Der Gundermann, auch Gundelrebe genannt, gehört zu den traditionsreichsten Wildkräutern Europas. Bereits die Germanen und später die Klostermedizin schätzten ihn als Heil- und Gewürzpflanze. Mit seinen kriechenden Ausläufern und den violettblauen Blüten wächst er häufig an Waldrändern, Hecken, Wiesen und in Gärten. Heute spielt der Gundermann in der wissenschaftlich anerkannten Phytotherapie nur noch eine
untergeordnete Rolle. In der Volksheilkunde wird er jedoch weiterhin traditionell zur Unterstützung der Atemwege, der Verdauung sowie bei kleineren Hautverletzungen eingesetzt. Experimentelle Untersuchungen weisen auf entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften hin, klinische Studien am Menschen sind bislang jedoch begrenzt.
Steckbrief
Botanischer Name: Glechoma hederacea
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Blütezeit: März bis Juni
Verwendete Pflanzenteile: Blühendes Kraut
Anwendungsformen: Tee, Tinktur, Umschläge, Frischpflanze
Hauptwirkungen (traditionell): entzündungshemmend, schleimlösend, adstringierend, verdauungsfördernd
Das Wesen der Pflanze
Der Gundermann gilt seit Jahrhunderten als Pflanze der Reinigung und Regeneration. Sein deutscher Name leitet sich vermutlich vom althochdeutschen Wort „Gund“ für Eiter oder Wunde ab und verweist auf seine frühere Verwendung bei entzündlichen Hautveränderungen.
In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt. Er galt als Heilpflanze für Atemwege, Verdauung und Haut und wurde häufig als Bestandteil der sogenannten Gründonnerstagssuppe verwendet.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Das Kraut enthält zahlreiche biologisch aktive Pflanzenstoffe, darunter:
- Flavonoide
- Rosmarinsäure
- Gerbstoffe
- ätherisches Öl
- Bitterstoffe
- Saponine
Diese Inhaltsstoffe verleihen dem Gundermann seine charakteristischen Eigenschaften:
- antioxidativ
- entzündungshemmend
- adstringierend
- schleimlösend
- leicht verdauungsfördernd
Traditionell wird Gundermann angewendet bei:
- Husten
- Bronchitis
- leichten Verdauungsbeschwerden
- kleineren Hautverletzungen
- schlecht heilenden Wunden
- Frühjahrskuren
Diese Anwendungen beruhen überwiegend auf der europäischen Volksmedizin.
Anwendung
Gundermann kann innerlich und äußerlich angewendet werden.
Geeignet sind:
- Tee
- Tinkturen
- Umschläge
- Frischpflanzensaft
Teezubereitung:
1–2 Teelöffel getrocknetes Kraut mit etwa 250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.
Was sagt die Wissenschaft?
Der Gundermann besitzt eine lange Tradition als Heilpflanze. Experimentelle Studien konnten antioxidative, antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften verschiedener Inhaltsstoffe nachweisen. Hochwertige klinische Studien am Menschen liegen bislang jedoch nur in begrenztem Umfang vor. Deshalb existiert derzeit keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) oder der ESCOP zur medizinischen Anwendung des Gundermanns. Seine heutige Verwendung stützt sich daher überwiegend auf die langjährige volksheilkundliche Erfahrung.
Quellen
Die Angaben zu Inhaltsstoffen, Wirkung und traditioneller Anwendung beruhen auf folgenden wissenschaftlichen Grundlagen:
- Aktuelle phytochemische und pharmakologische Übersichtsarbeiten
- Veröffentlichungen zur traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde
- Europäisches Arzneibuch (botanische Qualitätsstandards)
- Wissenschaftliche Fachliteratur zur Phytotherapie
Unsere physiotherapeutische Einordnung
Der Gundermann gehört heute nicht zu den klassischen Heilpflanzen der modernen Physiotherapie. Dennoch zeigen viele traditionelle Heilpflanzen, wie eng Bewegung, Regeneration und natürliche Pflanzenstoffe miteinander verbunden sein können.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes können ausgewählte Heilpflanzen eine sinnvolle Ergänzung zu Bewegung, manueller Therapie und einem gesunden Lebensstil darstellen. Die Grundlage jeder physiotherapeutischen Behandlung bleiben jedoch individuell angepasste Übungen und aktive Therapie.
Verwechslungsgefahr
Der Gundermann lässt sich an seinen rundlichen, gekerbten Blättern, den vierkantigen kriechenden Stängeln und den blauvioletten Lippenblüten gut erkennen.
Verwechslungen mit anderen Lippenblütlern wie Günsel oder Taubnesseln sind möglich, jedoch für geübte Sammler meist leicht zu vermeiden. Beim Sammeln sollte ausschließlich der sicher bestimmte Gundermann verwendet werden.
Wissenswertes
Bevor sich der Hopfen beim Bierbrauen durchsetzte, wurde Gundermann wegen seiner Bitterstoffe und ätherischen Öle als Würz- und Konservierungspflanze verwendet. Auch in der Küche finden die jungen Blätter bis heute Verwendung, beispielsweise in Kräuterbutter, Salaten oder der traditionellen Gründonnerstagssuppe.
Hinweise zur Anwendung
Gundermann sollte nicht angewendet werden:
- bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Lippenblütler
- während Schwangerschaft und Stillzeit ohne ärztliche Rücksprache
- bei länger anhaltenden oder unklaren Beschwerden ohne medizinische Abklärung
Bei schweren Atemwegs- oder Hauterkrankungen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Fazit
Der Gundermann zählt zu den traditionsreichen Heilpflanzen der europäischen Volksmedizin. Seine entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften werden durch experimentelle Untersuchungen unterstützt, während hochwertige klinische Studien bislang nur begrenzt verfügbar sind. Deshalb beruht seine heutige Anwendung vor allem auf langjähriger Erfahrung und traditioneller Nutzung.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes können Heilpflanzen wie der Gundermann das Wohlbefinden unterstützen. Eine aktive Lebensweise, gezielte Bewegung und physiotherapeutische Maßnahmen bleiben jedoch die wichtigsten Bausteine für Gesundheit und Regeneration.