Diagnosen

Diagnosen auf einen Blick
Morbus Osgood-Schlatter – Reizung am Ansatz der Patellasehne unterhalb der Kniescheibe

Morbus Osgood-Schlatter ist eine belastungsabhängige Reizung am Ansatz der Patellasehne unterhalb der Kniescheibe. Betroffen ist der noch nicht vollständig ausgereifte Knochenfortsatz am Schienbein, die sogenannte Tuberositas tibiae.

Die Beschwerden treten vor allem bei sportlich aktiven Kindern und Jugendlichen während einer Wachstumsphase auf. Sie können ein oder beide Knie betreffen. Morbus Osgood-Schlatter ist in der Regel nicht gefährlich, kann jedoch über mehrere Monate oder vereinzelt länger Beschwerden verursachen.

Typische Beschwerden bei Morbus Osgood-Schlatter

Typisch sind Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe am vorderen oberen Schienbein. Häufig zeigt sich dort eine druckempfindliche oder sichtbare Vorwölbung.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Schmerzen unterhalb der Kniescheibe
  • Druckempfindlichkeit am Ansatz der Patellasehne
  • Schwellung oder knöcherne Vorwölbung am Schienbein
  • Schmerzen beim Laufen, Springen oder Sprinten
  • Beschwerden beim Treppensteigen, Hocken oder Knien
  • Schmerzen beim Schießen eines Balls
  • verstärkte Beschwerden während oder nach sportlicher Belastung
  • gelegentliches Hinken bei stärkerer Reizung

Die knöcherne Vorwölbung kann auch nach dem Ende des Wachstums sichtbar bleiben. Solange sie keine Beschwerden verursacht, ist dies meistens unproblematisch.

Wie entsteht Morbus Osgood-Schlatter?

Die Patellasehne verbindet die Kniescheibe mit dem oberen Schienbein. Bei jeder Anspannung des vorderen Oberschenkelmuskels werden Zugkräfte über die Kniescheibe und die Patellasehne auf den Sehnenansatz am Schienbein übertragen.

Während einer Wachstumsphase ist dieser Ansatz noch nicht vollständig ausgereift. Wiederholte Belastungen können deshalb zu einer Reizung führen.

Begünstigende Faktoren können sein:

  • Wachstumsschübe
  • häufiges Springen, Sprinten und abruptes Abbremsen
  • Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder Leichtathletik
  • eine schnelle Steigerung des Trainingsumfangs
  • viele Trainingseinheiten mit wenigen Erholungszeiten
  • eingeschränkte Beweglichkeit von Hüfte, Knie oder Sprunggelenk
  • noch nicht ausreichend entwickelte Kraft und Bewegungskontrolle

Die Beschwerden entstehen nicht, weil das Kind „falsch gewachsen“ ist oder grundsätzlich keinen Sport treiben darf. Entscheidend ist, die sportliche Belastung an die aktuelle Belastbarkeit des Knies anzupassen.

Abgrenzung zu anderen Knieschmerzen

Beim Morbus Osgood-Schlatter liegt der Schmerz meistens sehr genau am Knochenvorsprung unterhalb der Kniescheibe.

Beim Patellaspitzensyndrom befindet sich der Schmerz eher am unteren Rand der Kniescheibe oder im Verlauf der Patellasehne.

Beim patellofemoralen Schmerzsyndrom werden die Beschwerden häufig hinter oder rund um die Kniescheibe wahrgenommen.

Andere Ursachen wie eine Sinding-Larsen-Johansson-Erkrankung, eine Verletzung, eine Entzündung oder eine Erkrankung des Hüftgelenks müssen bei untypischen Beschwerden ärztlich ausgeschlossen werden.

Wie wird Morbus Osgood-Schlatter diagnostiziert?

Die Diagnose wird meistens anhand der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung gestellt.

Untersucht werden unter anderem:

  • die genaue Lage des Schmerzes
  • Druckempfindlichkeit und Schwellung
  • Beweglichkeit von Hüfte, Knie und Sprunggelenk
  • Kraft der Bein- und Hüftmuskulatur
  • Kniebeugen, Einbeinstand und Sprungbewegungen
  • Trainingsumfang und Veränderungen der sportlichen Belastung
  • aktuelle Wachstumsphasen

Eine Röntgen- oder MRT-Untersuchung ist bei einem typischen Verlauf meistens nicht notwendig. Eine bildgebende Untersuchung kann sinnvoll sein, wenn die Beschwerden nach einem Unfall aufgetreten sind, ungewöhnlich stark sind, auch in Ruhe oder nachts bestehen oder die Diagnose nicht eindeutig ist.

Befunde auf einem Röntgen- oder MRT-Bild sollten immer gemeinsam mit den Beschwerden und der körperlichen Untersuchung beurteilt werden.

Behandlung von Morbus Osgood-Schlatter

Morbus Osgood-Schlatter wird fast immer ohne Operation behandelt. Im Mittelpunkt stehen Belastungssteuerung, Bewegung und ein schrittweiser Aufbau der Belastbarkeit.

Belastung anpassen

Eine vollständige und langfristige Sportpause ist nicht automatisch erforderlich. Stark schmerzauslösende Aktivitäten sollten vorübergehend reduziert oder verändert werden.

Dazu können gehören:

  • weniger Sprünge und Sprints
  • Reduzierung intensiver Trainingseinheiten
  • vorübergehender Verzicht auf besonders schmerzhafte Übungen
  • zusätzliche Erholungstage
  • alternative Aktivitäten wie lockeres Radfahren oder Schwimmen, sofern diese gut vertragen werden

Bei deutlichem Hinken, starken Schmerzen oder einer klaren Verschlechterung am Folgetag sollte die Belastung weiter reduziert und medizinisch oder physiotherapeutisch überprüft werden.

Physiotherapie

Die physiotherapeutische Behandlung richtet sich nach dem Alter, der ausgeübten Sportart und der individuellen Belastbarkeit.

Mögliche Bestandteile sind:

  • Kräftigung der vorderen Oberschenkelmuskulatur
  • Kräftigung der Hüft- und Gesäßmuskulatur
  • Verbesserung der Beinachsenkontrolle
  • Training von Gleichgewicht und Koordination
  • Verbesserung der Sprung- und Landetechnik
  • schrittweiser Aufbau sportartspezifischer Belastungen
  • Beratung zur Trainingssteuerung

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Krankengymnastik und zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen.

Kühlung, Taping und weitere Hilfsmittel

Eine kurzzeitige Kühlung kann Schmerzen nach einer Belastung lindern. Sie verändert jedoch nicht unmittelbar die Ursache der Beschwerden.

Ein kinesiologisches oder funktionelles Tape kann bei manchen Kindern und Jugendlichen die Beschwerden vorübergehend reduzieren und Bewegungen angenehmer machen. Die Wirkung sollte unmittelbar bei einer schmerzauslösenden Bewegung überprüft werden. Das Tape heilt die gereizte Ansatzstelle jedoch nicht und ersetzt weder eine angepasste Belastungssteuerung noch gezielte Übungen.

Die erste Anlage sollte möglichst durch eine entsprechend geschulte Fachperson erfolgen. Bei Hautreizungen, Juckreiz, Taubheitsgefühl oder zunehmenden Schmerzen muss das Tape entfernt werden. Es sollte nicht dazu verwendet werden, starke Schmerzen oder ein Hinken zu überdecken und das Training unverändert fortzusetzen.

Auch ein Patellasehnenband oder eine Polsterung beim Knien kann einzelnen Betroffenen vorübergehend helfen. Die wissenschaftlichen Nachweise für Taping und solche Hilfsmittel bei Morbus Osgood-Schlatter sind bislang begrenzt.

Schmerzmittel sollten bei Kindern und Jugendlichen nur nach Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder der Apotheke eingesetzt werden.

So setzen wir die Behandlung in unserer Praxis um

Zu Beginn untersuchen wir die genaue Schmerzstelle, Beweglichkeit, Muskelkraft und Bewegungskontrolle. Zusätzlich berücksichtigen wir die ausgeübte Sportart, den Trainingsumfang und mögliche Veränderungen während eines Wachstumsschubs.

Gemeinsam mit dem Kind und den Eltern entwickeln wir einen individuellen Belastungsplan. Bei Bedarf können auch Trainerinnen und Trainer einbezogen werden.

Ziel ist nicht nur eine kurzfristige Verringerung der Schmerzen. Das Knie soll schrittweise wieder auf die Anforderungen im Alltag, im Schulsport und im Vereinstraining vorbereitet werden.

Übungen bei Morbus Osgood-Schlatter

Übungen sollten an die aktuelle Reizbarkeit des Knies angepasst werden. Sie dürfen leicht anstrengend sein, sollten aber keine deutliche Verschlechterung verursachen, die bis zum nächsten Tag anhält.

Oberschenkel anspannen

Im Sitzen oder Liegen wird das Bein ausgestreckt und der vordere Oberschenkel bewusst angespannt. Die Spannung wird kurz gehalten und anschließend gelöst.

Diese Übung kann einen sanften Einstieg in die Belastung der Kniestreckmuskulatur ermöglichen.

Aufstehen von einem erhöhten Stuhl

Von einem ausreichend hohen Stuhl langsam aufstehen und kontrolliert wieder hinsetzen. Die Knie bleiben dabei in Richtung der Füße ausgerichtet.

Die Höhe und Bewegungstiefe werden so gewählt, dass die Beschwerden gut kontrollierbar bleiben.

Beckenheben

In Rückenlage werden beide Füße aufgestellt. Anschließend wird das Becken langsam angehoben und wieder abgesenkt.

Die Übung kräftigt vor allem Gesäß und hintere Oberschenkelmuskulatur, ohne den schmerzhaften Bereich stark zu belasten.

Wadenheben

Im Stand langsam auf die Zehenspitzen heben und anschließend kontrolliert absenken. Bei Bedarf kann man sich dabei festhalten.

Später können anspruchsvollere Übungen wie Step-ups, einbeinige Kniebeugen, Laufübungen und Sprünge ergänzt werden.

Eine feste Anzahl von Wiederholungen ist nicht für jedes Kind geeignet. Umfang, Bewegungstiefe und Widerstand sollten individuell festgelegt werden. Dehnübungen sind insbesondere dann sinnvoll, wenn tatsächlich eine eingeschränkte Beweglichkeit festgestellt wurde. Direkt auf die schmerzhafte Vorwölbung sollte kein starker Druck ausgeübt werden.

Wann ist eine Rückkehr zum Sport möglich?

Die Rückkehr zum Sport erfolgt schrittweise. Folgende Punkte können zur Orientierung dienen:

  • normales Gehen und Treppensteigen ohne Hinken
  • Kniebeugen und Einbeinstand sind gut kontrollierbar
  • leichtes Laufen wird vertragen
  • sportartspezifische Bewegungen sind möglich
  • Sprünge und Richtungswechsel führen zu keiner deutlichen Verschlechterung
  • am folgenden Tag besteht keine relevante Zunahme der Beschwerden

Leichte Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass jede Aktivität beendet werden muss. Die Reaktion während der Belastung und am Folgetag sollte jedoch beobachtet werden.

Wann sollte das Knie ärztlich untersucht werden?

Eine zeitnahe ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn:

  • die Beschwerden nach einem Unfall begonnen haben
  • das Kind das Bein nicht mehr belasten kann
  • eine starke oder plötzlich zunehmende Schwellung besteht
  • das Knie gerötet oder deutlich überwärmt ist
  • Fieber oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auftreten
  • Schmerzen regelmäßig nachts oder in Ruhe bestehen
  • das Knie blockiert oder wiederholt wegknickt
  • Schmerzen in der Hüfte oder an anderen Stellen des Beines auftreten
  • die Beschwerden trotz angepasster Belastung deutlich zunehmen
  • Unsicherheit über die Ursache der Beschwerden besteht

Ziel der Behandlung

Ziel ist eine altersgerechte und sichere Rückkehr zu Bewegung und Sport. Das Kind soll lernen, Belastungen einzuschätzen und das Knie schrittweise wieder belastbarer zu machen.

Dabei stehen nicht nur Schmerzfreiheit, sondern auch Muskelkraft, Bewegungskontrolle, Vertrauen in das Knie und ein sinnvoller Umgang mit Trainingsbelastungen im Mittelpunkt.

Häufige Fragen zu Morbus Osgood-Schlatter

Wie lange dauert Morbus Osgood-Schlatter?

Die Dauer ist unterschiedlich. Beschwerden können einige Wochen, mehrere Monate oder vereinzelt bis über das Ende einer Wachstumsphase hinaus bestehen. Eine passende Belastungssteuerung kann helfen, die Beschwerden zu kontrollieren und Aktivität möglichst aufrechtzuerhalten.

Darf mein Kind weiterhin Sport treiben?

Das hängt von der Stärke der Beschwerden ab. Bei leichten und gut kontrollierbaren Schmerzen kann eine angepasste sportliche Aktivität häufig möglich sein. Bei Hinken, starken Schmerzen oder einer deutlichen Verschlechterung am nächsten Tag sollte die Belastung reduziert werden.

Bleibt die Beule unterhalb des Knies bestehen?

Die knöcherne Vorwölbung kann auch nach dem Abklingen der Beschwerden sichtbar bleiben. Sie ist häufig harmlos, kann aber beim Knien empfindlich sein.

Ist eine Röntgenaufnahme notwendig?

Bei typischen Beschwerden und einem eindeutigen Untersuchungsbefund ist eine Röntgenaufnahme meistens nicht erforderlich. Sie kann bei unklaren, ungewöhnlichen oder unfallbedingten Beschwerden sinnvoll sein.

Muss Morbus Osgood-Schlatter operiert werden?

Eine Operation ist nur sehr selten erforderlich. Sie wird normalerweise erst nach abgeschlossenem Wachstum erwogen, wenn trotz einer angemessenen konservativen Behandlung anhaltende Beschwerden bestehen.

Kann Morbus Osgood-Schlatter beide Knie betreffen?

Ja. Die Beschwerden können nur an einem Knie oder gleichzeitig an beiden Knien auftreten.

Passend zum Thema: Warum Bewegung oft die bessere Medizin ist

Wissenschaftliche Grundlage

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche oder physiotherapeutische Untersuchung, Diagnose oder Beratung. Bei anhaltenden, zunehmenden oder ungewöhnlichen Beschwerden sollte das Knie medizinisch untersucht werden.

Verantwortlich für den Inhalt

Ines Beger, Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Physiotherapie

Letzte Aktualisierung: 17. August 2026

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