Das Lungenkraut gehört zu den traditionsreichen Heilpflanzen Europas und wächst bevorzugt in lichten Laubwäldern sowie an feuchten Waldrändern. Besonders auffällig sind seine weiß gefleckten Blätter und die Blüten, die ihre Farbe im Laufe der Blütezeit von Rosa über Violett bis Blau verändern. Seinen Namen verdankt das Lungenkraut den gefleckten Blättern, die nach der mittelalterlichen Signaturenlehre an die menschliche Lunge erinnerten.
Deshalb wurde die Pflanze über Jahrhunderte traditionell zur Unterstützung der Atemwege verwendet. Heute spielt sie vor allem in der Volksheilkunde eine Rolle, während ihre medizinische Wirksamkeit wissenschaftlich bislang nur begrenzt untersucht wurde.
Steckbrief
Botanischer Name: Pulmonaria officinalis
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Blütezeit: März bis Mai
Verwendeter Pflanzenteil: Blühendes Kraut und Blätter
Anwendungsformen: Tee, Kräutermischungen
Traditionelle Wirkungen: reizlindernd, schleimhautschützend, unterstützend bei Husten und Heiserkeit
Das Wesen der Pflanze
In der traditionellen Pflanzenheilkunde gilt das Lungenkraut als Symbol für Regeneration, Atmung und Lebenskraft. Seine früh erscheinenden Blüten stehen für Neubeginn und Erneuerung nach dem Winter.
Nach der Signaturenlehre deuteten die hell gefleckten Blätter auf eine Beziehung zu den Atemwegen hin. Deshalb wurde das Lungenkraut traditionell bei Husten, Heiserkeit und anderen Beschwerden der Atemwege eingesetzt. Diese Betrachtungsweise entstammt der traditionellen Pflanzenheilkunde und ist wissenschaftlich nicht belegt.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Lungenkraut enthält unter anderem:
- Schleimstoffe
- Gerbstoffe
- Flavonoide
- Kieselsäure
- Allantoin
- Saponine
Diese Inhaltsstoffe werden mit folgenden Eigenschaften in Verbindung gebracht:
- reizlindernd
- schleimhautschützend
- antioxidativ
- leicht entzündungshemmend
Traditionell wurde Lungenkraut eingesetzt bei:
- trockenem Reizhusten
- Heiserkeit
- Halsschmerzen
- leichten Erkältungsbeschwerden
Anwendung
Die häufigste Anwendungsform ist ein Kräutertee.
Zutaten
- 1–2 Teelöffel getrocknetes Lungenkraut
- 250 ml heißes Wasser
Zubereitung
Das Kraut mit heißem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.
Traditionell werden zwei bis drei Tassen täglich getrunken.
Was sagt die Wissenschaft?
Lungenkraut besitzt eine lange Tradition in der europäischen Volksheilkunde. Eine wissenschaftlich anerkannte medizinische Anwendung besteht derzeit jedoch nicht. Für Pulmonaria officinalis liegt keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA/HMPC) vor.
Experimentelle Untersuchungen beschreiben antioxidative, entzündungshemmende und schleimhautschützende Eigenschaften verschiedener Inhaltsstoffe. Hochwertige klinische Studien am Menschen fehlen bislang weitgehend, sodass sich die traditionellen Anwendungsgebiete derzeit wissenschaftlich nicht bestätigen lassen.
Unsere physiotherapeutische Einordnung
Erkältungen und Husten können die Atmung beeinträchtigen und zu Verspannungen im Brustkorb sowie im Schulter-Nacken-Bereich führen.
Ein warmer Kräutertee kann in dieser Zeit als wohltuende Begleitmaßnahme empfunden werden. Für eine nachhaltige Genesung sind jedoch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Bewegung nach der Akutphase, Atemübungen und – bei stärkeren Beschwerden – eine medizinische Behandlung entscheidend.
Heilpflanzen und Physiotherapie verfolgen dabei dasselbe Ziel: den Körper in seinen natürlichen Regenerationsprozessen bestmöglich zu unterstützen.
Verwechslungsgefahr
Das Lungenkraut kann mit anderen Arten der Gattung Pulmonaria verwechselt werden.
Charakteristisch sind:
- weiß gefleckte, raue Blätter,
- glockenförmige Blüten,
- Farbwechsel der Blüten von Rosa über Violett zu Blau,
- früher Blühbeginn im Frühjahr.
Für die Anwendung sollte ausschließlich sicher bestimmtes Pflanzenmaterial verwendet werden.
Wissenswertes
Das Lungenkraut war bereits im Mittelalter eine geschätzte Heilpflanze. Seine Verwendung beruhte vor allem auf der Signaturenlehre, nach der Pflanzen Hinweise auf ihre Anwendungsgebiete geben sollten.
Heute wird Lungenkraut vor allem als traditionelle Heilpflanze und Zierpflanze geschätzt. In der modernen Phytotherapie spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle.
Hinweise zur Anwendung
Lungenkraut gilt in den üblichen Mengen als gut verträglich.
Schwangere, Stillende und Kinder sollten auf eine Anwendung nur nach Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal zurückgreifen, da hierzu nur wenige wissenschaftliche Daten vorliegen.
Bei anhaltendem Husten, Atemnot, Fieber oder blutigem Auswurf ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
Fazit
Lungenkraut zählt zu den traditionsreichen Heilpflanzen Europas und wurde über Jahrhunderte zur Unterstützung der Atemwege verwendet. Seine Anwendung beruht vor allem auf den Erfahrungen der Volksheilkunde. Obwohl Laborstudien auf interessante biologische Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe hinweisen, fehlen bislang aussagekräftige klinische Studien am Menschen.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes kann Lungenkraut als traditioneller Kräutertee das allgemeine Wohlbefinden unterstützen. Gemeinsam mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Bewegung und physiotherapeutischen Maßnahmen trägt es dazu bei, die natürlichen Regenerationsprozesse des Körpers zu begleiten.