Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist.
Die Schmerzen sind häufig einseitig, pulsierend oder pochend und können durch körperliche Aktivität verstärkt werden.
Typischerweise treten zusätzlich Übelkeit sowie eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen auf. Eine Migräneattacke kann mehrere Stunden bis zu mehreren Tagen andauern und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Migräne ist dabei weit mehr als „starker Kopfschmerz“. Sie beruht auf komplexen Vorgängen im Nervensystem und kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben.
Welche Beschwerden können auftreten?
Typische Symptome einer Migräne sind:
- meist einseitige, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen
- Verstärkung der Beschwerden bei körperlicher Aktivität
- Übelkeit oder Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräuschempfindlichkeit
- erhöhte Geruchsempfindlichkeit
- Konzentrationsstörungen
- Erschöpfung vor oder nach einer Attacke
- Nackenbeschwerden
Die Beschwerden und ihre Intensität können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.
Migräne mit Aura
Bei einem Teil der Betroffenen tritt vor oder während der Kopfschmerzphase eine sogenannte Aura auf.
Mögliche Symptome sind beispielsweise:
- Flimmern oder Lichtblitze
- Gesichtsfeldausfälle
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
- Sprachstörungen
- andere vorübergehende neurologische Symptome
Eine Aura entwickelt sich typischerweise allmählich und bildet sich wieder zurück.
Neu auftretende oder ungewöhnliche neurologische Beschwerden sollten jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.
Wie entsteht Migräne?
Die Entstehung der Migräne ist komplex. Heute geht man davon aus, dass genetische Faktoren sowie Veränderungen in der Verarbeitung von Reizen und Schmerzen im Nervensystem eine wichtige Rolle spielen.
Bestimmte Faktoren können bei entsprechend veranlagten Menschen Migräneattacken begünstigen.
Dazu können gehören:
- Stress oder die Entspannung nach Stress
- Schlafmangel oder Veränderungen des Schlafrhythmus
- hormonelle Veränderungen
- ausgelassene Mahlzeiten
- Flüssigkeitsmangel
- Alkohol
- starke Sinnesreize
- Veränderungen des Tagesrhythmus
Welche Faktoren tatsächlich eine Attacke begünstigen, ist individuell sehr unterschiedlich. Nicht jeder vermeintliche „Trigger“ muss deshalb dauerhaft vermieden werden.
Wie wird Migräne diagnostiziert?
Die Diagnose wird in erster Linie anhand der typischen Beschwerden und der Krankengeschichte gestellt.
Hilfreich kann ein Kopfschmerz- oder Migränetagebuch sein. Darin werden unter anderem Häufigkeit, Dauer und Stärke der Kopfschmerzen sowie Begleitsymptome und die Einnahme von Medikamenten dokumentiert.
Bildgebende Untersuchungen wie MRT oder CT sind bei einem typischen Migräneverlauf häufig nicht notwendig. Sie können jedoch erforderlich sein, wenn ungewöhnliche Symptome auftreten oder andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Migränetherapie besteht aus verschiedenen Bausteinen und richtet sich nach Häufigkeit, Stärke und Dauer der Attacken.
Zur Behandlung können gehören:
- Medikamente zur Behandlung einer akuten Migräneattacke
- medikamentöse Migräneprophylaxe
- regelmäßige körperliche Aktivität
- Entspannungsverfahren
- ein möglichst regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Ausdauertraining
- Verhaltenstherapie
- individuelle Strategien zum Umgang mit Belastungen
Bei häufigen oder besonders belastenden Migräneattacken sollte die Behandlung ärztlich beziehungsweise neurologisch begleitet werden.
Therapie nach aktuellen Leitlinien
Aktuelle Leitlinien unterscheiden zwischen der Behandlung einer akuten Migräneattacke und Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Attacken.
Neben geeigneten Medikamenten haben auch nichtmedikamentöse Maßnahmen einen wichtigen Stellenwert. Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Maßnahmen können insbesondere zur Migräneprophylaxe beitragen.
Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von der Häufigkeit der Attacken, möglichen Begleiterkrankungen und der individuellen Lebenssituation ab.
Welche Rolle kann Physiotherapie spielen?
Migräne ist keine Erkrankung, die allein durch eine Behandlung der Halswirbelsäule oder verspannter Muskulatur erklärt oder behandelt werden kann.
Viele Menschen mit Migräne haben jedoch zusätzlich Nacken- und Schulterbeschwerden oder funktionelle Einschränkungen des Bewegungsapparates. Hier kann Physiotherapie sinnvoll ergänzen.
Je nach Befund können beispielsweise Bewegungstherapie, aktive Übungen, Entspannung, Haltungsschulung oder die Behandlung begleitender muskuloskelettaler Beschwerden eingesetzt werden.
Wichtig ist dabei die klare Unterscheidung zwischen der neurologischen Erkrankung Migräne und zusätzlichen Beschwerden des Bewegungsapparates.
Osteopathie bei Migräne
Auch osteopathische Behandlungen werden von manchen Menschen mit Migräne ergänzend genutzt. Dabei können beispielsweise funktionelle Beschwerden des Bewegungsapparates und individuelle Spannungs- oder Bewegungseinschränkungen untersucht und behandelt werden.
Die wissenschaftliche Evidenz für Osteopathie als spezifische Migränebehandlung ist jedoch begrenzt. Deshalb verstehen wir die Osteopathie bei Migräne als mögliche ergänzende Behandlung, insbesondere wenn gleichzeitig Beschwerden des Bewegungsapparates bestehen – nicht als Ersatz für eine neurologische Diagnostik oder leitliniengerechte Migränetherapie.
Neuraltherapie als ergänzende Behandlung
Im Rahmen unserer heilpraktischen Behandlung kann bei ausgewählten Patientinnen und Patienten auch die Neuraltherapie eingesetzt werden.
Dabei werden Lokalanästhetika gezielt injiziert. Ziel ist es, lokale Schmerz- und Regulationsmechanismen zu beeinflussen. Ob eine Neuraltherapie bei bestehenden Kopfschmerz- oder Migränebeschwerden sinnvoll sein kann, wird individuell nach einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung entschieden.
Auch hier gilt: Die Neuraltherapie ist eine ergänzende Behandlung und ersetzt bei Migräne weder die neurologische Abklärung noch eine notwendige medikamentöse Therapie.
Mehr über unsere Neuraltherapie
Mutterkraut – Pflanzenheilkunde bei Migräne
Auch die Phytotherapie beschäftigt sich mit Möglichkeiten zur Migräneprophylaxe. Eine der bekanntesten Heilpflanzen in diesem Zusammenhang ist das Mutterkraut (Tanacetum parthenium).
Mutterkraut wird traditionell zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Untersuchungen deuten bei bestimmten standardisierten Zubereitungen auf einen möglichen vorbeugenden Effekt hin, die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch nicht eindeutig.
Mutterkraut ist daher kein Ersatz für eine ärztlich empfohlene Migränetherapie. Auch pflanzliche Präparate können Neben- und Wechselwirkungen haben und sind nicht für jeden Menschen geeignet.
Im Rahmen unserer Phytotherapie beraten wir deshalb individuell, ob eine pflanzenheilkundliche Begleitung sinnvoll sein kann.
Mehr über unsere Phytotherapie
Wann sollten Kopfschmerzen ärztlich abgeklärt werden?
Nicht jeder starke Kopfschmerz ist Migräne.
Eine zeitnahe oder notfallmäßige ärztliche Abklärung ist insbesondere wichtig bei plötzlich auftretenden, ungewöhnlich starken Kopfschmerzen, neuen neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsstörungen, Fieber mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung oder einer deutlichen Veränderung bereits bekannter Kopfschmerzen.
Wann sollten Kopfschmerzen ärztlich abgeklärt werden?
Nicht jeder starke Kopfschmerz ist Migräne.
Eine zeitnahe oder notfallmäßige ärztliche Abklärung ist insbesondere wichtig bei plötzlich auftretenden, ungewöhnlich starken Kopfschmerzen, neuen neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsstörungen, Fieber mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung oder einer deutlichen Veränderung bereits bekannter Kopfschmerzen.
Mikronährstoffe und Mikrobiom
Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen und Migräne rücken zunehmend auch Mikronährstoffe und das Darmmikrobiomin den Fokus. Studien zeigen, dass insbesondere ein Mangel an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Coenzym Q10 und Vitamin D bei manchen Betroffenen eine Rolle spielen kann.
Auch das Darmmikrobiom steht im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen und der Schmerzverarbeitung. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, fermentierten Lebensmitteln und einer insgesamt entzündungsarmen Kost kann unterstützend wirken.
FAQ
Ist Migräne heilbar?
Migräne ist nicht heilbar, aber in vielen Fällen gut behandelbar und deutlich reduzierbar.
Was hilft bei einem akuten Anfall?
Frühzeitig eingenommene Migränemedikamente, Ruhe, Dunkelheit und Reizabschirmung können helfen.
Kann Physiotherapie Migräne heilen?
Nein, aber sie kann begleitende Beschwerden im Nacken- und Schulterbereich positiv beeinflussen.
Hilft Sport bei Migräne?
Regelmäßiger moderater Ausdauersport kann die Häufigkeit von Attacken reduzieren.
Weiterführende, seriöse Informationsquellen:
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) – Patienteninformationen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) – Leitlinien
- Cochrane Library – evidenzbasierte Übersichtsarbeiten
- PubMed – wissenschaftliche Studiendatenbank
- AWMF – aktuelle Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieempfehlung. Welche Übungen und Behandlungen geeignet sind, hängt von der Ursache, möglichen Begleitverletzungen und der persönlichen Belastbarkeit ab.
Verantwortlich für den Inhalt
Ines Beger
Physiotherapeutin · Heilpraktikerin · Osteopathin
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Letzte Aktualisierung: 3. August 2026