Der Steinklee gehört zu den traditionsreichen Heilpflanzen Europas und wächst bevorzugt auf sonnigen Wiesen, Böschungen und an Wegrändern. Mit seinen leuchtend gelben Blüten und dem charakteristischen Duft nach frischem Heu fällt er besonders in den Sommermonaten auf. Verantwortlich für dieses Aroma ist der natürliche Pflanzenstoff Cumarin. Seit Jahrhunderten wird Steinklee in der Pflanzenheilkunde zur Unterstützung der Venenfunktion und zur Förderung
der Durchblutung geschätzt. Heute wird er vor allem zur Linderung von Schweregefühl und Beschwerden in den Beinen bei leichten venösen Durchblutungsstörungen eingesetzt. Diese traditionelle Anwendung wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) anerkannt.
Steckbrief
Botanischer Name: Melilotus officinalis
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Blütezeit: Juni bis September
Verwendeter Pflanzenteil: Blühendes Kraut
Anwendungsformen: Tee, Trockenextrakte, Tinkturen, Salben und Gele
Traditionelle Wirkungen: venenunterstützend, entzündungshemmend, unterstützend bei Schweregefühl in den Beinen
Das Wesen der Pflanze
In der traditionellen Pflanzenheilkunde steht Steinklee für Leichtigkeit, Fluss und Beweglichkeit. Seine aufrechten Blütenstände und sein feiner Duft symbolisieren einen ungehinderten Energie- und Blutfluss.
Nach traditioneller Auffassung unterstützt Steinklee den natürlichen Kreislauf und hilft dabei, ein Gefühl von Leichtigkeit und Wohlbefinden in den Beinen zu fördern. Diese Betrachtungsweise entstammt der traditionellen Pflanzenheilkunde und ist wissenschaftlich nicht belegt.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Steinklee enthält unter anderem:
- Cumarine (vor allem Melilotosid)
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Saponine
- Schleimstoffe
Diese Inhaltsstoffe werden mit folgenden Eigenschaften in Verbindung gebracht:
- venenunterstützend
- leicht entzündungshemmend
- antioxidativ
- gefäßschützend
Traditionell wird Steinklee eingesetzt bei:
- Schweregefühl in den Beinen
- leichten venösen Durchblutungsstörungen
- müden Beinen
- leichten Hautentzündungen (äußerlich)
Anwendung
Steinklee kann innerlich und äußerlich angewendet werden.
Steinkleetee
Zutaten
- 1–2 Teelöffel getrocknetes Steinkleekraut
- 250 ml heißes Wasser
Zubereitung
Das Kraut mit heißem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.
Traditionell werden zwei bis drei Tassen täglich getrunken.
Äußerlich kommen Salben, Gele oder Umschläge mit Steinklee traditionell bei leichten Hautentzündungen zur Anwendung.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet Steinklee als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Schweregefühl und Beschwerden in den Beinen im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen. Außerdem wird die äußerliche Anwendung bei leichten Hautentzündungen traditionell anerkannt. Diese Bewertung beruht auf der langjährigen sicheren Anwendung und nicht auf ausreichenden hochwertigen klinischen Studien.
Einige klinische Untersuchungen deuten auf eine mögliche Verbesserung venöser Beschwerden hin. Aufgrund der begrenzten Studienqualität lassen sich jedoch keine eindeutigen Aussagen zur Wirksamkeit treffen. Deshalb stützt sich die EMA auf die langjährige traditionelle Anwendung.
Unsere physiotherapeutische Einordnung
Schwere und müde Beine treten häufig bei langem Sitzen oder Stehen sowie bei leichten venösen Durchblutungsstörungen auf.
Regelmäßige Bewegung, Venengymnastik, Kompressionstherapie – sofern ärztlich empfohlen – und physiotherapeutische Maßnahmen bilden die Grundlage einer erfolgreichen Behandlung. Steinklee kann diese Maßnahmen im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes sinnvoll ergänzen.
Heilpflanzen und Physiotherapie verfolgen dabei dasselbe Ziel: den Körper in seinen natürlichen Regulations- und Regenerationsprozessen bestmöglich zu unterstützen.
Verwechslungsgefahr
Steinklee kann mit anderen gelb blühenden Hülsenfrüchtlern verwechselt werden.
Typische Merkmale sind:
- kleine leuchtend gelbe Schmetterlingsblüten,
- dreizählige Blätter,
- aufrechter Wuchs,
- charakteristischer Duft nach frischem Heu.
Für die medizinische Anwendung sollte ausschließlich sicher bestimmtes Pflanzenmaterial verwendet werden.
Wissenswertes
Der typische Duft des Steinklees entsteht erst während des Trocknungsprozesses, wenn aus pflanzlichen Vorstufen Cumarin gebildet wird.
Trotz seines Namens ist Cumarin nicht mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten wie Warfarin gleichzusetzen. Solche Arzneistoffe werden synthetisch hergestellt und unterscheiden sich chemisch deutlich vom natürlichen Cumarin im Steinklee.
Steinklee ist außerdem eine wertvolle Bienenweide und wird wegen seines hohen Nektarangebots von zahlreichen Insekten besucht.
Hinweise zur Anwendung
Steinklee gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als gut verträglich.
Bei Schwellungen, starken Schmerzen, Hautverfärbungen oder plötzlich auftretenden Beschwerden an den Beinen sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
Während Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht empfohlen. Personen, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten Steinklee nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin anwenden.
Fazit
Steinklee zählt zu den traditionsreichen Heilpflanzen Europas und wird seit Jahrhunderten zur Unterstützung der Venengesundheit verwendet. Seine traditionelle Anwendung bei Schweregefühl und Beschwerden in den Beinen sowie bei leichten Hautentzündungen wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur anerkannt.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes kann Steinklee eine sinnvolle Ergänzung sein. Gemeinsam mit regelmäßiger Bewegung, Venengymnastik, physiotherapeutischen Maßnahmen und einem aktiven Lebensstil unterstützt er den Körper dabei, die natürliche Funktion des Venensystems zu fördern.