Die Beinwellwurzel gehört zu den traditionsreichsten Heilpflanzen Europas und wird seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde eingesetzt. Bereits ihr botanischer Name Symphytum leitet sich vom griechischen Wort für „zusammenwachsen“ ab und weist auf ihre traditionelle Verwendung zur Unterstützung der Heilung von Knochen- und Gewebeverletzungen hin. Heute findet Beinwell vor allem in der modernen Phytotherapie
Anwendung. Äußerlich angewendet hat er sich insbesondere bei Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden bewährt. Salben, Cremes und Gele mit Beinwellextrakt gehören deshalb zu den bewährten pflanzlichen Arzneimitteln bei Beschwerden des Bewegungsapparates.
Steckbrief
Botanischer Name: Symphytum officinale
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Blütezeit: Mai bis August
Verwendeter Pflanzenteil: Wurzel
Anwendungsformen: Salben, Cremes, Gele, Umschläge
Hauptwirkungen: entzündungshemmend, schmerzlindernd, abschwellend, regenerationsfördernd
Das Wesen der Pflanze
Beinwell gilt seit Jahrhunderten als Heilpflanze der Regeneration. Seine besondere Stärke liegt in der Unterstützung natürlicher Heilungsprozesse nach Verletzungen des Bewegungsapparates. Traditionell wurde er bei Knochenbrüchen, Verstauchungen, Prellungen und Sehnenverletzungen eingesetzt.
In der Pflanzenheilkunde steht Beinwell sinnbildlich für Heilung, Zusammenwachsen und Wiederherstellung. Seine Wirkung richtet sich nicht allein gegen Schmerzen, sondern unterstützt den Körper dabei, verletztes Gewebe zu regenerieren und die natürliche Funktion wiederherzustellen.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Die Beinwellwurzel enthält zahlreiche biologisch aktive Pflanzenstoffe, darunter:
- Allantoin
- Rosmarinsäure
- Schleimstoffe
- Gerbstoffe
- Triterpene
Diese Inhaltsstoffe verleihen der Heilpflanze ihre charakteristischen Eigenschaften:
- entzündungshemmend
- abschwellend
- schmerzlindernd
- regenerationsfördernd
- unterstützend bei der Gewebeneubildung
Traditionell wird Beinwell äußerlich angewendet bei:
- Prellungen
- Verstauchungen
- Zerrungen
- Muskelverletzungen
- Sehnenreizungen
- Gelenkbeschwerden
- Rückenschmerzen
- Arthrosebeschwerden
Anwendung
Beinwell wird ausschließlich äußerlich angewendet.
Geeignet sind:
- Salben
- Cremes
- Gele
- Umschläge
Die Präparate werden je nach Herstellerangaben mehrmals täglich dünn auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen.
Wichtig: Beinwell darf nicht auf offene Wunden oder verletzte Haut aufgebracht werden.
Von einer innerlichen Anwendung wird heute aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide ausdrücklich abgeraten.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Beinwellwurzel zählt zu den wissenschaftlich gut untersuchten Heilpflanzen bei Beschwerden des Bewegungsapparates.
Mehrere klinische Studien konnten zeigen, dass standardisierte Beinwellpräparate Schmerzen reduzieren, Schwellungen verringern und die Beweglichkeit beispielsweise bei Sprunggelenksverstauchungen, Prellungen, Rückenschmerzen oder Kniearthrose verbessern können.
Für die äußerliche Anwendung werden heute ausschließlich PA-arme beziehungsweise PA-freie Fertigpräparate empfohlen, deren Sicherheit in klinischen Untersuchungen bestätigt wurde.
Quellen
Diese Heilpflanze ist Bestandteil der europäischen Phytotherapie. Die Angaben zu Anwendung, Wirkung und Sicherheit beruhen auf folgenden wissenschaftlichen Grundlagen:
- EMA / HMPC Monographien (European Medicines Agency)
- ESCOP Monographien (European Scientific Cooperative on Phytotherapy)
- Kommission E (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM)
- Europäisches Arzneibuch (European Pharmacopoeia, Ph. Eur.)
Unsere physiotherapeutische Einordnung
In der Physiotherapie behandeln wir täglich Menschen mit Verstauchungen, Muskelverletzungen, Sehnenreizungen oder Gelenkbeschwerden.
Beinwellpräparate können in der akuten und subakuten Phase eine sinnvolle Ergänzung darstellen, um Schmerzen und Schwellungen zu reduzieren und die Regeneration zu unterstützen. Die Grundlage einer nachhaltigen Behandlung bilden jedoch gezielte Bewegung, manuelle Therapie, Lymphdrainage sowie individuell abgestimmte Übungen.
Heilpflanzen und Physiotherapie verfolgen dabei dasselbe Ziel: die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers bestmöglich zu fördern.
Verwechslungsgefahr
Vor der Blüte kann Beinwell mit dem Roten Fingerhut verwechselt werden.
Ein einfaches Unterscheidungsmerkmal sind die Blätter: Während sich die Blätter des Fingerhuts weich und samtig anfühlen, sind die Blätter des Beinwells deutlich rau und borstig behaart.
Während der Blüte sind die glockenförmigen, meist violetten bis rosafarbenen Blüten des Beinwells gut von den aufrechten Blütenständen des Fingerhuts zu unterscheiden.
Wissenswertes
Bereits im Mittelalter wurde Beinwell zur Behandlung von Knochenbrüchen eingesetzt. Daher stammt auch der deutsche Name „Beinwell“, der sich vom „Zusammenwachsen der Gebeine“ ableitet.
Heute wird Beinwell überwiegend in standardisierten Arzneimitteln verwendet. Moderne Präparate enthalten nur noch sehr geringe oder keine nachweisbaren Pyrrolizidinalkaloide und erfüllen hohe Qualitätsstandards.
Hinweise zur Anwendung
Beinwell sollte nicht angewendet werden:
- auf offenen Wunden
- auf geschädigter Haut
- in Schwangerschaft und Stillzeit ohne ärztliche Rücksprache
- bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Präparates
- innerlich
Treten Hautreizungen oder allergische Reaktionen auf, sollte die Anwendung beendet werden.
Fazit
Die Beinwellwurzel zählt zu den wichtigsten Heilpflanzen der europäischen Phytotherapie bei Verletzungen und Beschwerden des Bewegungsapparates. Ihre entzündungshemmenden, schmerzlindernden und regenerationsfördernden Eigenschaften sind wissenschaftlich gut untersucht und machen sie zu einer wertvollen Unterstützung bei Prellungen, Verstauchungen, Muskelverletzungen sowie Gelenkbeschwerden.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes ergänzt Beinwell die physiotherapeutische Therapie sinnvoll. Gemeinsam fördern Bewegung, manuelle Therapie und ausgewählte Heilpflanzen die Regeneration und helfen dabei, die natürliche Funktion des Bewegungsapparates wiederherzustellen.