Oberschenkelhalsfraktur
Eine Oberschenkelhalsfraktur, auch Oberschenkelhalsbruch oder Schenkelhalsfraktur genannt, ist ein Knochenbruch unmittelbar unterhalb des Hüftkopfes. Besonders häufig sind ältere Menschen nach einem Sturz betroffen. Bei verminderter Knochenfestigkeit kann bereits ein vergleichsweise leichter Sturz ausreichen.
Typische Hinweise sind Schmerzen in Hüfte oder Leiste, eine eingeschränkte Belastbarkeit und ein nach außen gedrehtes oder verkürzt wirkendes Bein. Die Beschwerden können jedoch unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Betroffene können trotz eines nicht verschobenen Bruches noch stehen oder wenige Schritte gehen.
Eine Oberschenkelhalsfraktur muss zeitnah ärztlich behandelt werden. Nach der Akutversorgung unterstützt die Physiotherapie dabei, wieder sicher aufzustehen, zu gehen und möglichst viel Selbstständigkeit im Alltag zurückzugewinnen.
Was ist eine Oberschenkelhalsfraktur?
Der Oberschenkelknochen besteht aus dem langen Knochenschaft und dem Hüftkopf, der gemeinsam mit der Hüftpfanne das Hüftgelenk bildet. Zwischen Hüftkopf und Knochenschaft befindet sich der Oberschenkelhals.
Verläuft der Bruch durch diesen Bereich, liegt eine Oberschenkelhalsfraktur vor. Sie gehört zu den hüftgelenknahen Frakturen des Oberschenkelknochens.
Von ihr zu unterscheiden sind Brüche, die weiter unterhalb durch oder unterhalb der beiden Rollhügel verlaufen. Die genaue Lage, Stabilität und Verschiebung des Bruches beeinflussen die Behandlung und den anschließenden Rehabilitationsverlauf.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei älteren Menschen entsteht eine Oberschenkelhalsfraktur häufig durch einen Sturz aus dem Stand oder aus geringer Höhe. Ist die Knochenfestigkeit durch eine Osteoporose vermindert, kann bereits eine geringe Krafteinwirkung zu einem Bruch führen.
Bei jüngeren Menschen ist meistens eine stärkere Gewalteinwirkung erforderlich, beispielsweise bei einem Verkehrsunfall, einem Sturz aus größerer Höhe oder einer Sportverletzung.
Mögliche Risikofaktoren sind:
- höheres Lebensalter
- Osteoporose oder verminderte Knochendichte
- bereits vorausgegangene Knochenbrüche
- Muskel- und Kraftverlust
- Gleichgewichts- oder Gangstörungen
- neurologische Erkrankungen
- Sehbeeinträchtigungen
- Schwindel oder Kreislaufprobleme
- Medikamente, die Müdigkeit, Schwindel oder Gangunsicherheit begünstigen
- ungeeignetes Schuhwerk
- Stolperstellen und schlechte Beleuchtung in der Wohnung
- selten eine krankhafte Veränderung des Knochens oder eine Stressfraktur
Nach einem Knochenbruch durch einen geringfügigen Sturz sollte das persönliche Osteoporose- und Sturzrisiko ärztlich beurteilt werden.
Typische Symptome
Mögliche Anzeichen einer Oberschenkelhalsfraktur sind:
- starke Schmerzen in Hüfte oder Leiste
- Schmerzen an der Außenseite der Hüfte
- Ausstrahlung in den Oberschenkel oder bis zum Knie
- Schmerzen bei Bewegung oder Belastung
- eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte
- Unfähigkeit, aufzustehen oder das Bein zu belasten
- ein nach außen gedrehtes Bein
- ein verkürzt wirkendes Bein
- Schwellung oder Bluterguss
- Druckschmerz im Hüftbereich
Nicht jeder Bruch verursacht sofort eine auffällige Fehlstellung. Besonders bei einem eingestauchten oder nicht verschobenen Bruch können die Schmerzen geringer sein. Auch die Fähigkeit, noch zu stehen oder zu gehen, schließt eine Fraktur nicht sicher aus.
Was ist nach einem Sturz zu tun?
Besteht nach einem Sturz der Verdacht auf eine Oberschenkelhalsfraktur, sollte das betroffene Bein nicht weiter belastet werden.
Bis medizinische Hilfe eintrifft:
- die betroffene Person möglichst nicht aufstehen lassen
- das Bein in der vorgefundenen Position belassen
- nicht versuchen, eine Fehlstellung zu korrigieren
- unnötige Bewegungen vermeiden
- die betroffene Person warm halten und beruhigen
- bei starken Schmerzen, einer Fehlstellung oder fehlender Belastbarkeit den Notruf 112 wählen
Auch anhaltende Hüft-, Leisten- oder Knieschmerzen nach einem Sturz sollten zeitnah ärztlich untersucht werden, selbst wenn das Gehen noch möglich ist.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die ärztliche Untersuchung berücksichtigt den Unfallhergang, die Beschwerden und mögliche Vorerkrankungen. Beurteilt werden unter anderem:
- Lage und Stärke der Schmerzen
- Stellung des Beines
- Beweglichkeit der Hüfte
- Belastbarkeit
- Schwellungen und Blutergüsse
- Durchblutung und Nervenfunktion
- mögliche weitere Verletzungen
Röntgenaufnahmen des Beckens und der Hüfte zeigen in den meisten Fällen Lage und Ausmaß des Bruches. Bleibt der Verdacht trotz unauffälligem Röntgenbild bestehen, können eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie erforderlich sein.
Wie wird eine Oberschenkelhalsfraktur behandelt?
Die meisten Oberschenkelhalsfrakturen werden operiert. Die Versorgung erfolgt möglichst früh, sobald der allgemeine Gesundheitszustand dies erlaubt.
Die Wahl des Verfahrens hängt unter anderem ab von:
- Lage und Verschiebung des Bruches
- Stabilität der Fraktur
- Durchblutung des Hüftkopfes
- Knochenqualität
- Alter und allgemeinem Gesundheitszustand
- Beweglichkeit vor dem Unfall
- Begleiterkrankungen
- persönlichen Behandlungszielen
Hüftkopferhaltende Operation
Bei einer Osteosynthese werden die Bruchstücke ausgerichtet und mit Schrauben, Platten oder anderen Implantaten stabilisiert. Der eigene Hüftkopf bleibt dabei erhalten.
Dieses Verfahren kommt insbesondere bei jüngeren Menschen sowie bei bestimmten stabilen oder wenig verschobenen Frakturen infrage.
Gelenkersetzende Operation
Bei verschobenen Frakturen kann vor allem bei älteren Menschen ein Gelenkersatz erforderlich sein.
Möglich sind:
- eine Teilprothese, bei der Hüftkopf und Oberschenkelhals ersetzt werden
- eine Totalendoprothese, bei der zusätzlich die Hüftpfanne ersetzt wird
Weitere Informationen zur Rehabilitation nach einem vollständigen Gelenkersatz finden Sie auf unserer Seite zur Hüft-TEP.
Behandlung ohne Operation
Eine nicht operative Behandlung kommt nur in ausgewählten Situationen infrage, beispielsweise bei bestimmten stabilen Frakturen oder wenn eine Operation aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.
Die Entscheidung wird individuell durch das behandelnde unfallchirurgische Team getroffen. Eine längere Bettlägerigkeit soll möglichst vermieden werden, da sie das Risiko für Kraftverlust, Thrombosen, Druckstellen und weitere Komplikationen erhöht.
Die erste Zeit nach der Operation
Die Mobilisation beginnt normalerweise bereits im Krankenhaus. Sofern keine medizinischen oder operativen Gründe dagegensprechen, werden viele Betroffene schon am Tag nach der Operation physiotherapeutisch angeleitet.
Zu den ersten Schritten können gehören:
- Lagewechsel im Bett
- Aufsetzen an die Bettkante
- sicheres Aufstehen und Hinsetzen
- Stehen mit geeigneter Unterstützung
- erste Schritte mit einem Rollator oder Unterarmgehstützen
- Übungen zur Aktivierung der Beinmuskulatur
- Bewegungen zur Unterstützung des Kreislaufs
- Anleitung für sichere Transfers und Alltagsbewegungen
Wie schnell die Mobilisation gesteigert werden kann, hängt vom Operationsverfahren, dem Allgemeinzustand und den ärztlichen Vorgaben ab.
Wie kann Physiotherapie helfen?
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kann sich eine stationäre, ambulante oder geriatrische Rehabilitation anschließen. Danach lässt sich die physiotherapeutische Behandlung bei Bedarf ambulant fortsetzen.
Zu Beginn beurteilen wir unter anderem:
- Schmerzen und Schwellungen
- Beweglichkeit von Hüfte und Knie
- Kraft der Hüft-, Bein- und Rumpfmuskulatur
- Sicherheit beim Aufstehen und Hinsetzen
- Gleichgewicht und Standkontrolle
- Gangbild und Umgang mit Gehhilfen
- Belastbarkeit beim Treppensteigen
- Kreislauf und allgemeine körperliche Belastbarkeit
- persönliche Anforderungen in der Wohnung und im Alltag
Auf dieser Grundlage entwickeln wir einen individuellen Behandlungsplan.
Damit die ambulante Physiotherapie möglichst ohne unnötige Verzögerung beginnen kann, sollten die Termine frühzeitig organisiert werden – möglichst bereits während des Krankenhaus- oder Rehabilitationsaufenthaltes. Sie müssen dafür nicht unbedingt warten, bis Ihnen die Verordnung vorliegt. Welche Angaben und Unterlagen bei der Planung hilfreich sind, erklären wir in unserer Podcastfolge Der perfekte Patient – gut vorbereitet zur Physiotherapie.
Ziele der physiotherapeutischen Behandlung
Mögliche Behandlungsschwerpunkte sind:
- sicheres Aufstehen und Hinsetzen
- selbstständige Positionswechsel
- Gehen mit einem geeigneten Hilfsmittel
- Verbesserung der Hüft- und Kniebeweglichkeit
- Aktivierung und Kräftigung der Beinmuskulatur
- Verbesserung von Gleichgewicht und Koordination
- Gangschulung
- sicheres Drehen und Wechseln der Gehrichtung
- Training des Treppensteigens
- Verbesserung von Kraft und Ausdauer
- Training alltäglicher Bewegungsabläufe
- Verringerung des Sturzrisikos
- schrittweise Rückkehr zu gewohnten Aktivitäten
- ein individuell angepasstes Eigenübungsprogramm
Später kann abhängig vom Heilungsverlauf auch ein gezieltes Training an Geräten eingesetzt werden.
Wie stark darf das Bein belastet werden?
Die erlaubte Belastung wird vom operierenden Team festgelegt und sollte im Entlassungsbericht vermerkt sein.
Viele operative Versorgungen ermöglichen eine frühe Belastung nach Maßgabe der Beschwerden. Nach bestimmten Frakturen, Osteosynthesen oder bei eingeschränkter Knochenqualität können jedoch vorübergehend andere Vorgaben gelten.
Bitte klären Sie vor Beginn der ambulanten Physiotherapie:
- ob eine Voll-, Teil- oder Entlastung vorgesehen ist
- wie lange Gehhilfen verwendet werden sollen
- ob bestimmte Bewegungen vermieden werden müssen
- ob besondere Vorsichtsmaßnahmen nach einer Hüftprothese gelten
- wann Kontrolluntersuchungen vorgesehen sind
Allgemeine Bewegungsvorgaben aus dem Internet sollten nicht ungeprüft übernommen werden. Entscheidend sind der Operationsbericht, der Heilungsverlauf und die individuelle Freigabe.
Welche Übungen sind geeignet?
Nach einer Oberschenkelhalsfraktur gibt es kein einheitliches Übungsprogramm für alle Betroffenen. Übungen werden an die Versorgung, die erlaubte Belastung und den aktuellen Funktionsstand angepasst.
Je nach Rehabilitationsphase können dazugehören:
- Bewegungen der Füße und Sprunggelenke
- Aktivierung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur
- kontrollierte Bewegung von Knie und Hüfte
- Aufstehen und Hinsetzen
- Gewichtsverlagerungen im Stand
- Gangtraining mit Hilfsmitteln
- Übungen für Gleichgewicht und Standkontrolle
- funktionelle Kräftigungsübungen
- Training von Stufen und Treppen
- später angepasstes Ausdauer- und Gerätetraining
Radfahren, Kniebeugen oder Ausfallschritte sind nicht automatisch für jede Phase geeignet. Sie sollten erst eingesetzt werden, wenn die Frakturversorgung, Kraft und Bewegungskontrolle diese Belastung erlauben.
Was können Sie selbst zur Rehabilitation beitragen?
Hilfreich sind:
- Entlassungsbericht und Belastungsvorgaben zur Physiotherapie mitbringen
- Gehhilfen so lange nutzen, wie sie für ein sicheres Gangbild erforderlich sind
- vereinbarte Übungen regelmäßig und dosiert durchführen
- mehrere kurze statt einer sehr langen Gehstrecke wählen
- Belastungen schrittweise steigern
- auf ausreichend Erholung achten
- festes und rutschhemmendes Schuhwerk tragen
- Stolperstellen in der Wohnung beseitigen
- Wunde, Schwellung und Beschwerden beobachten
- verordnete Medikamente und Thromboseprophylaxe nach ärztlicher Anweisung anwenden
- Schmerzen nicht durch eigenmächtige Änderungen der Medikamente behandeln
Allgemeine Informationen zum verantwortungsvollen Umgang mit schmerzlindernden Medikamenten finden Sie in unserem Blogbeitrag Einsatz von Schmerzmitteln.
Vergleichen Sie Ihren Verlauf möglichst nicht mit dem anderer Menschen. Alter, Fraktur, Operationsverfahren, Begleiterkrankungen und die körperliche Ausgangssituation können sehr unterschiedlich sein.
Osteoporose und Vorbeugung weiterer Stürze
Eine Oberschenkelhalsfraktur nach einem geringfügigen Sturz kann eine sogenannte Fragilitätsfraktur sein. Sie sollte Anlass sein, die Knochengesundheit und das persönliche Risiko für weitere Frakturen ärztlich untersuchen zu lassen.
Zur Vorbeugung weiterer Stürze können abhängig vom individuellen Befund beitragen:
- gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining
- Überprüfung der Gehhilfen
- Beseitigung von Stolperstellen
- ausreichende Beleuchtung
- rutschhemmendes Schuhwerk
- Kontrolle der Sehfähigkeit
- ärztliche Überprüfung von Medikamenten, die Schwindel oder Müdigkeit verursachen können
- Behandlung von Kreislauf- oder Gleichgewichtsstörungen
- ärztliche Osteoporosediagnostik und gegebenenfalls Behandlung
Medikamente sowie Calcium- oder Vitamin-D-Präparate sollten nicht pauschal, sondern nach fachlicher Beurteilung eingesetzt werden.
Wann ist eine ärztliche Abklärung notwendig?
Nach einer Operation können Schmerzen, Blutergüsse und Schwellungen zunächst zum normalen Heilungsverlauf gehören. Bestimmte Veränderungen müssen jedoch rasch medizinisch abgeklärt werden.
Wenden Sie sich an das behandelnde Krankenhaus oder Ihre ärztliche Praxis bei:
- zunehmender Rötung oder Überwärmung der Operationswunde
- austretender Flüssigkeit oder Blutung aus der Wunde
- Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl
- plötzlich zunehmenden Hüft- oder Leistenschmerzen
- einem erneuten Sturz
- einer neuen Fehlstellung oder Verkürzung des Beines
- plötzlich fehlender Belastbarkeit
- deutlicher Schwellung eines Beines
- Schmerzen oder Druckgefühl in der Wade
- neu auftretendem Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Kraftverlust
- ungewöhnlicher Verwirrtheit oder starker Benommenheit
Bei plötzlich auftretender Atemnot, Brustschmerzen, Kreislaufproblemen oder Bewusstseinsstörungen muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Physiotherapie als Hausbesuch
Wenn Sie unsere Praxis nach dem Krankenhausaufenthalt aus medizinischen Gründen noch nicht aufsuchen können, kann die Behandlung gegebenenfalls als Hausbesuch erfolgen.
Damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss der Hausbesuch auf der ärztlichen Heilmittelverordnung eingetragen sein.
Weitere Informationen finden Sie unter Physiotherapie als Hausbesuch in Leipzig.
Unser Ziel
Unser Ziel ist es, Sie dabei zu unterstützen, wieder möglichst sicher und selbstständig am Alltag teilzunehmen.
Gemeinsam arbeiten wir daran:
- Beweglichkeit und Kraft schrittweise aufzubauen
- ein sicheres Gangbild zu entwickeln
- Gehhilfen richtig einzusetzen
- Treppen und Alltagswege zu bewältigen
- Unsicherheit und Sturzangst zu verringern
- Gleichgewicht und körperliche Belastbarkeit zu verbessern
- die Rückkehr in Haushalt, Freizeit und persönliche Aktivitäten vorzubereiten
Die Behandlung wird regelmäßig an Ihren Heilungsverlauf, die ärztlichen Vorgaben und Ihre persönlichen Ziele angepasst.
Termin zur physiotherapeutischen Behandlung vereinbaren
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Rehabilitation nach einer Oberschenkelhalsfraktur?
Die Dauer ist sehr unterschiedlich. Erste alltägliche Bewegungen werden häufig schon im Krankenhaus trainiert. Bis Kraft, Gleichgewicht und sicheres Gehen wieder aufgebaut sind, können mehrere Wochen oder Monate vergehen.
Frakturtyp, Operation, Alter, Begleiterkrankungen und die Beweglichkeit vor dem Unfall beeinflussen den Verlauf.
Wie lange werden Gehstützen oder ein Rollator benötigt?
Gehhilfen sollten nicht allein nach einem festen Kalender reduziert werden. Entscheidend sind die erlaubte Belastung, Kraft, Gleichgewicht, Gangbild und Sturzsicherheit.
Ein sicheres Gehen mit Hilfsmittel ist besser als ein unsicheres Gehen ohne Unterstützung.
Wird bei jeder Oberschenkelhalsfraktur ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt?
Nein. Abhängig von Alter, Frakturform und Knochenqualität kann der eigene Hüftkopf durch Schrauben oder andere Implantate erhalten werden.
Bei bestimmten verschobenen Frakturen ist vor allem bei älteren Menschen eine Teil- oder Totalprothese häufig die geeignetere Versorgung.
Kann ich nach dem Bruch wieder selbstständig gehen?
Viele Betroffene gewinnen einen großen Teil ihrer Mobilität zurück. Eine Garantie für die vollständige Wiederherstellung des früheren Zustands gibt es jedoch nicht.
Die Aussichten hängen unter anderem von der Beweglichkeit vor dem Unfall, dem allgemeinen Gesundheitszustand, der Frakturversorgung und möglichen Komplikationen ab.
Ist nach dem Krankenhaus immer eine stationäre Rehabilitation notwendig?
Nicht immer. Abhängig von der Selbstständigkeit, der häuslichen Situation und dem medizinischen Unterstützungsbedarf kommen eine stationäre, ambulante oder geriatrische Rehabilitation sowie eine Behandlung zu Hause infrage.
Die weitere Versorgung sollte bereits während des Krankenhausaufenthaltes geplant werden.
Wann darf ich wieder Auto fahren?
Sie müssen das Fahrzeug sicher kontrollieren sowie schnell und kräftig bremsen können. Gehhilfen, Schmerzen oder beeinträchtigende Medikamente dürfen die Fahrtüchtigkeit nicht einschränken.
Der geeignete Zeitpunkt sollte ärztlich geklärt werden. Zusätzlich können Vorgaben der Versicherung eine Rolle spielen.
Wann sind Radfahren oder andere sportliche Aktivitäten wieder möglich?
Das hängt von der Fraktur, der Operation und dem individuellen Fortschritt ab. Ein Fahrradergometer kann nach entsprechender Freigabe häufig früher möglich sein als Radfahren im Straßenverkehr.
Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, hoher Stoßbelastung oder Sturzgefahr benötigen einen sorgfältigen und schrittweisen Aufbau.
Was sollte ich zum ersten Physiotherapietermin mitbringen?
Hilfreich sind:
- die Heilmittelverordnung
- der Entlassungsbericht
- der Operationsbericht, sofern vorhanden
- Angaben zur erlaubten Belastung
- vorhandene Bewegungsvorgaben
- verwendete Gehhilfen
- eine aktuelle Medikamentenliste bei relevanten Begleiterkrankungen
Benötige ich ein Rezept für die Physiotherapie?
Für eine physiotherapeutische Behandlung auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse benötigen Sie eine ärztliche Heilmittelverordnung. Ein medizinisch erforderlicher Hausbesuch muss zusätzlich auf der Verordnung eingetragen sein.
Wissenschaftliche Grundlage
Aktuelle Empfehlungen betonen eine möglichst frühe operative Versorgung hüftgelenknaher Frakturen sowie eine interdisziplinäre Behandlung. Sofern keine medizinischen oder operativen Gründe dagegensprechen, soll die Mobilisation früh beginnen.
Nach vielen Operationen wird eine frühe Belastung angestrebt. Die konkrete Belastungsfreigabe muss dennoch immer anhand des Frakturtyps, der Stabilisierung und der ärztlichen Vorgaben festgelegt werden.
Zur Nachbehandlung gehören neben der Wiederherstellung der Mobilität auch die Beurteilung der Knochengesundheit und Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Stürze und Frakturen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie zur Versorgung der hüftgelenknahen Femurfraktur
- NICE: Hip fracture – management
- American Academy of Orthopaedic Surgeons: Management of Hip Fractures in Older Adults
- JOSPT: Physical Therapy Management of Older Adults With Hip Fracture
- Dachverband Osteologie: S3-Leitlinie zur Osteoporose
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Oberschenkelhalsbruch
Über die Autorin
Ines Beger ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktikerin in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Seit mehr als 24 Jahren begleitet sie Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparates und funktionellen Einschränkungen. Zu ihren Schwerpunkten gehören individuell abgestimmte physiotherapeutische Behandlungskonzepte, Manuelle Therapie, Osteopathie und aktive Bewegungstherapie.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder Beratung.
Zuletzt aktualisiert: August 2026