Der Echte Eibisch – auch Arznei-Eibisch genannt – gehört zu den klassischen Schleimstoffpflanzen der europäischen Pflanzenheilkunde. Seine weichen, samtigen Blätter und die blassrosa Blüten erinnern an andere Malvengewächse. Medizinisch besonders bedeutsam ist jedoch die Eibischwurzel. Die Wurzel enthält einen hohen Anteil an Schleimstoffen. In Verbindung mit Wasser bilden diese eine zähflüssige Lösung, die sich wie ein schützender Film auf gereizte
Schleimhäute legen kann.
Traditionell wird Eibischwurzel vor allem bei Reizungen im Mund- und Rachenraum mit trockenem Reizhusten sowie bei leichten Beschwerden von Magen und Darm eingesetzt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt diese Anwendungen aufgrund der langjährigen traditionellen Verwendung an.
Steckbrief
Botanischer Name: Althaea officinalis L.
Weitere Bezeichnungen: Echter Eibisch, Arznei-Eibisch
Arzneidroge: Althaeae radix – Eibischwurzel
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Blütezeit: etwa Juli bis September
Verwendeter Pflanzenteil: vor allem die getrocknete Wurzel
Anwendungsformen: Kaltauszug, Tee, Sirup, Lutschpräparate und pflanzliche Fertigpräparate
Traditionelle Anwendung: bei trockenem Reizhusten, gereiztem Mund- und Rachenraum sowie leichten Magen-Darm-Beschwerden
Das Wesen der Pflanze
In der traditionellen Pflanzenheilkunde steht der Eibisch für Schutz, Sanftheit und Beruhigung.
Schon das äußere Erscheinungsbild vermittelt etwas Weiches: Die Blätter fühlen sich samtig an, die Blüten wirken zurückhaltend und zart. Auch die traditionelle Anwendung folgt diesem Bild. Der Eibisch reizt nicht und regt nicht stark an, sondern wird dort eingesetzt, wo empfindliche oder trockene Schleimhäute Schutz benötigen.
Sinnbildlich steht die Pflanze für das Einhüllen und Besänftigen. Besonders bei Trockenheit, Kratzen oder einem wund empfundenen Hals wird Eibisch traditionell als milde und schützende Heilpflanze eingesetzt.
Diese Betrachtung des „Wesens“ der Pflanze stammt aus der traditionellen Pflanzenheilkunde und ist wissenschaftlich nicht belegt.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Die Eibischwurzel enthält insbesondere:
- Schleimstoffe,
- Polysaccharide,
- Pektine,
- Stärke,
- Flavonoide und
- weitere sekundäre Pflanzenstoffe.
Für die medizinische Verwendung sind vor allem die Schleimstoffe von Bedeutung.
Sie können mit Wasser eine viskose Lösung bilden, die sich auf gereizte Schleimhäute legt. Dadurch entsteht ein physikalischer Schutzfilm, der Reize vermindern kann.
Traditionell wird Eibischwurzel deshalb eingesetzt bei:
- trockenem Reizhusten,
- Kratzen und Reizungen im Hals,
- gereizter Mund- und Rachenschleimhaut sowie
- leichten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich.
Anwendung
Eine klassische Zubereitungsform ist der Kaltauszug.
Eibischwurzel als Kaltauszug
Zutaten
- zerkleinerte Eibischwurzel
- kaltes oder lauwarmes Wasser
Zubereitung
Die zerkleinerte Eibischwurzel mit kaltem Wasser übergießen und unter gelegentlichem Umrühren eine Zeit lang ziehen lassen. Anschließend abseihen.
Der Kaltauszug wird traditionell bevorzugt, weil sich die Schleimstoffe gut in Wasser lösen und für die Anwendung erhalten bleiben sollen.
Je nach Arzneimittel oder Zubereitungsform unterscheiden sich Dosierung und Anwendung. Bei Fertigpräparaten sollten deshalb die jeweiligen Herstellerangaben beziehungsweise die Packungsbeilage beachtet werden.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur bewertet Eibischwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel.
Sie erkennt die traditionelle Anwendung an:
- bei Reizungen im Mund- und Rachenraum mit damit verbundenem trockenem Husten sowie
- zur Linderung leichter Beschwerden von Magen und Darm.
Diese Bewertung beruht vor allem auf der langjährigen medizinischen Verwendung. Die EMA hat auch klinische Untersuchungen zu Eibischwurzelpräparaten berücksichtigt. Dazu gehören Beobachtungsstudien mit Kindern sowie eine kleinere Untersuchung bei Erwachsenen mit trockenem Husten. Aufgrund methodischer Einschränkungen reichen diese Daten jedoch nicht für einen eindeutigen modernen Wirksamkeitsnachweis aus.
Unsere phytotherapeutische Einordnung
Eibisch gehört zu den wichtigsten Schleimstoffpflanzen der Phytotherapie.
Besonders interessant ist die Pflanze, wenn trockene und gereizte Schleimhäute im Vordergrund stehen. Dazu zählen beispielsweise ein kratzender Hals oder trockener Reizhusten.
Im Gegensatz zu Heilpflanzen mit ätherischen Ölen wie Thymian oder Anis steht beim Eibisch nicht die Förderung des Abhustens von Schleim im Mittelpunkt. Seine traditionelle Stärke liegt vielmehr darin, gereizte Schleimhäute zu schützen und zu beruhigen.
Auch bei leichten Magen-Darm-Beschwerden wird Eibischwurzel traditionell eingesetzt.
Im Rahmen unserer Phytotherapie berücksichtigen wir neben der Auswahl der Heilpflanze auch Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, mögliche Wechselwirkungen sowie die geeignete Zubereitungsform.
Verwechslungsgefahr
Der Echte Eibisch gehört wie die Wilde Malve zur Familie der Malvengewächse. Die beiden Pflanzen sind jedoch botanisch nicht identisch.
Echter Eibisch: Althaea officinalis
Wilde Malve: Malva sylvestris
Für die medizinische Anwendung des Eibischs wird besonders die Wurzel genutzt.
Charakteristisch für die Pflanze sind:
- graugrüne bis silbrig wirkende, samtig behaarte Blätter,
- helle rosa bis weißlich-rosa Blüten und
- ein aufrechter, kräftiger Wuchs.
Für medizinische Zubereitungen empfiehlt sich geprüfte Arzneidroge aus Apotheke oder Fachhandel.
Wissenswertes
Der botanische Name Althaea geht auf einen griechischen Begriff zurück, der sinngemäß mit „heilen“ in Verbindung gebracht wird.
Die Pflanze bevorzugt eher feuchte Standorte und kann deutlich über einen Meter hoch werden.
Historisch war Eibisch nicht nur Heilpflanze. Aus zuckerhaltigen Zubereitungen mit Eibischwurzel entstanden Vorläufer der heutigen „Marshmallows“. Moderne Marshmallows enthalten allerdings normalerweise keinen Eibisch mehr.
Hinweise zur Anwendung
Eibischwurzel gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als gut verträglich. Zum Zeitpunkt der EMA-Bewertung waren keine charakteristischen Nebenwirkungen bekannt.
Für die Anwendung gelten dennoch einige Hinweise:
- Bei trockenem Husten und Reizungen im Hals sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, wenn die Beschwerden länger als etwa eine Woche bestehen oder sich verschlimmern.
- Bei Magen-Darm-Beschwerden sollte eine Abklärung erfolgen, wenn die Beschwerden länger als etwa zwei Wochen anhalten.
- Bei Atemnot, Fieber, eitrigem Auswurf oder deutlicher Verschlechterung ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
- Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor; eine medizinische Anwendung wird deshalb nicht allgemein empfohlen.
Die EMA sieht Eibischwurzel bei Reizungen von Mund und Rachen mit trockenem Husten grundsätzlich für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab drei Jahren vor. Für leichte Magen-Darm-Beschwerden ist die traditionelle Anwendung im Allgemeinen für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren vorgesehen.
Fazit
Der Echte Eibisch – Althaea officinalis – ist eine klassische Schleimstoffpflanze der europäischen Pflanzenheilkunde.
Besonders die Wurzel wird traditionell bei trockenem Reizhusten und gereizten Schleimhäuten von Mund und Rachen eingesetzt. Darüber hinaus besteht eine traditionelle Anwendung bei leichten Beschwerden des Magen-Darm-Traktes.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt diese Anwendungen aufgrund der langjährigen traditionellen Verwendung an. Die klinische Studienlage ist jedoch begrenzt, sodass Eibisch nicht als Ersatz für eine notwendige medizinische Diagnostik oder Behandlung verstanden werden sollte.
Ähnliche Heilpflanzen
Bei trockenem Husten und gereizten Schleimhäuten können – abhängig vom jeweiligen Beschwerdebild – auch andere Heilpflanzen interessant sein:
- Wilde Malve – Malva sylvestris – ebenfalls eine klassische Schleimstoffpflanze bei gereizten Schleimhäuten
- Königskerze – Verbascum thapsus – traditionell bei Husten und gereiztem Hals
- Thymian – Thymus vulgaris – traditionell insbesondere bei produktivem Husten
- Anis – Pimpinella anisum – traditionell unter anderem bei erkältungsbedingtem Husten
Während Eibisch und Malve besonders durch ihre Schleimstoffe gekennzeichnet sind, besitzen Thymian und Anis aufgrund ihrer ätherischen Öle einen anderen phytotherapeutischen Schwerpunkt.
Weitere Informationen
Weitere Pflanzenporträts finden Sie in unserem Heilpflanzenlexikon.
Informationen zur individuellen Anwendung von Heilpflanzen, möglichen Neben- und Wechselwirkungen sowie zu unserer Beratung erhalten Sie auf der Seite Phytotherapie.
Wissenschaftliche Grundlage:
European Medicines Agency – Althaeae radix / Althaea officinalis
Verantwortlich für den Inhalt
Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin · Pflanzenheilkunde
Qualifikationen und Fortbildungen von Ines Beger
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder phytotherapeutische Beratung. Auch pflanzliche Arzneimittel können Gegenanzeigen oder Wechselwirkungen haben. Bei anhaltenden, zunehmenden oder unklaren Beschwerden sowie in Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung ärztlich oder fachkundig abgeklärt werden.
Zuletzt aktualisiert: August 2026