Das Hirtentäschel gehört zu den traditionsreichsten Heilpflanzen Europas und wächst nahezu überall auf Wiesen, Äckern und Wegrändern. Seinen Namen verdankt es den charakteristischen herzförmigen Schötchen, die an die Ledertaschen früherer Hirten erinnern. Bereits im Mittelalter wurde Hirtentäschel in der Volksheilkunde wegen seiner zusammenziehenden und blutstillenden Eigenschaften geschätzt. Heute findet die Pflanze
vor allem in der traditionellen europäischen Phytotherapie Anwendung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet Hirtentäschel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Verringerung starker Menstruationsblutungen bei erwachsenen Frauen mit regelmäßigem Zyklus, nachdem ernsthafte Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.
Steckbrief
Botanischer Name: Capsella bursa-pastoris
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Blütezeit: März bis Oktober
Verwendeter Pflanzenteil: Blühendes Kraut
Anwendungsformen: Tee, Flüssigextrakte, Tinkturen
Traditionelle Wirkungen: adstringierend, blutstillend, unterstützend bei starker Menstruationsblutung
Das Wesen der Pflanze
In der traditionellen Pflanzenheilkunde steht das Hirtentäschel für Schutz, Stabilität und Ausgleich. Seine kleine, unscheinbare Erscheinung täuscht über seine lange Geschichte als geschätzte Heilpflanze hinweg.
Nach traditioneller Auffassung unterstützt Hirtentäschel die natürliche Regulation des Körpers und wird besonders mit dem Erhalt eines gesunden Blut- und Gefäßsystems in Verbindung gebracht. Diese Betrachtungsweise entstammt der Pflanzenheilkunde und ist wissenschaftlich nicht belegt.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Hirtentäschel enthält unter anderem:
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Cholin
- Tyramin
- Kaliumsalze
- organische Säuren
Diese Inhaltsstoffe werden mit folgenden Eigenschaften in Verbindung gebracht:
- adstringierend
- antioxidativ
- leicht entzündungshemmend
- traditionell blutstillend
Traditionell wurde Hirtentäschel eingesetzt bei:
- starker Menstruationsblutung
- kleineren Blutungen
- Nasenbluten
- leichten Durchfallerkrankungen
Anwendung
Am häufigsten wird Hirtentäschel als Tee verwendet.
Zutaten
- 1–2 Teelöffel getrocknetes Hirtentäschelkraut
- 250 ml heißes Wasser
Zubereitung
Das Kraut mit heißem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.
Traditionell werden zwei bis drei Tassen täglich getrunken.
Was sagt die Wissenschaft?
Hirtentäschel gehört zu den traditionell verwendeten Heilpflanzen Europas. Die wissenschaftliche Datenlage ist begrenzt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt seine traditionelle Anwendung zur Verringerung starker Menstruationsblutungen bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus an, nachdem schwerwiegende Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung und nicht auf umfangreichen klinischen Studien.
Experimentelle Untersuchungen beschreiben antioxidative, entzündungshemmende und gefäßaktive Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe. Hochwertige klinische Studien liegen bislang jedoch nur in begrenztem Umfang vor.
Unsere physiotherapeutische Einordnung
Hirtentäschel gehört nicht zu den klassischen Heilpflanzen der Physiotherapie. Dennoch zeigt es, wie traditionelle Heilpflanzen den Körper auf unterschiedliche Weise unterstützen können.
Für die Behandlung von Beschwerden des Bewegungsapparates bleiben aktive Bewegung, gezielte Übungen, manuelle Therapie und ein individuell abgestimmtes Trainingsprogramm die wichtigsten Bausteine einer erfolgreichen Therapie.
Verwechslungsgefahr
Hirtentäschel kann mit anderen Kreuzblütlern verwechselt werden. Charakteristisch sind:
- die grundständige Blattrosette,
- die kleinen weißen Blüten,
- die auffälligen herzförmigen Schötchen,
- der schlanke, aufrechte Blütenstängel.
Diese herzförmigen Früchte machen die Pflanze meist leicht erkennbar.
Wissenswertes
Hirtentäschel zählt zu den weltweit am weitesten verbreiteten Wildpflanzen und wächst auf nahezu allen Kontinenten.
Bereits im Mittelalter wurde die Pflanze zur Versorgung kleinerer Verletzungen sowie bei verschiedenen Blutungen eingesetzt. Während der beiden Weltkriege fand sie zeitweise als Ersatz für schwer verfügbare blutstillende Arzneimittel Verwendung.
Hinweise zur Anwendung
Hirtentäschel sollte nicht während der Schwangerschaft angewendet werden.
Bei ungewöhnlich starken, lang anhaltenden oder unklaren Blutungen ist grundsätzlich eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Die Anwendung ersetzt keine medizinische Behandlung ernsthafter Erkrankungen.
Fazit
Hirtentäschel zählt zu den traditionsreichen Heilpflanzen der europäischen Phytotherapie. Seine wichtigste anerkannte traditionelle Anwendung liegt in der unterstützenden Behandlung starker Menstruationsblutungen nach ärztlicher Abklärung.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes kann Hirtentäschel eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Wie bei allen Heilpflanzen ersetzt seine Anwendung jedoch keine medizinische Diagnose oder Therapie.