Wermut gehört zu den ältesten Heilpflanzen Europas und ist vor allem für seinen intensiv bitteren Geschmack bekannt. Die silbrig behaarten Blätter und die kleinen gelblichen Blüten verleihen der Pflanze ihr charakteristisches Aussehen. Bereits im antiken Griechenland und später in den Klostergärten des Mittelalters wurde Wermut als Heilpflanze zur Unterstützung der Verdauung geschätzt. Heute wird das blühende Kraut vor allem bei
vorübergehendem Appetitverlust sowie leichten Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Aufgrund seiner Bitterstoffe regt Wermut die Bildung von Verdauungssäften an und unterstützt dadurch die normale Verdauung. Diese traditionellen Anwendungsgebiete werden von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) anerkannt.
Steckbrief
Botanischer Name: Artemisia absinthium
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Blütezeit: Juli bis September
Verwendeter Pflanzenteil: Blühendes Kraut
Anwendungsformen: Tee, Tinkturen, Trockenextrakte
Traditionelle Wirkungen: appetitanregend, verdauungsfördernd, bitterstoffreich
Das Wesen der Pflanze
In der traditionellen Pflanzenheilkunde steht Wermut für Reinigung, Klarheit und Anregung. Seine ausgeprägten Bitterstoffe symbolisieren die Fähigkeit, träge gewordene Verdauungsprozesse wieder in Bewegung zu bringen.
Nach traditioneller Auffassung unterstützt Wermut den Körper dabei, die Verdauung anzuregen und das innere Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese Betrachtungsweise entstammt der traditionellen Pflanzenheilkunde und ist wissenschaftlich nicht belegt.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Wermut enthält unter anderem:
- Bitterstoffe (vor allem Absinthin)
- ätherisches Öl (unter anderem Thujon)
- Flavonoide
- Phenolcarbonsäuren
- Gerbstoffe
Diese Inhaltsstoffe werden mit folgenden Eigenschaften in Verbindung gebracht:
- appetitanregend
- verdauungsfördernd
- leicht krampflösend
- antioxidativ
Traditionell wird Wermut eingesetzt bei:
- vorübergehendem Appetitverlust
- leichten Verdauungsbeschwerden
- Völlegefühl
- Sodbrennen
Anwendung
Die gebräuchlichste Anwendungsform ist ein Wermuttee.
Zutaten
- 1 Teelöffel getrocknetes Wermutkraut
- 250 ml heißes Wasser
Zubereitung
Das Kraut mit heißem Wasser übergießen und etwa 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.
Traditionell wird eine Tasse etwa 30 Minuten vor den Mahlzeiten getrunken.
Aufgrund des hohen Bitterstoffgehalts sollte Wermut nur kurzfristig und in den empfohlenen Mengen angewendet werden.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet Wermutkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von vorübergehendem Appetitverlust sowie leichten Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen oder Magen-Darm-Beschwerden. Diese Bewertung beruht auf der langjährigen sicheren Anwendung und nicht auf ausreichenden hochwertigen klinischen Studien.
Laboruntersuchungen beschreiben unter anderem antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften verschiedener Inhaltsstoffe. Für viele weitere in der Volksheilkunde genannte Anwendungen – beispielsweise gegen Parasiten – liegen jedoch keine ausreichenden klinischen Nachweise am Menschen vor.
Unsere physiotherapeutische Einordnung
Eine gut funktionierende Verdauung trägt wesentlich zum allgemeinen Wohlbefinden und zur Regeneration bei.
Im Mittelpunkt der Physiotherapie stehen Bewegung, Aktivität und eine gesunde Lebensweise. Heilpflanzen wie Wermut können bei leichten Verdauungsbeschwerden eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzen jedoch keine medizinische Behandlung.
Heilpflanzen und Physiotherapie verfolgen dabei dasselbe Ziel: den Körper in seinen natürlichen Regulations- und Regenerationsprozessen bestmöglich zu unterstützen.
Verwechslungsgefahr
Wermut kann mit anderen Arten der Gattung Artemisia verwechselt werden.
Typische Merkmale sind:
- silbrig behaarte, stark gefiederte Blätter,
- intensiv bitterer Geschmack,
- aromatischer Duft,
- kleine gelbliche Blütenstände.
Für medizinische Zwecke sollte ausschließlich Artemisia absinthium verwendet werden.
Wissenswertes
Wermut ist einer der Hauptbestandteile des berühmten Getränks Absinth. Früher wurde angenommen, dass der enthaltene Pflanzenstoff Thujon halluzinogene Wirkungen verursacht. Moderne Untersuchungen zeigen jedoch, dass die historischen Probleme vor allem auf den hohen Alkoholgehalt der damaligen Getränke zurückzuführen waren. Heute unterliegt der Thujongehalt in Lebensmitteln und Spirituosen strengen gesetzlichen Grenzwerten.
Hinweise zur Anwendung
Wermut sollte nicht angewendet werden bei:
- Allergie gegen Korbblütler,
- Verschluss der Gallenwege,
- Entzündungen der Gallenwege,
- Lebererkrankungen,
- Schwangerschaft und Stillzeit.
Aufgrund des Thujongehalts sollten Wermutpräparate nicht länger als zwei Wochen ohne ärztlichen Rat angewendet werden.
Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden, starken Bauchschmerzen oder ungeklärtem Gewichtsverlust sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Fazit
Wermut zählt zu den klassischen Bitterpflanzen der europäischen Phytotherapie. Seine ausgeprägten Bitterstoffe machen ihn zu einer bewährten Heilpflanze bei vorübergehendem Appetitverlust sowie leichten Verdauungsbeschwerden. Die moderne Phytotherapie erkennt diese traditionellen Anwendungsgebiete an, während viele weitere historische Anwendungen bislang wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes kann Wermut die physiotherapeutische Behandlung sinnvoll ergänzen. Gemeinsam mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und einem gesunden Lebensstil unterstützt er den Körper dabei, die natürliche Verdauungsfunktion und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.