Getrocknete Anisfrüchte von Pimpinella anisum
Wärme, Leichtigkeit und Entspannung

Anis gehört zu den traditionsreichen Gewürz- und Heilpflanzen Europas. Sein charakteristischer süßlich-würziger Duft und Geschmack entsteht vor allem durch das ätherische Öl mit seinem Hauptbestandteil trans-Anethol. Medizinisch verwendet werden nicht die Blätter, sondern die getrockneten reifen Früchte der Pflanze. Umgangssprachlich werden sie häufig als „Anissamen“ bezeichnet, botanisch handelt es sich jedoch um Früchte. In der traditionellen Pflanzenheilkunde

wird Anis vor allem bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden mit Blähungen sowie bei erkältungsbedingtem Husten eingesetzt.

Steckbrief

Botanischer Name: Pimpinella anisum L.

Arzneidroge: Anisi fructus – getrocknete reife Anisfrüchte

Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

Blütezeit: etwa Juli bis August

Erntezeit: Spätsommer

Verwendeter Pflanzenteil: getrocknete reife Früchte

Anwendungsformen: Tee, zerkleinerte Früchte, pflanzliche Fertigpräparate

Traditionelle Wirkungen: krampflösend, blähungslindernd und schleimlösend

Das Wesen der Pflanze

In der traditionellen Pflanzenheilkunde steht Anis für Wärme, Entspannung und Leichtigkeit. Sein süßlich-würziger Duft und Geschmack werden seit Jahrhunderten mit Wohlbefinden und einer beruhigenden Wirkung auf einen angespannten Bauch verbunden.

Die feinen weißen Blütendolden und die aromatischen Früchte verleihen der Pflanze einen leichten, beinahe filigranen Charakter. Sinnbildlich wird Anis deshalb mit dem Lösen von Spannung und dem Wiederfinden eines natürlichen Rhythmus in Verbindung gebracht.

Traditionell wird Anis besonders dann eingesetzt, wenn krampfartige Verdauungsbeschwerden, Blähungen oder ein unangenehmes Völlegefühl im Vordergrund stehen. Auch bei erkältungsbedingtem Husten besitzt die Pflanze eine lange Anwendungstradition.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Anisfrüchte enthalten ätherisches Öl. Dessen wichtigster Bestandteil ist trans-Anethol, das für den typischen Geruch und Geschmack verantwortlich ist.

Weitere Inhaltsstoffe sind unter anderem:

  • ätherisches Öl mit überwiegend trans-Anethol,
  • Flavonoide,
  • phenolische Verbindungen,
  • geringe Mengen weiterer aromatischer Pflanzenstoffe sowie
  • fettes Öl.

Experimentelle Untersuchungen zeigen unter anderem krampflösende und sekretfördernde Eigenschaften des ätherischen Öls. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch eine klinisch nachgewiesene Wirksamkeit beim Menschen ableiten.

Traditionell werden Anisfrüchte eingesetzt bei:

  • leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden,
  • Blähungen und Völlegefühl sowie
  • Husten im Rahmen einer Erkältung, wenn zäher Schleim das Abhusten erschwert.

Anwendung

Eine klassische Anwendungsform ist der Anistee.

Anistee

Zutaten

  • etwa 1–3,5 g Anisfrüchte
  • ca. 150 ml heißes Wasser

Zubereitung

Die Anisfrüchte unmittelbar vor der Zubereitung leicht zerdrücken oder anquetschen. Dadurch kann das ätherische Öl besser freigesetzt werden.

Mit heißem Wasser übergießen, zugedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.

Nach der europäischen Arzneimittelbewertung können entsprechende Anisfrucht-Zubereitungen bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen traditionell bis zu dreimal täglich angewendet werden.

Eine Selbstbehandlung sollte nur kurzfristig erfolgen. Bestehen die Beschwerden fort oder verschlimmern sie sich, sollte eine medizinische beziehungsweise fachkundige Abklärung erfolgen.

Ätherisches Anisöl sollte nicht eigenständig wie ein Lebensmittel oder Tee dosiert und eingenommen werden. Es handelt sich um ein hochkonzentriertes Produkt mit anderen Dosierungs- und Sicherheitsanforderungen als Anisfrüchte.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet Anisfrüchte als traditionelles pflanzliches Arzneimittel.

Aufgrund der langjährigen Anwendung wird die Verwendung anerkannt:

  • zur Linderung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen sowie
  • als schleimlösende Unterstützung bei erkältungsbedingtem Husten.

Diese Einstufung bedeutet nicht, dass die Wirksamkeit durch umfangreiche moderne klinische Studien nachgewiesen wurde. Für Anis als Einzelpflanze liegen nur begrenzte klinische Daten vor.

Die traditionelle Anwendung wird vielmehr durch die langjährige medizinische Verwendung und pharmakologische Erkenntnisse zu Inhaltsstoffen wie dem ätherischen Öl gestützt.

Unsere phytotherapeutische Einordnung

Anis kann bei leichten und vorübergehenden Verdauungsbeschwerden eine traditionelle pflanzliche Behandlungsmöglichkeit darstellen. Besonders häufig wird er in Teemischungen zusammen mit anderen aromatischen Heilpflanzen wie Fenchel oder Kümmel verwendet.

Auch bei erkältungsbedingtem Husten wird Anis traditionell eingesetzt, um das Abhusten von Schleim zu unterstützen.

Dabei ist wichtig, Beschwerden nicht ausschließlich symptomatisch zu behandeln. Wiederkehrende oder zunehmende Bauchschmerzen, länger anhaltende Verdauungsprobleme oder Atemwegsbeschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden.

Im Rahmen unserer Phytotherapie betrachten wir deshalb nicht nur die einzelne Heilpflanze, sondern auch Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, mögliche Wechselwirkungen und die geeignete Zubereitungsform.

Verwechslungsgefahr

Echter Anis – Pimpinella anisum – gehört zur Familie der Doldenblütler.

Nicht zu verwechseln ist er mit Sternanis, dessen sternförmige Früchte ebenfalls nach Anis schmecken. Sternanis stammt jedoch von einer botanisch völlig anderen Pflanze.

Für eine medizinische Anwendung sollten geprüfte Anisfrüchte aus Apotheke oder kontrolliertem Handel verwendet werden. Vom eigenständigen Sammeln ähnlich aussehender Doldenblütler ist abzuraten, da sich innerhalb dieser Pflanzenfamilie auch ungeeignete und giftige Arten befinden.

Wissenswertes

Der typische Anisgeschmack stammt überwiegend vom Inhaltsstoff trans-Anethol. Auch Fenchel besitzt diesen aromatischen Pflanzenstoff, weshalb sich Geschmack und Geruch beider Heilpflanzen ähneln können.

Anis wird seit Jahrhunderten sowohl als Gewürz als auch als Heilpflanze verwendet. Die Früchte finden sich bis heute in Kräutertees, Gewürzmischungen und traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln.

Botanisch interessant: Die kleinen Gebilde, die im Alltag meist als „Anissamen“ bezeichnet werden, sind tatsächlich die getrockneten Früchte der Pflanze.

Hinweise zur Anwendung

Anisfrüchte sollten nicht angewendet werden bei einer bekannten Allergie gegen Anis oder Anethol.

Vorsicht ist außerdem bei Allergien gegen andere Doldenblütler geboten, beispielsweise:

  • Fenchel,
  • Kümmel,
  • Koriander,
  • Dill oder
  • Sellerie.

Allergische Reaktionen sind möglich.

Für die medizinische Anwendung von Anisfrüchten bei Kindern unter 12 Jahren liegen nach Bewertung der EMA keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor.

Während Schwangerschaft und Stillzeit wird eine medizinische Anwendung von Anisfrüchten aufgrund fehlender ausreichender Daten nicht empfohlen.

Für ätherisches Anisöl gelten strengere Einschränkungen als für einen Tee aus Anisfrüchten. Hochkonzentriertes ätherisches Öl sollte insbesondere nicht eigenständig innerlich angewendet werden.

Eine längerfristige Selbstbehandlung ist nicht vorgesehen. Halten die Beschwerden länger an, nehmen sie zu oder treten zusätzliche Symptome auf, sollte ärztlicher beziehungsweise fachkundiger Rat eingeholt werden.

Fazit

Anis – Pimpinella anisum – ist eine traditionsreiche Heil- und Gewürzpflanze, deren getrocknete Früchte vor allem bei leichten Verdauungsbeschwerden und erkältungsbedingtem Husten verwendet werden.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt diese Anwendungen aufgrund der langjährigen traditionellen Verwendung an. Eine umfassend klinisch belegte Wirksamkeit im Sinne moderner Arzneimittelstudien liegt für Anis als Einzelpflanze jedoch nicht vor.

Bei sachgerechter und kurzfristiger Anwendung kann Anis eine Möglichkeit innerhalb der traditionellen Phytotherapie sein. Entscheidend sind die richtige Zubereitung, Dosierung sowie die Berücksichtigung möglicher Gegenanzeigen.

Ähnliche Heilpflanzen

Bei leichten Verdauungsbeschwerden, Blähungen oder Völlegefühl können – je nach Beschwerdebild – auch andere Heilpflanzen infrage kommen:

Besonders Fenchel und Pfefferminze ergänzen Anis thematisch im Bereich der Verdauung. Anis und Fenchel besitzen außerdem ähnliche aromatische Inhaltsstoffe und werden traditionell häufig gemeinsam in Teemischungen verwendet.

Weitere Informationen

Weitere Pflanzenporträts finden Sie in unserem Heilpflanzenlexikon.

Informationen zur individuellen Anwendung von Heilpflanzen, zu möglichen Neben- und Wechselwirkungen sowie zu unserer Beratung erhalten Sie auf der Seite Phytotherapie.

Wissenschaftliche Grundlage:
European Medicines Agency (EMA) – Anisi fructus / Pimpinella anisum

Verantwortlich für den Inhalt

Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin · Pflanzenheilkunde

Qualifikationen und Fortbildungen von Ines Beger

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder phytotherapeutische Beratung. Auch pflanzliche Arzneimittel können Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen haben. Bei anhaltenden, zunehmenden oder unklaren Beschwerden sowie in Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung ärztlich oder fachkundig abgeklärt werden.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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