Der Wundklee gehört zu den traditionsreichen Heilpflanzen Europas und verdankt seinen Namen seiner jahrhundertelangen Verwendung in der Volksheilkunde. Bereits im Mittelalter wurde er zur Pflege kleiner Hautverletzungen eingesetzt und war in vielen Kloster- und Bauerngärten zu finden. Mit seinen leuchtend gelben Blüten wächst er heute vor allem auf trockenen Wiesen, Magerrasen und sonnigen Böschungen.
Gleichzeitig ist er eine wertvolle Nahrungsquelle für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber. Verwendet werden die Blüten und das blühende Kraut. In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Wundklee vor allem äußerlich zur Pflege gereizter Haut sowie kleiner, oberflächlicher Hautverletzungen eingesetzt. Innerlich fand er gelegentlich als Bestandteil von Kräutertees Verwendung.
Steckbrief
Botanischer Name: Anthyllis vulneraria
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Blütezeit: Mai bis September
Verwendete Pflanzenteile: Blüten und blühendes Kraut
Anwendungsformen: Aufgüsse, Umschläge, Waschungen, Salben, Tee
Traditionelle Wirkungen: hautpflegend, reizlindernd, beruhigend
Das Wesen der Pflanze
In der traditionellen Pflanzenheilkunde steht der Wundklee für Heilung, Regeneration und Schutz. Seine Fähigkeit, auf trockenen und nährstoffarmen Böden zu gedeihen, symbolisiert Widerstandskraft und Erneuerung. Die weich behaarten Blätter und Blüten wurden in der historischen Signaturenlehre als Hinweis auf seine traditionelle Verwendung zur Pflege von Haut und kleinen Wunden gedeutet.
Nach traditioneller Auffassung unterstützt der Wundklee die natürlichen Regenerationsprozesse der Haut und trägt dazu bei, gereiztes Gewebe zu beruhigen. Diese Betrachtungsweise entstammt der traditionellen Pflanzenheilkunde und ist wissenschaftlich nicht belegt.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Der Wundklee enthält unter anderem:
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Saponine
- Polyphenole
Diesen Inhaltsstoffen werden unter anderem folgende Eigenschaften zugeschrieben:
- antioxidativ
- mild entzündungshemmend
- hautpflegend
- reizlindernd
Traditionell wurde Wundklee angewendet bei:
- kleinen oberflächlichen Hautverletzungen
- Schürfwunden
- gereizter Haut
- leichten Hautentzündungen
Anwendung
Wundklee-Umschlag
Ein Wundklee-Umschlag wurde traditionell zur Pflege kleiner Hautreizungen und oberflächlicher Schürfwunden verwendet.
Zutaten
- 2 Esslöffel getrocknetes Wundkleekraut (Blüten und Blätter)
- 250 ml heißes Wasser
Zubereitung
Das Kraut mit heißem Wasser übergießen und etwa zehn bis fünfzehn Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und auf handwarme Temperatur abkühlen lassen.
Anwendung
Ein sauberes Baumwolltuch oder eine sterile Kompresse mit dem Aufguss tränken und für zehn bis zwanzig Minuten auf die betroffene Hautstelle legen. Bei Bedarf kann die Anwendung ein- bis zweimal täglich wiederholt werden.
Wundklee-Salbe
Zutaten
- 20 g getrocknete Wundklee-Blüten und -Blätter
- 100 ml hochwertiges Oliven- oder Mandelöl
- 10 g Bienenwachs
Zubereitung
Das Öl zusammen mit dem Wundklee etwa eine Stunde im Wasserbad bei niedriger Temperatur ziehen lassen. Anschließend durch ein feines Sieb oder Tuch filtern. Das Bienenwachs im noch warmen Kräuteröl schmelzen lassen, gut verrühren und in saubere Salbendöschen füllen. Nach dem Abkühlen ist die Salbe gebrauchsfertig.
Anwendung
Die Salbe kann traditionell ein- bis zweimal täglich dünn auf trockene oder gereizte Haut aufgetragen werden. Sie dient der Hautpflege und ersetzt keine medizinische Wundbehandlung.
Was sagt die Wissenschaft?
Der Wundklee besitzt derzeit keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und zählt daher nicht zu den wissenschaftlich anerkannten traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln.
Laboruntersuchungen weisen auf antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften der enthaltenen Flavonoide und Polyphenole hin. Klinische Studien am Menschen liegen bislang jedoch nur in sehr begrenztem Umfang vor. Die traditionelle Anwendung beruht daher überwiegend auf langjähriger volksheilkundlicher Erfahrung und konnte wissenschaftlich bisher nicht ausreichend bestätigt werden.
Unsere Einordnung in der Praxis
Der Name Wundklee verweist auf seine lange volksheilkundliche Verwendung bei kleinen Hautverletzungen. Eine wissenschaftlich ausreichend belegte medizinische Wirkung beim Menschen liegt bislang jedoch nicht vor.
Deshalb sollte Wundklee heute eher als traditionelle Pflanze zur Hautpflege und nicht als eigenständige Wundbehandlung verstanden werden.
Kleine oberflächliche Hautreizungen müssen sauber gehalten und beobachtet werden. Tiefere Wunden, starke Schmerzen, zunehmende Rötung, Schwellung, Überwärmung oder andere Zeichen einer Infektion benötigen eine medizinische Abklärung.
Für die pflanzliche Behandlung von Hautbeschwerden stehen außerdem besser untersuchte Heilpflanzen und zugelassene pflanzliche Arzneimittel zur Verfügung.
Verwechslungsgefahr
Der Wundklee kann mit anderen gelb blühenden Schmetterlingsblütlern verwechselt werden, beispielsweise mit dem Hornklee (Lotus corniculatus) oder verschiedenen Kleearten.
Typische Merkmale sind:
- kugelige, gelb bis gelb-orangefarbene Blütenköpfchen
- dicht behaarte Blätter und Stängel
- wollig behaarte Hüllblätter unterhalb der Blüten
- Wuchshöhe meist zwischen 10 und 40 Zentimetern
Für medizinische Zwecke sollte ausschließlich sicher bestimmtes Pflanzenmaterial verwendet werden.
Wissenswertes
Der wissenschaftliche Artname vulneraria leitet sich vom lateinischen vulnus („Wunde“) ab und verweist auf die traditionelle Verwendung der Pflanze zur Wundpflege.
Heute gilt der Wundklee als ökologisch besonders wertvolle Wildpflanze. Er liefert zahlreichen Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen reichlich Nektar und trägt zur Artenvielfalt auf mageren Wiesen bei.
Hinweise zur Anwendung
Der Wundklee gilt bei äußerlicher Anwendung als gut verträglich.
Die Anwendung sollte ausschließlich auf sauberen, oberflächlichen Hautstellen erfolgen. Tiefere, stark blutende oder infizierte Wunden benötigen eine ärztliche Behandlung.
Treten Rötungen, Schwellungen, starke Schmerzen oder andere Entzündungszeichen auf oder heilen Hautverletzungen nicht innerhalb weniger Tage ab, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Fazit
Der Wundklee zählt zu den traditionsreichen Heilpflanzen der europäischen Volksheilkunde. Seine Blüten und das blühende Kraut wurden über viele Generationen hinweg zur Pflege kleiner Hautverletzungen und gereizter Haut verwendet. Moderne Laboruntersuchungen zeigen vielversprechende Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe, hochwertige klinische Studien am Menschen stehen jedoch noch weitgehend aus.
Wundklee ist vor allem aufgrund seiner historischen Verwendung und seines Namens als traditionelle Wundpflanze interessant. Für eine medizinische Wundbehandlung reicht die wissenschaftliche Datenlage jedoch nicht aus.
Ähnliche Heilpflanzen
Bei traditionellen äußerlichen Anwendungen könnten Sie sich auch über Ringelblume, Gänseblümchen und Vogelsternmiere informieren.
Weitere Informationen
Weitere Pflanzenporträts finden Sie in unserem Heilpflanzenlexikon. Informationen zur individuellen Anwendung, zu möglichen Neben- und Wechselwirkungen sowie zu unserer Beratung erhalten Sie auf der Seite Phytotherapie.
Verantwortlich für den Inhalt
Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin · Pflanzenheilkunde
Qualifikationen und Fortbildungen von Ines Beger
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder phytotherapeutische Beratung. Auch pflanzliche Arzneimittel können Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Bei anhaltenden, zunehmenden oder unklaren Beschwerden sowie in Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung ärztlich oder fachkundig abgeklärt werden.
Zuletzt aktualisiert: August 2026