Unter einer Kalkschulter (Tendinosis calcarea) versteht man die Ablagerung kleiner Kalkdepots innerhalb einer oder mehrerer Sehnen der Rotatorenmanschette. Am häufigsten betroffen ist dabei die Supraspinatussehne, welche für das seitliche Anheben des Arms verantwortlich ist.
Die Kalkablagerungen können über einen längeren Zeitraum bestehen, ohne Beschwerden zu verursachen. Beginnt der Körper jedoch den Kalk wieder abzubauen, kommt es häufig zu einer starken Entzündungsreaktion, die erhebliche Schmerzen auslösen kann.
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Typische Beschwerden
Mögliche Anzeichen einer Kalkschulter sind:
- Schmerzen beim seitlichen oder vorderen Anheben des Arms
- Beschwerden bei Arbeiten über dem Kopf
- ausgeprägte Nacht- und Ruheschmerzen
- Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Schulter
- Ausstrahlung in Oberarm oder Nacken
- eingeschränkte Schulterbeweglichkeit
- plötzlich auftretende starke Schmerzattacken
- Schwierigkeiten beim Anziehen, Haarewaschen oder Greifen nach hinten
Ähnliche Beschwerden können auch bei einer Bizepssehnenreizung, einer Schleimbeutelreizung oder anderen Erkrankungen der Rotatorenmanschette auftreten.
Wie wird eine Kalkschulter festgestellt?
Am Anfang stehen ein Gespräch über die Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Dabei werden Beweglichkeit, Muskelkraft und schmerzhafte Bewegungsrichtungen überprüft.
Kalkablagerungen können meist durch eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Eine MRT-Untersuchung kann bei unklaren Beschwerden oder dem Verdacht auf zusätzliche Schäden sinnvoll sein, ist aber nicht grundsätzlich erforderlich.
Die Größe der Ablagerung allein sagt wenig über die Stärke der Beschwerden aus. Entscheidend ist, ob der Befund zur Untersuchung und zum Schmerzverlauf passt.
Behandlung nach wissenschaftlichen Empfehlungen
Die Behandlung richtet sich nach der Krankheitsphase, den Beschwerden und den Einschränkungen im Alltag. Meist beginnt sie ohne Operation.
Mögliche Behandlungsmaßnahmen sind:
- vorübergehende Anpassung schmerzauslösender Belastungen
- ärztlich abgestimmte Schmerzbehandlung
- Physiotherapie und aktive Übungen
- gegebenenfalls eine entzündungshemmende Injektion
- Stoßwellentherapie
- ultraschallgestützte Spülung der Kalkablagerung
- in seltenen Fällen eine Operation
Eine längere vollständige Ruhigstellung ist normalerweise nicht sinnvoll. Gleichzeitig sollten stark schmerzhafte Bewegungen während einer akuten Phase nicht erzwungen werden.
Physiotherapie bei einer Kalkschulter
Die Schultertherapie richtet sich nach Ihrer aktuellen Beweglichkeit, der Schmerzintensität und der jeweiligen Krankheitsphase.
Mögliche Inhalte sind:
- schmerzarme Mobilisation der Schulter
- Erhaltung beziehungsweise Verbesserung der Beweglichkeit
- Training der Rotatorenmanschette
- Kräftigung der Schulterblattmuskulatur
- Verbesserung der Schulterblattführung
- Anpassung von Alltags- und Überkopfbelastungen
- individuell abgestimmte Eigenübungen
Techniken aus der Manuellen Therapie können die Behandlung abhängig vom Befund ergänzen. Physiotherapie entfernt die Kalkablagerung nicht unmittelbar, kann aber Beweglichkeit, Belastbarkeit und die Funktion des Schulterkomplexes unterstützen.
Ergänzend zur persönlichen Behandlung finden Sie in unserem Schulter-Übungsprogramm als PDF ausgewählte Übungen für Beweglichkeit und Belastbarkeit. Führen Sie bitte nur Übungen aus, die zu Ihrem Befund passen und mit Ihnen besprochen wurden.
Stoßwellentherapie bei Kalkschulter
Bei länger bestehenden Beschwerden kann eine Stoßwellentherapie bei Kalkschulter als ergänzende Behandlung infrage kommen.
Die Studienergebnisse zur Stoßwellentherapie bei Kalkschulter sind jedoch nicht einheitlich. Deshalb lässt sich nicht vorhersagen, wie stark eine einzelne Person davon profitiert. Vor der Behandlung prüfen wir, ob das Verfahren zu Ihrem Befund passt und ob mögliche Gegenanzeigen bestehen.
Die Stoßwellenbehandlung kostet in unserer Praxis 40 Euro pro Behandlung und wird als Selbstzahlerleistung angeboten.
Wann sollte die Schulter ärztlich untersucht werden?
Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:
- plötzlich auftretendem deutlichem Kraftverlust
- starken Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall
- ausgeprägter Rötung, Überwärmung oder Schwellung
- Fieber oder allgemeinem Krankheitsgefühl
- anhaltenden starken Nacht- und Ruheschmerzen
- zunehmenden Gefühlsstörungen im Arm
Was können Sie selbst tun?
Vermeiden Sie während einer akuten Schmerzphase wiederholte stark schmerzhafte Überkopfbewegungen. Bewegen Sie die Schulter trotzdem regelmäßig in einem gut verträglichen Bereich, damit sie nicht zusätzlich versteift.
Welche Übungen geeignet sind, hängt von der Krankheitsphase und Ihrem individuellen Befund ab. Nach dem Abklingen der stärksten Schmerzen wird die Belastung schrittweise gesteigert.
Unser Ziel
Gemeinsam entwickeln wir einen Behandlungsplan, der zu Ihren Beschwerden und Ihrem Alltag passt. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, Beweglichkeit zu verbessern und die Schulter wieder kontrolliert und belastbar einzusetzen.
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Häufig gestellte Fragen zur Kalkschulter
Was ist eine Kalkschulter?
Bei einer Kalkschulter lagern sich Kalziumsalze in einer oder mehreren Sehnen der Rotatorenmanschette ab. Besonders häufig ist die Supraspinatussehne betroffen. Der medizinische Fachbegriff lautet Tendinosis calcarea oder kalzifizierende Tendinopathie.
Die Ablagerungen können unbemerkt bleiben, aber auch Entzündungen, starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auslösen.
Wie entsteht eine Kalkschulter?
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen Umbauprozesse innerhalb des Sehnengewebes eine Rolle. Die Kalkablagerung entsteht nicht einfach durch eine kalziumreiche Ernährung und ist gewöhnlich kein Zeichen dafür, dass der gesamte Körper „verkalkt“.
Kann eine Kalkschulter von selbst verschwinden?
Ja. Kalkablagerungen können sich im Laufe der Zeit teilweise oder vollständig auflösen. Gerade während dieser sogenannten Resorptionsphase können jedoch vorübergehend sehr starke Schmerzen auftreten.
Ein im Röntgenbild sichtbares Kalkdepot verursacht nicht automatisch Beschwerden. Kalkablagerungen werden auch bei Menschen entdeckt, die keine Schulterschmerzen haben. Deshalb müssen Bildbefund, Beschwerden und körperliche Untersuchung immer gemeinsam beurteilt werden. Gesundheitsinformation.de
Wie wird eine Kalkschulter festgestellt?
Zur Diagnostik gehören die Befragung zu den Beschwerden und eine körperliche Untersuchung der Schulter. Kalkablagerungen lassen sich meistens im Röntgenbild oder durch eine Ultraschalluntersuchung erkennen.
Eine MRT-Untersuchung ist nicht immer notwendig. Sie kann infrage kommen, wenn weitere Schäden oder andere Ursachen der Beschwerden abgeklärt werden sollen.
Warum können die Schmerzen plötzlich sehr stark werden?
Wenn der Körper beginnt, das Kalkdepot abzubauen, kann eine ausgeprägte Entzündungsreaktion entstehen. Dann treten teilweise ohne vorausgegangenen Unfall heftige Ruhe- und Nachtschmerzen auf. Manche Betroffene können den Arm vorübergehend kaum noch bewegen.
Eine plötzlich stark schmerzende Schulter sollte ärztlich untersucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.
Was hilft während einer akuten Schmerzphase?
In der akuten Phase kann es sinnvoll sein, besonders schmerzhafte Belastungen und wiederholte Überkopfbewegungen vorübergehend zu reduzieren. Die Schulter sollte jedoch nicht über längere Zeit vollständig ruhiggestellt werden.
Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente dürfen wegen möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen nur individuell und nach ärztlicher beziehungsweise pharmazeutischer Beratung eingesetzt werden. Auch eine ärztlich durchgeführte Injektion kann in bestimmten Fällen erwogen werden.
Kann Physiotherapie die Kalkablagerung entfernen?
Physiotherapie kann das Kalkdepot nicht unmittelbar „wegmassieren“ oder aus der Sehne herausdrücken. Sie kann aber helfen,
- die Beweglichkeit der Schulter zu erhalten oder wiederherzustellen,
- schmerzbedingte Ausweichbewegungen zu reduzieren,
- Schulterblatt und Rotatorenmanschette gezielt zu kräftigen,
- die Belastbarkeit schrittweise zu verbessern und
- die Rückkehr zu Alltag, Beruf und Sport vorzubereiten.
Die Übungen werden an die jeweilige Krankheitsphase und Schmerzreaktion angepasst.
Darf eine Kalkschulter massiert werden?
Eine kräftige direkte Massage der schmerzenden Sehne oder des Kalkdepots ist besonders in einer akuten Entzündungsphase nicht empfehlenswert. Abhängig vom Befund können sanfte Maßnahmen an angrenzenden Muskeln und Gelenken die physiotherapeutische Behandlung ergänzen.
Wichtiger Hinweis: Eine Faszienrolle sollte nicht direkt auf der schmerzhaften Schulter oder über entzündetem Gewebe angewendet werden. Mehr über die richtige Anwendung und die Grenzen dieser Selbstbehandlung erfahren Sie im Beitrag „Die Faszienrolle auf dem Prüfstand“.
Hilft eine Stoßwellentherapie bei Kalkschulter?
Eine extrakorporale Stoßwellentherapie kann bei länger anhaltenden Beschwerden infrage kommen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und körpereigene Umbauprozesse anzuregen.
Die Studienergebnisse sind jedoch nicht einheitlich. Daher lässt sich nicht sicher vorhersagen, ob und wie stark eine einzelne Person von der Behandlung profitiert. Nutzen, Kosten und mögliche Gegenanzeigen sollten vor Behandlungsbeginn besprochen werden. Gesundheitsinformation.de
Was ist eine Kalkdepot-Spülung?
Bei der sogenannten ultraschallgesteuerten Nadelspülung oder Lavage wird das Kalkdepot mit einer Nadel aufgesucht, aufgelockert und möglichst abgesaugt. Das Verfahren wird ärztlich durchgeführt und kommt nur bei geeigneten Befunden infrage.
Ob es sinnvoll ist, hängt unter anderem von Größe und Beschaffenheit des Kalkdepots, der Krankheitsphase und den bisherigen Behandlungen ab.
Muss eine Kalkschulter operiert werden?
Meistens nicht. Üblicherweise wird zunächst konservativ behandelt – beispielsweise durch Belastungsanpassung, Physiotherapie und eine ärztlich abgestimmte Schmerzbehandlung.
Eine Operation kann erwogen werden, wenn erhebliche Beschwerden trotz angemessener konservativer Behandlung über längere Zeit bestehen und eindeutig mit dem Kalkdepot zusammenhängen. Dabei werden Nutzen und mögliche Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen.
Darf ich mit einer Kalkschulter Sport treiben?
Bewegung ist häufig möglich und langfristig sinnvoll. In einer akuten Schmerzphase sollten stark schmerzhafte Überkopfbelastungen, Würfe oder schwere Druck- und Zugbewegungen vorübergehend angepasst werden.
Der Wiedereinstieg erfolgt schrittweise. Eine gewisse Anstrengung ist dabei nicht automatisch schädlich; deutliche oder länger anhaltende Schmerzsteigerungen sprechen jedoch dafür, die Belastung anzupassen.
Wie lange dauert eine Kalkschulter?
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Manche Beschwerden klingen innerhalb einiger Wochen ab, andere halten über mehrere Monate an oder treten phasenweise wieder auf. Die Dauer hängt nicht nur von der Größe des Kalkdepots ab, sondern auch von der Entzündungsreaktion, der Schulterfunktion und weiteren möglichen Ursachen der Beschwerden.
Wann sollte die Kalkschulter ärztlich untersucht werden?
Eine zeitnahe ärztliche Untersuchung ist insbesondere wichtig bei:
- plötzlich auftretenden sehr starken Schmerzen
- deutlichem oder zunehmendem Kraftverlust
- Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall
- Rötung, Überwärmung oder ausgeprägter Schwellung
- Fieber oder allgemeinem Krankheitsgefühl
- zunehmenden Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen
- anhaltenden starken Ruhe- und Nachtschmerzen
Bei Brustschmerzen, Atemnot, kaltem Schweiß oder plötzlich ausstrahlenden Schmerzen in Schulter und Arm muss sofort der Rettungsdienst unter 112 verständigt werden.
Wissenschaftliche Grundlage
Über die Autorin
Ines Beger ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktikerin in Leipzig-Böhlitz-Ehrenberg. Seit mehr als 24 Jahren begleitet sie Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparates und funktionellen Gesundheitsproblemen. Zu ihren Schwerpunkten gehören Osteopathie, Chiropraktik, Neuraltherapie und individuell abgestimmte Behandlungskonzepte.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Plötzlich auftretende starke Schmerzen, deutlicher Kraftverlust sowie Rötung, Überwärmung oder Fieber müssen zeitnah medizinisch abgeklärt werden.
Letzte Aktualisierung: 3. August 2026