Warnzeichen sind:
- Zittern
- Schwitzen
- starker Hunger
- Herzklopfen
- Konzentrationsstörungen
- Verwirrtheit
- auffällige Verhaltensänderungen
Schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker sollten entsprechend dem persönlichen Behandlungsplan verfügbar sein.
Bei Bewusstlosigkeit darf nichts zu essen oder zu trinken gegeben werden. Rufen Sie den Rettungsdienst unter 112. Ein verordnetes Glukagonpräparat sollte nur von entsprechend eingewiesenen Personen angewendet werden.
Wann ist schnelle medizinische Hilfe erforderlich?
Sehr hohe Blutzuckerwerte können insbesondere bei Diabetes Typ 1 zu einer diabetischen Ketoazidose führen. Warnzeichen können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, eine auffällig tiefe Atmung, Acetongeruch und zunehmende Benommenheit sein. In dieser Situation ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich. Diabinfo: Diabetes im Notfall
Fußgesundheit bei Diabetes
Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können Nerven und Blutgefäße schädigen. Dadurch werden Druckstellen oder kleine Verletzungen an den Füßen möglicherweise nicht rechtzeitig bemerkt und können schlechter heilen. Diabinfo: Füße und diabetisches Fußsyndrom
Achten Sie deshalb auf:
- tägliche Kontrolle der Füße
- passende, druckfreie Schuhe
- sorgfältige Haut- und Nagelpflege
- Vermeidung von Barfußlaufen bei eingeschränktem Gefühl
- zeitnahe ärztliche Abklärung von Wunden, Rötungen oder Druckstellen
Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle können auf eine Polyneuropathie hinweisen.
Wie kann Physiotherapie unterstützen?
Physiotherapie behandelt nicht den Diabetes selbst und ersetzt keine diabetologische Betreuung. Sie kann jedoch dabei helfen, körperliche Einschränkungen und mögliche Folgeprobleme gezielt anzugehen.
Je nach Befund können Bestandteile der Behandlung sein:
- Aufbau von Kraft und Ausdauer
- Verbesserung von Beweglichkeit und Gleichgewicht
- Gangschulung und Sturzprophylaxe
- Übungen für Füße und Sprunggelenke
- angepasstes Training bei Polyneuropathie
- Unterstützung nach Operationen oder längerer Inaktivität
- Entwicklung eines umsetzbaren Bewegungsprogramms
Die Behandlung wird an Ihre Belastbarkeit, Begleiterkrankungen und persönlichen Ziele angepasst.
Häufige Fragen zu Diabetes und Bewegung
Kann Bewegung den Blutzucker senken?
Körperliche Aktivität kann die Glukoseaufnahme der Muskulatur und die Insulinwirkung unterstützen. Die unmittelbare Reaktion des Blutzuckers hängt jedoch von der Belastung, der Ernährung, der Medikation und der Diabetesform ab.
Darf ich mit Insulin Sport treiben?
Grundsätzlich ja. Insulinmenge, Mahlzeiten, Belastung und Blutzuckerkontrollen müssen jedoch individuell abgestimmt werden. Besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Diabetesteam.
Was sollte ich vor der Physiotherapie mitteilen?
Informieren Sie uns über Ihre Diabetesform, Medikamente, Insulintherapie, bisherige Unterzuckerungen sowie bekannte Nerven-, Augen-, Nieren- oder Fußprobleme. Bringen Sie bei Bedarf Traubenzucker und Ihr Messsystem mit.
Ist Diabetes Typ 2 heilbar?
Bei einigen Menschen kann durch eine deutliche und längerfristige Veränderung von Gewicht, Ernährung und Bewegung eine Remission erreicht werden. Das bedeutet, dass die Blutzuckerwerte zeitweise ohne Medikamente im Zielbereich liegen. Eine dauerhafte Heilung kann daraus nicht abgeleitet werden.
Benötige ich für Physiotherapie eine Verordnung?
Für eine physiotherapeutische Behandlung zulasten der gesetzlichen Krankenkasse benötigen Sie eine ärztliche Heilmittelverordnung. Private und selbst bezahlte Leistungen richten sich nach der jeweiligen Vereinbarung.
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Quellen und weiterführende Informationen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes
- Gesund.bund.de: Diabetes Typ 2
- Diabinfo: Bewegung bei Diabetes Typ 2
- Diabinfo: Unterzuckerung
- Diabinfo: Füße bei Diabetes
- AWMF: Diabetische Netzhautkomplikationen
Medizinisch-fachliche Prüfung
Fachlich geprüft von Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin
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Zuletzt aktualisiert: Juli 2026